Rascheln im Karton… Herr Schröder im Anmarsch?

Es knistert und knackt, es raschelt, rollt und knallt mal kurz…
aber außer mir hört das keiner. Der Ralf zumindest nicht. Aber er sieht gut und so fragte er mich neulich, warum ich mir keinen Teller genommen hätte, als ich die kalten Spaghetti aus dem Topf aß.
Ich musste kurz (herunter) schlucken bevor ich ihn – völlig empört – fragte, wie er denn darauf komme, dass ausgerechnet ICH das gewesen sein sollte?! „Naaaaja…“, fing er langsam an und bückte sich, um eine verloren gegangene einzelne Spaghetti vom Boden vor mir aufzuheben, „die Spur führt eindeutig zu dir!“ Um mir das zu beweisen, öffnete er die Tür zum Flur und ja, ich sah das Malheur. Von der Küche über den Flur durch’s Esszimmer bis hin zum Wohnzimmer, wo ich im Schneidersitz gemütlich auf der Couch saß, lagen verstreut ein paar Nudeln herum. „Außerdem hast du noch Tomatensoße im Mundwinkel“, fuhr er in detektivischer Manier fort. „Na gut, du hast mich erwischt, was passiert jetzt? Klingelt gleich die Spaghettipolizei und nimmt mich fest?“

Die Sache mit der Polizei ist ein Witz, den wir uns wie ein Tischtennisball hin und her werfen. Damit angefangen hat Ralf vor ca. vier Jahren. Damals hatte ich die 50 Jahre alte Weihnachtskrippe meiner verstorbenen Großtante geerbt und sie voller Andacht ausgepackt. Alles war so schön: Die handgeschnitzten Figuren lagen alle verpackt in Watte und weichen Matten im Karton. Der Stern über der Krippe leuchtete dank Lämpchen hell und ein bisschen Stroh für die Holztiere war auch noch vorhanden. Doch als ich alle am Weihnachtswunder beteiligten Figuren aufgestellt hatte, war da meiner Meinung nach einer zu viel.

Es gab Maria & Joseph, das Jesuskind, Ochs & Esel, die drei Könige aus dem Morgenland….. und diesen einen Hirten mit dem Lamm. Ich bin mit der Bibel aufgewachsen, getauft und konfirmiert, aber wo der Hirte herkam, wußte ich dann plötzlich auch nicht mehr. „Stell ihn doch einfach dazu und gut ist“, sagte mein pragmatischer Ehemann. Für ihn war die Sache damit gegessen, nicht so aber für mich. Es ließ mir einfach keine Ruhe und so war ich im Begriff, die Suchmaschine im Internet zu befragen. Ralf störte mich, indem er fragte: „Glaubst du etwa, gleich klingelt die Krippenpolizei und sagt: >Entschuldigen sie, wir haben Hinweise darauf, dass Sie einen Hirten in ihrer Krippe haben, der da nicht hingehört.<?“ Seitdem herrscht dieser Witz zwischen uns.
Als mir die Suchmaschine Antworten auf den Hirten gab, habe ich mich kurz geschämt, denn der Hirte mit den Lämmern ist doch bekannt wie ein bunter Hund! Aber warum sollte ich mich darüber aufregen?

Okay, die Sache mit den Nudeln war geklärt. Er hatte mich eiskalt überführt. Dann passierten aber noch andere Dinge und wie immer musste ich dafür her halten.


Ralf bemerkte, dass:

sich ein Smiley auf der Klorolle befand…
der letzte Rest von der leckeren Marmelade mit einem Eierlöffel aus dem Glas gekratzt und aufgenascht wurde…
die Zahnpastatube mal wieder nur in der Mitte und nicht von oben nach unten gequetscht wurde…
meine Handtasche mal wieder voller Feuerzeuge war, die ich alle zuvor nicht finden konnte…
die Klamotten in meinem Kleiderschrank völlig unordentlich, ja förmlich hineingestopft wirkten…

Und bevor sich jemand ereifert: Ralf sorgt bei mir in meinem Chaosleben für ein wenig Ordnung und das ist auch gut so. Die Kleiderschranksache ging auf jeden Fall auf mich und auch die Feuerzeuge in meiner Tasche. Passiert eben. Aber für alles bin ich nun wirklich nicht verantwortlich!

