Unsichtbar

Ich bin mir sicher, dass ihr alle dieses eine Kind kennt. Sehr sicher sogar. Aber lest selbst…

Erinnerungen aus meiner Zeit als Gruppenleitung in einem Kindergarten.

Ich sollte beim Träger meiner Einrichtung mehr Lohn einfordern, denn anstatt meiner 27 Kinder beherberge ich noch ein achtundzwanzigstes . Es hat den seltsamen Namen „Ich war das nicht!“ und ist derzeit jeden Tag zu Besuch in unserer Gruppe. Es ist ein böses Kind, denn wenn die Salatschüssel runtergefallen ist, sich Legosteine im Abfluss des Klos befinden oder Max (3) plötzlich weinend mit grün bemalter Nase vor mir steht, erhalte ich von allen Kindern die gleiche Antwort: „Ich war das nicht!“Komischerweise ist „Ich war das nicht“ nie zu fassen. Er ist einfach nicht da.

Ich muss dringend etwas tun, um diesen Kerl zu fassen, denn seit kurzer Zeit beschleicht mich so ein leicht unbehagliches Gefühl, als habe er -fast unbemerkt- seine ältere Schwester mit in die Gruppe geschmuggelt. Sie heißt „Ich hab´s vergessen!“ und das erste mal erfuhr ich von ihr, als ich meine Praktikantin fragte, warum sie für den anstehenden Geburtstag eines Kindes keine Krone aufgezeichnet und ausgeschnitten habe. „Ich hab´s vergessen!“

Nicht genug damit.

Auch am nächsten Tag war „Ich hab´s vergessen“ zu Gast bei uns, dieses mal am Mittagstisch. „Wo ist denn das Mineralwasser und der Tee für die Kinder?“, fragte ich die Praktikantin. „Ich hab´s vergessen“.

Zwischendurch wieder verstärkte Präsenz des kleinen Bruders: „Wer hat mit Spucke die Nudel an das Regal geklebt, die zu dieser Zeit eigentlich schon im Bauch von einem von euch sein sollte?“ (Wir waren nämlich schon beim Dessert angelangt.) Wie im Chor tönte es : „Ich war das nicht!“

Ich weiß mir langsam nicht mehr zu helfen. Vielleicht sollte ich ein Verhörzimmer einrichten. Den Raum abgedunkelt mit Schäfchen-Gardinen, einen Tisch, zwei Stühle und eine Tischlampe, die genau auf das entsprechende, zu verhörende Kind gerichtet ist. Meine Kollegin und ich würden (wie in schlechten US-Filmen) die Rolle des „Good Cop/Bad Cop“-Duos mimen.

Dabei wäre sie die gute, die einfühlsame, während ich den harten Hund (Hündin?) mimen würde.

Sie würde vor dem Kind sitzen und fragen: „Wo warst du gestern morgen um 8:30 Uhr?“

Kind: „In der Puppenecke.“

Kollegin: „Und was hast du dort so gespielt in der Puppenecke?“

Kind: „Ich habe Sternchensuppe gekocht.“

Kollegin: „Das machst du bestimmt gerne, oder? Sternchensuppe kochen?“

Kind: „Ich glaube ja.“

Das wäre der Moment an dem ich aufgehört hätte, mit verschränkten Armen im Hintergrund hin und her zu schleichen. Ich hätte mit der flachen Hand auf den Tisch gehauen und mit lauter Stimme gesagt: „ ES REICHT! Du bist überführt, denn „Ich-glaube-ja“ ist der Cousin von „Ich-war-das-nicht“. Wir haben dich in der Hand. Entweder verrätst du uns die wahre Identität von „Ich-war-das-nicht“, oder du hilfst nun jedesmal bei der Beseitigung des Quatsches, welches das usichtbare Kind veranstaltet!“

Aber leider alles Fiktion. Ich weiß was: Anstatt mehr Lohn einzufordern, beantrage ich beim Träger eine Woche Sonderurlaub. Dann lege ich mich (versteckt zwischen den hundert Kissen in der Kuschelecke) in meiner eigenen Gruppe auf die Lauer und werde IHN erwischen! Ihn und seine vergessliche Schwester.

Hurra!!!

Habt alle eine schöne Zeit und vergesst das schmunzeln nicht 😉 Herzlichst, Steph ❤

3 Kommentare zu „Unsichtbar

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