Engel im Alltag

An manchen Tagen geht einfach alles schief. Ihr kennt das sicher. Der Kaffee ist durchsichtig dünn, weil die Filtertüte sich in der Maschine verknickt hat, man bleibt mit dem Ärmel an der Türklinke hängen, der Schnürsenkel des Schuhes reißt und so weiter und so fort….

Wegen eines anstehenden Arzttermins hatte ich nicht gut geschlafen. Und dann stehe ich an meinem Auto und merke, dass es sich nicht öffnen lässt. Immer wieder drückte ich den Knopf auf meinem Autoschlüssel, aber das Auto reagierte nicht! Normalerweise drücke ich den Knopf und das Auto antwortet mit einem Lichtsignal, was einem Zuzwinkern seinerseits gleichkommt. Aber nein, es reagierte heute nicht. Ich wohne gegenüber einer Bushaltestelle wo die wartenden Leute mich dabei beobachteten, wie ich immer wieder und ums Auto ging und den Schlüssel drückte und bewegte, als sei dieser ein Zauberstab. Hex, hex! Sollte ich jetzt tatsächlich noch mal hoch in meine Wohnung rennen müssen um den Ersatzschlüssel zu holen? Ich war spät dran und musste mich beeilen. Meine Ärztin würde später meinen Blutdruck wissen wollen und ihn messen. Na, der wäre dann ja sicher wieder viel zu hoch, wenn ich jetzt noch hin und her rennen und mich aufregen würde. Noch ein Versuch, Hex, hex. Das Auto blieb stumm. Ich schaute durch die Scheiben in das Innere. Das war natürlich blöd, weil das Auto dadurch ja nicht plötzlich sagen würde:“ Weißte was liebe Steph? Ich bin heut zwar ziemlich kaputt, aber für dich mach ich jetzt mal ´ne Ausnahme und öffne dir von innen die Tür!“ Die Leute an der Bushaltestelle starrten immer noch ungläubig in meine Richtung. Und ich? Ja, ich starrte immer noch ungläubig in mein Auto. Was lag denn da im Innenraum eigentlich alles für ein Müll rum? Das war doch nicht von mir, das war……….überhaupt nicht mein Auto! KREISCH! Die Leute von der Bushaltestelle verpassten absichtlich den ankommenden Bus. Für sie war das ganze großes Kino, was hier vor ihren Augen passierte und sie wollten scheinbar unbedingt wissen wie die Story weiter geht.

Ich schaute durch die Reihen der parkenden Autos und sah meinen Golfi zehn Meter weiter stehen. Meine Haare raufend und schimpfend wie ein Rohrspatz („Wie kann man denn nur so blöd sein!“) stampfte ich zu meinem Autochen, welches mir auch sogleich ganz brav zuzwinkerte, als ich den Schlüssel schon aus der Ferne drückte. Aaaargggh! Das falsche Auto hatte die gleiche Farbe wie meines und war das gleiche Modell. Na gut. Reinsetzen, anschnallen, starten, durchatmen.

Die innere Ruhe die sich langsam ausbreitete, blieb nicht lang. Innenministerkonferenz in Lübeck. Wer Lübeck nicht kennen sollte: Die schöne Hansestadt an der Ostsee ist eine Insel. Nur über Brücken zu erreichen, die allerdings so kaputt sind, dass einige gesperrt sind. Und dann noch Horst Seehofer mit Deligation in der Stadt. Überall Polizei und Stau. Na gut, meine Schuld. Hätte ich einplanen müssen. Der erste Lichtblick des Tages: Ein freier Parkplatz nahe der Arztpraxis. Um nicht zu spät zu kommen, rannte ich, was das Zeug hielt. Regen und Sturm runierten meine frisch gewaschenen Haare. Der lustige transaparente Regenschirm, den mein Mann mir neulich gekauft hatte und auf dem man den Regen so herrlich schön prasseln hören kann, lag natürlich daheim. Ich bräuchte dringend eine Mütze für so kurze Wege. Ein Schirm ist manchmal zu sperrig. Völlig abgehetzt erreichte ich die Praxis und wurde gebeten, mich zu setzen. Na immerhin, pünktlich war ich schon mal. Zweiter Lichtblick: meine Werte waren gut und Ängste wurden entkräftigt. Yeaaah.

