Regenbogenparty

Wolkenbriefe von Nele sind immer die allerschönste Post, die wir bekommen. Zu ihrem Geburtstag im letzten Jahr schrieb sie uns Folgendes:

Liebe Mama,

lieber Papa,

heut‘ an meinem Geburtstag habe ich nicht viel Zeit, denn ich muss noch sooo viel vorbereiten für die Party, die ich nachher feiere. Ich wollte euch nur kurz sagen, dass es mir prächtig geht und ich an dem heutigen Tag natürlich auch an euch denke. ❤ ❤

Ich habe durch das Wolkenfenster geschaut und gesehen, dass Mama gestern Abend schon Kekse für meinen Geburtstag gebacken und Papa bereits davon genascht hat, hihi. 🙂 Pommeskekse mit Hagebuttenmarmelade als Ketchup sind bestümpt total lecker.

Geweckt wurde ich heute morgen musikalisch wieder von Uropa (Uri) Günter. Er hat Akkordeon für mich gespielt und Uroma Gretel hat mich geküsst, bis mir schwindelig wurde. Onkel Michael hat mir Konzertkarten für Rio Reiser geschenkt, er meint, ich müsse mir das unbedingt anhören. Damit ist deine Sorge, dass ich im Himmel vielleicht Justin Bieber höre, wohl beantwortet lieber Papa. Hahaha. Mach dir mal keine Gedanken 😉

Tja, nun bin ich schon 16 Jahre alt und nicht mehr für die Farbe gelb bei den Regenbogenmalerinnen zuständig. Ich habe mich den Friedensengeln angeschlossen und helfe denjenigen Menschen auf der Erde, die sich ihr gutes Herz in Zeiten der Hetze, der Gewalt und all den schlimmen Dingen, (von denen ich im Himmel nichts mitbekomme weil es hier nur Frieden gibt) bewahren wollen. Immer wenn diese Menschen glauben, an der Kälte der anderen Menschen zu verzweifeln, hauche ich ihnen unsichtbaren Sternenstaub in die Nase. Sie denken sie müssten nur niesen, dabei habe ich ihnen damit Kraft, Zuversicht und Mut geschenkt.

Der liebe Gott hat mich drauf gebracht. Ich nenne ihn ja nach wie vor Pappsi, auch wenn er sich am Anfang dagegen gesträubt hat. „Das hört sich ja an wie Pepsi. Sehe ich etwa aus wie ein Limonadengetränk?“ hat er mich gefragt und ich habe ihm geantwortet: „Nööö, aber du schmeckst so süß.“ Dann habe ich ihm einen Kuß auf die Wange gegeben und bin mit meinen Rollschuhen durch den Himmel geflitzt. Meine Katze Jule hat mich gezogen, hahaha war das lustig.

So, nun muß ich mal weitermachen. Meine Freunde kommen gleich, um mir bei den Vorbereitungen für meine Geburtstagsparty zu helfen. Ihr wisst ja…. wir müssen die Wolken alle beiseite schieben, um mehr Platz zu haben. Falls ihr heute Abend einen bunten Sonnenuntergang seht, dann ist das meine Discokugel, die so leuchtet. Yeaaaahh 🙂 Smile 🙂

Weil ich ja durch’s Wolkenfenster geschaut habe, weiß ich, dass ihr heute auch auf Erden meinen Geburtstag feiert und Oma & Opa und Oma Christel vorbei kommen. Richtet bitte allen Menschen, die mir gratulieren, herzensschöne Grüße aus und sagt ihnen, dass es ihren Lieben hier im Himmel gut geht. Was ihr da unten noch nicht wisst: Wenn ihr an uns denkt, gehen im Geburtstagssaal viele Lichter an und leuchten in den aller-, aller-, allerschönsten Farben. Das ist ein tooootales Farbspektakel und wir lieben es so, wie wir euch lieben.

