Es herbstelt…oder: Geräusche aus dem Hinterhof Teil 2

Teil 1 = So riecht der Frühling

Wenn man erst einmal das Daunenbett wieder aus dem Schrank holt, Kerzen kauft und das Bad der wärmste Ort in der Wohnung am Morgen ist, dann ist der Herbst da.
Auch die Geräusche aus dem Hinterhof haben sich verändert. Nur vereinzelt spielen die Kinder noch draußen, was ich persönlich sehr schade finde. Aber sie werden den Herbst schon noch für sich entdecken. Ich helfe nach 😉

Herr A., der den ganzen Sommer auf seiner Liege lag und in der Sonne brutzelte, sieht inzwischen aus wie eine kross gebratene Thüringer Bratwurst. Er ist wohl in der Nachbarschaft der Belastbarste. Noch immer stört ihn nix und niemand und ich glaube, er wäre dort auf seiner Liege auch noch weiter liegengeblieben, wäre ihm nicht eines Tages eine reife Kastanie auf den Kopf gefallen. >Plopps< . Er berappelte sich kurz, sah auf seine Armbanduhr, sagte: „Oh, es ist ja schon Herbst“, klappte seinen Liegestuhl zusammen und verschwand in seinem Haus.

Herr B. mit den vielen Elektrogeräten für jede Gelegenheit ist derzeit der einzige, der für viele Geräusche sorgt. Mit einem Metallrechen kehrt er die herabfallenden Blätter der Birke von seinen Steinplatten. Das Geräusch, welches entsteht, wenn man mit einem Metallrechen auf Stein herumkratzt, ist nicht sehr schön. Die Birke gehört zum Nachbargrundstück. Herr B. hat sich darüber noch nie bei den Nachbarn beschwert. Wenn man ihm allerdings beim Kehren zuhört, kann man mitunter schon ein bisschen Aggressionen vernehmen. Sehr gerne beginnt er sein „Kratzwerk“ schon früh am Morgen, bevor er zur Arbeit geht und ich vermute mal, dass er damit den Besitzern der Birke „durch die Birke“ zeigen möchte, dass er genervt ist von all dem Blattwerk, dass da herunterfällt. Natürlich kann ich mich täuschen. Aber welcher Mensch sagt sich nach einem schönen Frühstück mit der Ehefrau: „Ich muss noch mal das Laub zusammen rechen bevor ich zur Arbeit fahre“? Wenn er um 7:00 Uhr kratzt, ist die halbe Nachbarschaft wach. Aber keine(r) sagt was. Ich denke, wir sind alle froh darüber, dass er (noch) keinen Laubbläser besitzt

Familie C. mit den vielen Kindern, die im Sommer ihren Onkel im Trampolin einsperrten und feixten, sind da viel entspannter. Inzwischen weiß ich, dass die vielen Kindern nicht alle zu ihnen gehören. Sie laden halt einfach gerne Freunde ihrer 4-jährigen Tochter zum Spielen im Garten ein. Das riesig große Trampolin steht noch am gleichen Fleck. Darunter ist das Gras bestimmt viel grüner als bei uns. Ein großer grüner Kreis inmitten sonst vertrockneter Rasenflächen. Sieht sicher lustig aus wenn man es von oben betrachtet.

Die Nachbarn D., das junge Pärchen, das neu eingezogen ist, hat in diesem Sommer nichts dazu gelernt, was ihre Wäsche betrifft. Noch immer hängen sie ihre fangfrisch nassen Sachen direkt aus der Waschmaschine Tag ein und Tag aus auf die Leine ihres Balkons. Völlig egal ob es regnet oder wie zuletzt stürmt. Allerdings benutzen sie inzwischen Wäscheklammern, um die frisch gewaschene Kleidung besser an der Leine festhalten zu können. Vielleicht war es ihnen unangenehm, dass Herr B. ihnen im Sommer mit seinem Apfelpflückerkäscher oft aushalf, die Schlüpfer von den Bäumen zu klauben. Ich erwische mich selbst immer wieder dabei, wie ich Mitgefühl für sie entwickele. Auch ich liebe es, frische Kleidung nach dem Waschen draußen aufzuhängen, da sie danach wunderbar duftet. Aber ich hole die Wäsche auch irgendwann mal wieder herein. Warum man ein Hemd und sämtliche Sachen durch die Waschmaschine jagt, um es danach tagelang dem Regen ausgesetzt auf der Leine zu „trocknen“, werde ich nicht verstehen. Muss ich ja zum Glück auch nicht.

Der Wind weht und es gab auch ein, zwei Sturmwarnungen, die zum Glück glimpflich ausgingen. Die Bäume rauschen im Wind und wiegen sich hin und her. Herr B. wird morgen wieder viel Arbeit mit dem Beseitigen der Blätter haben. Er tut mir leid. Warum lässt er die Natur nicht einfach „ausrauschen“ und beseitigt all das Laub erst dann, wenn alles fällt?

Auf unserem Grundstück sieht es lustig aus. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich dort unten gelbe Konfetti auf dem grünen Boden liegen. Das liebe ich so an der Natur. Sie lässt sich nichts vorschreiben, sie tut, was sie tun muss. Ich wünschte, Herr B. könnte das Schöne daran auch sehen und würde sich und uns nicht jeden Tag damit quälen, das Laub von seiner mit Steinplatten versehenen Terrasse zu entfernen.

Meine Mutter hat Kastanien für mich gesammelt und ich freue mich schon darauf, diese überall in der Wohnung als Deko verwenden zu können. Es wird gemütlicher, es wird hyggelig wie die Dänen sagen. Jede Jahreszeit hat ihren ganz besonderen Reiz und ich koste jede dieser vier Zeiten mit Freude aus.

Was mich gerade noch „wurmt“, ist die Tatsache, dass die Kinder im Hinterhof derzeit nicht draußen sind, um zu spielen, die Natur zu entdecken und sich daran zu erfreuen.
Habe allerdings gerade entdeckt, was ich tun kann:
Die Seifenblasenmaschine die Ralf mir neulich schenkte, ist nicht nur für mich grandioooos.

Man muss sie nur ein paar Minuten aus dem geöffneten Fenster laufen lassen und ein bissi Geduld haben. … Wenn dann die Kids nach draußen wollen, um zu sehen, woher die Seifenblasenpracht kommt, ist’s gut. 😉

Habt alle einen wunderschönen Herbst und fühlt euch herzlich gegrüßt.

Steph ❤

7 Kommentare zu „Es herbstelt…oder: Geräusche aus dem Hinterhof Teil 2

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