In der Apotheke gab es meine Medizin nicht. Ich müsse nochmal kommen. „Ääähm , gibt es da keinen anderen Weg, ich wohne nicht direkt auf der Altstadtinsel und die Stadt ist wegen der Konferenz abgesichert wie Fort Knox“. Ja, man würde es mir abends bringen. Jippieh.

Zurück am Auto gab´s ein Knöllchen. Zeit überschritten. Puls auf hundertachtzig. Reinsetzen, anschnallen, starten, durchatmen. Ich wollte mich für den Stress belohnen und hielt bei meinem kleinen Lieblingsbäcker. Alle Brötchen schon aus, aber wenn ich etwas anderes haben wollen würde? Ich schaute in die Auslage. Ein Berliner mit Smarties zum Frühstück? Ach nöö. Daheim hatten wir ja noch Brot. Es sollte eben einfach nicht sein.

Nachdem ich das Auto vor unserem Haus geparkt und mir die Stelle wo es nun steht eingetrichtert hatte, schloß ich die Haustür auf und begegnete im Treppenhaus meinem äußerst geschwätzigen Nachbarn. Der erzählt immer allerlei aus seinem Leben. Also eigentlich alles. Immer wieder von Anfang an. Da er nun schon 79 Jahre alt ist, hört man da sehr viel. Und er selbst hört schlecht. Ich stand schon mal eine dreiviertel Stunde mit ihm im Treppenhaus und hörte ihm zu, während meine Einkäufe in der Papiertüte auftauten. Die Tüte tropfte in meinen Händen vor sich hin, während er erzählte wie er als junger Mann mal einen leckeren Käse in der Schweiz gegessen hatte. Meinen sich wiederholenden Satz:“ Ich muss mal es tropft schon“, nahm er nicht zur Kenntnis. Vielleicht auch besser so, dieser Satz kann ja auch falsch verstanden werden. Heute nun wollte er sich für die Einladung zum Heiligabend bedanken. Da er alleinstehend ist, dachten wir, es wäre nett, wenn er weiß, dass er mit uns feiern kann- so fern er mag. Jetzt allerdings wollte ich nicht lange mit ihm reden, denn ich musste mal. Dringend. Ein halber Liter Apfelschorle wollte hinaus. Weil er schlecht hört, machte ich große Gesten um zu unterstreichen warum ich jetzt nicht mit ihm reden konnte. Eine unsichtbare Flasche haltend, hielt ich sie mir vor´s Gesicht , machte „ Glugg, glugg“ und zeigte mit drehendem Zeigefinger auf meinen Bauch. Irgendwo da wo sich die Blase (meiner Meinung nach) befand. Leider verstand er das alles falsch. „Haben Sie getrunken?“ fragte er. „Und jetzt ist Ihnen schlecht und sie müssen sich übergeben? Aber, sagen Sie mal, ich hab Sie doch eben mit dem Auto ankommen sehen. Fahren Sie betrunken Auto?“ Anderthalb Liter Apfelschorle…. „Nee!“ rief ich. „Ich muss mal Pipi“. „Ich hab sie nicht verstanden, was ist los?“ fragte er nach. Aaargggh. „PIPPI!“ rief ich laut und zeigte auf meinen Unterkörper. „Ach so, na dann gehen Sie mal schnell“ sagte er die erlösenden Worte. Schnell gehen konnte ich da allerdings nicht mehr. Schön langsam, Schritt für Schritt erklomm ich die Treppenstufen bis zu unserer Wohnung. Badezimmer anpeilen, Tür auf, und einen Engelschor singen hören. …Aaaahhhhhh. In das Singen des Engelchors mischte sich ein mir sehr vertrautes Geräusch. Die Türklingel! Ach nö, nee? Was war denn nur mit diesem Tag los? Ehrlich jetzt?! Der Ralf bräuchte mal wieder einen langen Atem, wenn ich him vom heutigen Tag erzählen würde.