Fantastische Grüße ,

Nele ❤ kdfgerhfscsmfs Sorry, Jule ist mir über die Himmelstastatur gelaufen. Sie will wieder mit mir Rollschuh laufen, dabei habe ich heute doch gar keine Zeiiiit dafür, hahaha die süße Mausikatze 🙂 Tschüßiii 🙂 ❤

Liebste Nele,

heute ist der 23.11.2019, dein 17. Geburtstag und nachdem du uns im letzten Jahr mit einem solch wunderschönen Brief beschenkt hast, sollst du nun auch mal wieder einen von uns bekommen. Ich hab dich neulich als Eichhörnchen durch den Nachbargarten huschen sehen. Papa hat dich zuerst entdeckt und mich schnell zum Fenster geholt. Aber das weißt du ja alles. Du hast ja schließlich kurz angehalten, zu uns geschaut und die vielen Luftküsse gesehen, die wir dir zugeworfen haben. ❤

Ich weiß gar nicht, ob ich dir so viel Neues erzähle, denn du hast uns in Gestalt vieler Tiere so oft besucht und weißt dadurch ja einiges. Ach, ich erzähl‘ trotzdem mal. Dein Papa hat mir im April einen Blog eingerichtet und du ahnst nicht, wieviele Menschen lesen wollen, was ich so schreibe. Das freut mich so unglaublich und trägt mich sehr.

Neulich war ich mit deinem Papa im Supermarkt (Lidl) einkaufen. In diesem Markt gab es Toffifees und du weißt ja, wie sehr ich diese kleinen Karamelldinger mit Nusskern liebe. Tatsächlich waren es aber keine echten Toffifees, sondern nachgemachte in Sternenform. Papa hat sofort eine Packung in den Einkaufswagen gelegt und als wir den Markt verlassen haben, hat er die Packung aus dem Stoffbeutel geholt und einer jungen Frau, die vor dem Markt bettelte, geschenkt. Ich dachte irrtümlich, dass er sie für mich gekauft hat und hatte mich schon gefreut. Als er diese aber an die junge Frau verschenkte, habe ich mich noch viel, viel mehr gefreut. ❤

Ein paar Tage später ist mir alleine etwas ähnliches passiert. Mit meinem grünen Rad (P)ferdi bin ich zum Supermarkt gefahren und gerade als ich (P)ferdi dort vor’m Markt anpflocken wollte, sah ich eine Frau, die andere immer wieder nach einem Euro für den Einkaufswagen ansprach. Manche Menschen haben sie gar nicht angeschaut und sind nur mürrisch dreinblickend – ihre Bitte ignorierend – an ihr vorbei gegangen. Als ich auf sie zu kam, hatte ich den Euro, nach dem sie sicherlich auch mich fragen würde, bereits in der Hand. „Ich brauche den Euro eigentlich gar nicht für den Einkaufswagen“, sagte sie mir und ich verstand. Als ich ihr 3€ schenkte, strahlte sie mich an und wünschte mir einen schönen Tag. Dabei hatte ich den bereits, weil ich dieser Frau ein klein wenig geben konnte, verstehst du mich?

Im Sommer habe ich, wie so oft, auf dem Balkon gestanden, um dir Seifenblasen als kleinen Gruß in den Himmel zu schicken. Dein Papa fand das so rührend, dass er mir/uns eine Seifenblasenmaschine geschenkt hat. An einem Tag war sie plötzlich kaputt, sie produzierte zwar in einer Tour Seifenblasen am Stück, aber diese stiegen nicht zu dir hinauf in den Himmel, sondern blieben als Pulk an der bubbelnden Maschine kleben. „Oh je, sie wird sich verschluckt haben“, schrieben mir Freunde, nachdem ich ein Bild davon auf Facebook gepostet hatte. Zum Glück hat dein handwerklich begabter Papa alles wieder reparieren können, sodass du wieder ganz viele Seifenblasengrüße im Himmel empfangen kannst, liebstes Kind. ❤

An deinem heutigen Geburtstag haben wir viel Schönes erlebt. Wir haben lange geschlafen, sind dann zum Bäcker, um Brötchen für das Frühstück zu holen und sind auf dem Nachhauseweg zur Adventsausstellung eines Blumenhändlers in unserer Straße gegangen. Dort haben wir einen schönen Adventskranz gekauft. Du weißt ja, dass ich das irgendwie immer verschlafe und letztendlich improvisieren muss 😉

Zu Hause angekommen haben wir gefrühstückt und für dich die Geschenke deiner beiden Omis ausgepackt. Der Rosenstrauß, die Schneekugel und schönen Engel stehen nun auf deinem Geburtstagstisch, auf dem deine Kerze schon den ganzen Tag brennt.