Ralf: „Trinkst du den Rest der Kanne Tee noch aus?“
Ich: „Nee, da sind Krümel drin!“
Ralf: „Wo sind denn da Krümel drin? Ich seh da nichts.“
Ich: „Jaaa, das tut mir leid, denn ich hätte es dir sagen sollen. Die Krümel sind für manche Menschen leider unsichtbar. Holst du mir jetzt eine Cola?“

Tage später:
Ralf (lachend): „Du hast vergangene Nacht geschnarcht wie eine Holzfällerin.“
Ich: „ICH? Wie kommst du denn darauf? Ich schlafe wie eine Elfe im Zuckerwatteland auf Wolkenkissen und so zart und süß, dass ich mich selbst schon des Öfteren gefragt habe, warum mich noch keiner für eine Neuverfilmung von Walt Disneys „Schneewittchen“ angefragt hat. Ich war das auf jeden Fall nicht, hast du schon mal unter dem Bett geschaut?“
Ralf: „Ich soll unter dem Bett in unserem Schlafzimmer nachschauen, weil dort eine Person liegen und schnarchen könnte“?
Ich: „Also hast du noch nicht nachgeschaut?“
Ralf: „Ähhhm…“
Ich: „HA! Also hast du nicht nachgeschaut!“
Der süße Ralf verdrehte die Augen ein wenig, denn er denkt, dass ich mir da was ausdenke und ja, er hat es manchmal echt schwer mit mir.

Dann passierten aber auch wieder schöne Sachen. IRGENDWER hatte Herzen in den Käse gestochen, Süßigkeiten in Ralfs Jackentasche versteckt und die „Drei Fragezeichen“-CD’s im Hörspielregal nach Nummern sortiert.

Für den ganzen Rest der bei uns im Haushalt so passiert, komme ICH nicht als „Täterin“ in Frage. Meiner Meinung nach ist unser Nisse Herr Schröder nämlich schon wieder von seinem Sommerdomizil (er wohnte den Sommer über im Zauberwald auf Fanø) bei uns zu Hause gelandet und will sich noch nicht preisgeben.

Kennt ihr Nisser? Man nennt sie auch Wichtel. Sie wohnen im Dezember über in der Wand der Menschen. Das kann man gut an der kleinen Tür, der Leiter und den kleinen Pantoffeln erkennen. Um die Nisser gütig zu stimmen, muss man ihnen jeden Tag ein Schüsselchen ihrer Lieblingsspeise vor die Türe stellen, denn sonst veranstalten sie viel Unsinn. Alle Wichtel essen gerne Milchreis, nur Herr Schröder nicht, der mag nur Toffifee. Er bekommt jeden Tag eines vor seine Tür gelegt und spielt uns dennoch Streiche. Ihm steckt nun mal der Schalk im Nacken.

Er hat eine große rote Mütze auf und sieht fast nichts, denn die Mütze sitzt tief über seinen Augen. Wie auch ich oft, hat er ein geringeltes Oberteil an, über dem er ein rotes Hängerchen trägt. Sein Bart ist weiß und sehr, sehr lang. Bis dorthin, wo ich seinen Bauchnabel vermute, geht sein langer Bart, den er sehr gerne in den Händen hält und zwirbelt. Seine Tür in unserer Wand (im dänischen Nissedør genannt) steht schon Ende November bereit. Ein lieber Freund von uns hat sie für Herrn Schröder gebaut und dazu viele kleine Möbel gestaltet. Alles steht vor der Nissedør, also praktisch im Vorgarten: Eine kleine Axt zum Holz hacken, ein Besen zum Schnee fegen, eine Laterne und eine Bank mit Tisch zum Ausruhen. Sogar einen eigenen Briefkasten hat er dank des lieben Freundes bekommen. Darauf prangt ein echter Bernstein.

Aber was ist nun mit Herrn Schröder? Kommt er noch, oder ist er vielleicht sogar schon längst da?

Sobald die Toffifeepackung wieder leer im Küchenschrank liegt, wissen wir mehr.

Gestern Abend saßen Ralf und ich entspannt im Wohnzimmer, als es im Esszimmer krachte, knackte und knisterte. Wir haben es tatsächlich beide gehört, sodass ich als „Verantwortliche“ ausgeschlossen bin.
Sollte es tatsächlich so sein (woran ich schwer glaube) und Herr Schröder ist wieder bei uns, dann werde ich euch dazu in Kürze auf jeden Fall Bericht erstatten. Versprochen!

Ich wünsche euch allen einen schönen 1. Advent und eine besinnliche Zeit. Herzlichst

Steph ❤

6 Kommentare zu „Rascheln im Karton… Herr Schröder im Anmarsch?

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