Herr Schröder packt aus

Gerade als ich zu einem Termin aufbrechen wollte, klingelte es und mir wurde ein Päckchen überreicht. Ich hatte nicht mal richtig Zeit, auf den Absender zu schauen, so spät war ich dran. Also habe ich das Geschenkepäckchen ins Esszimmer auf den Tisch gestellt und bin die Treppen hinunter gerauscht, um den Bus noch zu bekommen. Im Bus sitzend und sich die Beine an der Heizung fast verbrutzelnd, überlegte ich, wer uns denn da solche eine Freude machen wollte? Mein zweiter Gedanke war, ob es so gut war, das Paketchen in unmittelbarer Nähe zur Nissedør abgestellt zu haben… uuuuuuuh

Nach dem Termin traf ich in der Stadt noch eine zufällig eine Freundin und wir beschlossen spontan, eine Runde über den Weihnachtsmarkt zu gehen. „Aber nur kurz“ sagte ich und ergänzte:“ Wir haben daheim doch einen frechen Nissen und ein Paket steht in seiner Nähe“. Also zwängten wir uns durch die Menge rotnasiger Menschen am Glühweinstand, atmeten den Duft frisch gebackener Mutzen am Gebäckstand ein und bekamen am Wurststand kostenlos Senf auf die Jacken geschmiert, obwohl wir gar nichts zu essen bestellt hatten. Nach einer Stunde verabschiedete ich mich und trat die Heimfahrt an. Ganz hibbelig wurde ich, denn ich wollte unbedingt wissen, vom wem das Geschenk war.

Als ich die Wohnungstür aufschloß, hörte ich Herrn Schröder reimen. Hatte er wohl ein Weihnachtsgedicht erlernt? Ach wie schööön. Doch dann hörte ich genauer hin. Er sagte:“ Sippel Sappel gluck gluck gluck, ich nehme jetzt ´nen großen Schluck!“. Einen Schluck nehmen, wovon denn? Ich stieß die Tür zum Esszimmer auf und traute meinen Augen nicht! Das Paketpapier war aufgefetzt. Das Geschenkpapier ebenso. Mittendrin saß der kleine Wicht und hielt sich eine große Flasche an den Hals. Zum Glück hatte er in seiner Gier vergessen, diese zu öffnen. „Himmeldonner, das Paket war nicht für dich bestimmt!“ schimpfte ich und nahm ihm die Flasche ab. „Knoblauchöl mit Chilli und Oliven“ las ich vor und lachte. „Na wenn du davon einen großen Schluck getrunken hättest, würde dein Darm aber eine wilde Achterbahnfahrt unternehmen“.

„Daaaa is auch was für miiiich“ kreischte Herr Schröder und zeigte auf einen kleinen Umschlag, auf dem er seinen Namen erkannte. „Wenn du dich jetzt benimmst, können wir uns das tolle Überraschungspaket gemeinsam anschauen“, sagte ich, zog mir meine Jacke aus und setzte mich im Schneidersitz neben ihn. Zum Glück war ich noch rechtzeitig nach Hause gekommen, sodass noch nicht alles von ihm geöffnet wurde. „Ein Haus, ein Haus“ schrie er und zog sich vor Begeisterung mit beiden Händen seine Mütze über die Augen, das Gesicht und den Bauch. „Wow, dass ist ja wunderschön“ hauchte ich und hielt Herrn Schröder dazu an, mal mit dem aufgeregten Gezappel aufzuhören. Ein Treibholzhaus mit einer Muschel und einem Dannebrog. Wunderschön. „Solche Glitzersteine will ich auch an meiner Tür!“ rief Kalle Knispel Schröder und war schon wieder im Begriff komplett auszurasten. Er hatte recht. Auf den Fensterns des Treibholzhauses klebten tatsächlich kleine Glitzersteinchen. Dann kam ein Geschenk auf dem mein Name stand. Es sah aus wie ein kleines Buch, war allerdings eine selbstgestaltete Karte mit einem Tassenküchlein Schokolade und einer Kerze. „Mmmmh lecker, die Kuchenmischung hauen wir uns gleich mal rein“ sagte Herr S und schmatzte schon im Vorfeld. „Ne, ne, mein Lieber das ist MEIN Tassenkuchen. Davon lässt du die Finger!“ Während ich noch die Bastelkunst bewunderte, nestelte der kleine Mann schon am nächsten Geschenk. „Halt! Auch das machst du nicht auf, denn da steht Ralfs Name drauf“ befahl ich. „Aber wir könnten es aufmachen und den Ralf anrufen und ihm sagen was drin ist“. „Das funktioniert nicht, das hab ich selbst schon oft ausprobiert“ antwortete ich und zwinkerte ihm zu. Dann lasen wir gemeinsam die Karte durch. Dort stand geschrieben: Ein klein wenig Süßes, ein klein wenig Fanø, Toffifee für Herrn Schröder und ganz liebe Grüße aus dem Münsterland. Antje. „Oh, das gibt’s ja nicht, dass ist von Antje “ rief ich und freute mich so sehr. Die liebe Antje.