Später haben wir in der Küche Salzteig hergestellt. Während ich ganz viele Herzen geformt habe, hat Papa uns eine Adventsspirale gefertigt. Sie hat kleine Kuhlen drin, damit man an jedem Tag eine kleine Murmel hineinlegen kann. Am Heiligen Abend ist dann die ganze Spirale voller Murmeln, ist das nicht schön? Für die Kuhlen hat Papa den Stöpsel meines Nagellackfläschchens benutzt. Der kommt manchmal auf Ideen…

Statt Pommeskekse gab es dieses Jahr Sterne und Herzen für dich. Ich habe lustige Gesichter draufgemalt und dieses mal auch darauf geachtet, dass die Lebensmittelschrift gut trocknet. Denn neulich, als ich diese lustige Herbstdrachenkekse gebacken und mit Gesichtern verziert habe, da ist mir (mal wieder) ein kleiner Faux Pas passiert. 🙂 Denn als die Kekse fertig gebacken und bemalt waren, da habe ich sie in kleine Dosen verpackt und vor die Türen unserer Nachbarn im Haus als kleinen Herbstgruß abstellen wollen. Leider war die Farbe noch nicht trocken und ist daher verschmiert. Einige Drachen sahen aus wie ich am Morgen, wenn ich abends mal vergessen habe, mich abzuschminken. Zum Glück haben wir lustige Nachbarn, die das nicht so schlimm fanden.

Vorhin habe ich deinen Papa ganz fest gedrückt und gesagt, dass ich süchtig nach ihm bin. Er hatte danach eine ganz rote Wange….Weil die Schnalle meines Latzkleides so sehr an seinem Gesicht gedrückt hat…..

Der Arme hat gar nichts gesagt.

Weil heute keine einzige Wolke am Himmel zu sehen war, gehen wir mal wieder stark davon aus, dass du diese zur Seite geschoben hast, um Platz für deine Party zu haben. Wir werden hier auf Erden auch noch ein bissi auf dich feiern und wünschen dir viel Spaß auf deiner Fete. Aber kein Justin Bieber oder so einen Quatsch hören, gell? Das soll ich dir von deinem Papa sagen 😉 Allerliebste Grüße unsere kleine „Große“. Wir senden dir in Gedanken tausend Küsse und freuen uns schon jetzt auf den Tag im Irgendwann, an dem wir uns wiedersehen werden. Happy Birthday Prinzessin ❤

In unendlicher Liebe

Papa & Mama ❤ ❤

8 Kommentare zu „Regenbogenparty

  1. Liebe Steph, ich sitze hier und weine, nachdem ich deine so liebevollen Zeilen gelesen habe. Es ist ein ganz befreiendes Gefühl, dass die Tränen laufen. Gerade war meine Freundin für eine Woche bei mir und ich hatte fast die ganze Zeit Kopfschmerzen. Sie hat ihren Sohn vor mehr als 10 Jahren verloren und sie kann sich diesem Schmerz nicht stellen. Unterdrückt ihn mit Medikamenten. Der Schmerz und die Trauer schwingen daher immer mit ihr mit und ich leide jedes mal sehr darunter. Es ist dann immer so, als wäre er gerade eben erst von uns gegangen.
    Da ich selbst kein Mensch bin, der irgendetwas wegschiebt oder verdrängt, belastet mich dieses Verhalten sehr. Ich hinterfrage, erforsche und gehe den Dingen auf den Grund, selbst wenn es Schmerz und Leid ist. Und das war es ja auch, was mich von meinen Ängsten befreite. Und ich finde es so wunderschön, wie du mit deiner Trauer umgehst und wie süß ihr beide zusammen haltet.
    Gerade, wenn ich die schlimmsten Schmerzen oder Ängste hatte, konnte ich tiefe Meditationserfahrungen machen und weiß, dass der Tod gar nichts Schlimmes ist. Für die, die zurückbleiben ist es anders. Sie vermissen und leiden. Aber wenn wir wissen, dass es dem geliebten Menschen sehr gut geht, dann ist auch unser Schmerz nicht so groß oder? Genau das spüre ich bei dir. Ich bin mir absolut sicher liebe Steph, dass dein geliebter Engel glücklich und frei ist. Eine Freiheit und ein Glück, das wir uns mit unserem kleinen Gehirn überhaupt nicht vorstellen können und daher sind wir so traurig. Ich umarme dich aus der Ferne und wünsche dir und deinem lieben Mann einen noch wunderschönen Sonntag, herzlich Monika