Der Klingelnde Störer erwies sich als Paketbote. Und ab hier wird es nun richtig schön.

Denn es war ein Paket der lieben Dorte. Kleine Wichtelei zur Weihnachtszeit. Kleine Wichtelei? Das ist weit untertrieben. Dieses Paket war ein großes Fest. Als ich ihre beigelegte Karte las, gluckste es in meinem Hals. Wie das halt so ist, wenn man vor Freude weinen möchte. Was sie schrieb, erreichte sofort mein Herz und strahlte von da in meinen gesamten Körper. Gänsehaut die an den Beinen anfängt, hochkrabbelt bis zu den Armen und noch auf der Kopfhaut zu spüren ist.

„Du bist eine ganz besondere und warmherzige Frau. Du weißt ja, ich liebe deine Geschichten und warte immer noch auf das erste Buch…“ stand da unter anderem geschrieben. So lieb, so herzig, so wunderbar! Mein Gesicht glühte, als ich das Paket öffnete. Anders als sonst hatte ich gar keine Lust, die vielen kleinen Geschenk gierig aufzufetzen. Ich zelebrierte es festlich und öffnete alles sehr vorsichtig. Was da alles zum Vorschein kam… herrlich. Servietten mit kleinen Nissen drauf. Eine wunderschöne Kette mit einem Anhänger aus der Keramikwerkstatt ihrer Nichte Mette G.

Ein gehäkelter Tannebaum mit Kugeln. Eine Mütze! Selbstgehäkelt. Eine Stola. Ebenfalls selbstgehäkelt. Mit Mütze auf dem Kopf und Stola um die Schultern packte ich die anderen Geschenke aus und fühlte mich wie eine Königin.<3 Ab und zu musste ich mich selbst daran erinnern, das ausatmen nicht zu vergessen, so ergriffen war ich. Ohrringe. Ein Engel mit plüschigem Kleid wie ich es auch gerne hätte. Zwei kleine Nissen (Mädchen & Junge). Ein gehäkeltes Herz in weiß rot. Total witzig: Als Dorte dieses Herz neulich häkelte und ein Foto davon postete, habe ich mir noch gedacht, wie glücklich sich der oder die Beschenkte fühlen darf und nun bin ich selbst diejenige gewesen. Ach, ist das schööön. Über die kleine Dose mit den Zuckerstangen drauf habe ich mich auch sehr gefreut. Als ich die Dose öffnete, musste ich so arg lachen. Es waren Toffifees drin! Hab schnell eins davon genascht und die Dose unter das Sofa gestellt. Schließlich haben wir derzeit ja einen hungrigen Nissen namens Schröder bei uns wohnen. 😉 Hoffentlich vergesse ich die Dose unter dem Sofa nicht. Wer bei Tageslicht nicht mal sein Auto findet…. ? Der absolute Hit war das letzte Geschenk welches ich öffnete. Ein plüschiges Einhornschreibebuch mit…. Trommelwirbel…. Einhornkugelschreiber. Auf der ersten Seite des Buchs steht eine Widmung geschrieben „ Viel Spaß beim Schreiben“. Ich konnte dem Ralf die Karte gar nicht richtig vorlesen, denn ich war so ergriffen, dass es schien, als hätte ich eine Kartoffel verschluckt, so nah war ich den Tränen vor lauter Freude.

Liebe Dorte, der Tag hat so blöd angefangen und dann … kamst DU. Ich weiß nicht, wie sehr ich dir für all die wunderschönen Dinge Danke sagen soll. Ich bin einfach überwältigt von deinem voller Liebe steckendem Geschenk. Mange tak kære Dorte. ❤

Ich wünsche euch allen, dass ihr auch bei Dunkelheit die schönen kleinen funkelnden Lichter sehen könnt, die andere euch bereiten. Habt alle eine besinnliche Zeit voller schöner Momente.

Herzlichst

Steph ❤

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