„Ich will den Weihnachtsmann!“ quakte Kalle Knispel. Häää? Was meinte Schröderlein? Mampfend und mit Schokoverklebtem Finger zeigte er auf eine kleine süße Weihnachtsmannfigur mit Karabinerhaken. Den Mund zu voll um mir zu antworten. Hatte er etwa meinen Tassenkuchen roh aufgefuttert? Das würde an diesem so schönen Beschenktseinstag aber mit einer ordentlichen Portion Ärger enden! Aber neine, er hatte in den Tiefen das Paketes längst das Geschenk gefunden, welches nur für ihn bestimmt war. 😉 Eine Packung Toffifee 🙂 „Hat die Frau Glücksklee Paketfee auch einen Nissen? Wohnt der auch auf Fanø? Wie heißt der?“ fragte K.K. Schröder und steckte sich das dritte Toffifee in den Mund. „Antje heißt nicht Frau Glücksklee Paketfee auch wenn es eigentlich doch ein recht hübscher Name wäre“, sinnierte ich. Ob sie einen Nissen hat, dass weiß ich nicht“, antwortete ich weiter und schaute noch einmal all die schönen Geschenke an.

Da drehte sich der Schlüssel im Schloß und Ralf kam nach Hause. Ralf, der mich in der Vergangenheit oft „die Fetzerin“ nannte, weil ich Gechenke nicht mit Bedacht und gesittet öffne, sondern auffetzte. Aber so bin ich ja schon lange nicht mehr 😉 Nun betrat er das Esszimmer, sah das aufgefetzte Paket und schmunzelte. „Er war´s!“ „Sie war´s!“ riefen Schröder und ich gemeinsam und zeigten gegenseitig mit den Fingern auf den jeweils anderen.

Ralf setzte sich zu uns und staunte ob der vielen schönen Dinge. „Jetzt mach deins auf“! riefen wir und warteten gespannt darauf, was da nun wohl zum Vorschein kommen würde. Es war ein Seelentröster in Form eines Schokoladenpuddingpulvers. „Mmmhhhhh lecker“ sagten wir alle im Chor. Und weil auch dort, an Ralfs Geschenk noch ein kleiner Weihnachtsmann, identisch mit dem meinen baumelte, erlaubte ich es Herrn Schröder, einen der rotweißen Männer mit hinter seine Tür in der Wand zu nehmen. Vorhin habe ich ihn dahinter schon wieder reimen hören. Er sagte:“ Sippel, Sappel, seute Deern, die Antje mag ich ganz arg gern!“ Dem schließen wir uns natürlich gerne an.

Wunderbar beschenkt, leuchten unsere Herzen vor Freude und Dankbarkeit.

Habt alle einen schönen 3. Advent.

Herzlichst

eure Steph ❤

2 Kommentare zu „Herr Schröder packt aus

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