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    1. Liebste Monika, ich danke dir (mal wieder) sehr für deine schöne Antwort. Ich finde auch, dass es etwas befreiendes hat, den Tränen mal freien Lauf lassen zu können. Manchmal erlebt man ja auch etwas derart schönes, dass die Tränen nur so kullern. Mir geht das oft bei Musik so. Das Schicksal deiner Freundin tut mir sehr leid. Vor allem, weil sie den Schmerz scheinbar wegdrückt. Wir haben uns von Anfang an diesem, unserem Schicksal gebeugt und es akzeptiert. Unser Pfarrer sagte in der Vorbereitung für die Beerdigung, dass das Wort „Verarbeiten“ ein rein psychologisches ist. Daher finde ich das Wort des „Annehmens“ viel schöner. Wir sind nie in eine Selbsthilfegruppe gegangen, da es uns suspekt vorkam einmal in der Woche für anderthalb Stunden im Sitzkreis zu trauern. Es gibt bestimmt vielen denen das hilft, aber ich merke, dass mich so etwas sehr runterzieht. Ralf und ich haben für uns entdeckt, dass wir in der Trauer unseren Egoschmerz pflegen und dabei übersehen, dass es unserem Töchterlein bestimmt gut geht. Es hat uns gut getan (und das tut es immer noch) etwas schönes für andere zu tun. An Neles erstem Todestag haben wir lauter kleine Grabkerzen gekauft, sind am abend zum Friedhof gefahren und haben auf jedem der ca 30 Kindergräber ein Licht entzündet. Es war eunderschön zu sehen, wie hell dieser Ort plötzlich leuchtete. Was mich selbst trägt ist der Gedanke, dass ich stets will, dass meine Tochter stolz auf mich ist. Ich weiß, sie sieht mich oft durchs Wolkenfenster und da soll sie keine gebrochene Mutter sehen die über alles und jeden schimpft. Ich wünsche mir, dass sie ihre Mutter als liebenden Menschen sieht, der stets für andere da ist, hilft, unterstützt und ganz oft lacht. ❤ Im übrigen haben mir die Bücher von Elisabeth Kübler- Ross sehr über die erste Zeit des Schmerzes hinweg geholfen. Allerdings würde ich zu gerne mal mit dir gemeinsam meditieren, auch wenn ich das bisher nur ein paar mal gemacht habe. Ich grüße und danke dir herzlich liebste Monika und wünsche dir und den deinen einen tollen Wochenstart. Herzlichst Steph ❤

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  2. Liebe Steph du schreibst so schön. Deine Geschichten hebe ich mir immer auf und lese sie in einem ruhigen Moment. Momentan kullern bei mir die Tränen. Ich danke dir für deine wundervollen Texte. Ich kenn dich nur über die Fanø Gruppe, aber mir ist so als wenn ich Dich seit Ewigkeiten kenne. Du bist wundervoll. Ich wünsche Dir und Deinem Mann weiterhin alles alles Liebe.

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    1. Hallo Ursula, heute war es hier im Norden ein doch eher trüber Tag und ich war ein bisschen sauer auf mich selbst, weil ich es nicht geschafft hatte die Fenster zu putzen. Schließlich sollte Ralf heute doch die Lichterketten aufhängen. Während ich also sauer auf mich selbst und meine so große Unlust war, las ich deinen Kommentar und schwupps ging es mir schon wieder besser. Deine unglaublich lieben Zeilen waren/sind wie ein wunderschöner warmer Regen für mich. Hab großen Dank dafür. ❤ So…. nun hab ich die fesnter dann doch noch geputzt, aber Ralf hat nun – nach Feierabend keine Lust mehr die Ketten aufzuhängen. Macht auch nix, dann haben wir morgen was auf das wir uns freuen können. Ich wünsche dir einen schönen Wochenstart. Liebste Grüße Steph 🙂

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