Herr Schröder ist weg

„Was machen denn drei weiße Gummibärchen in der Preiselbeermarmelade? Warum liegt eine angebissene Käsescheibe und eine halbe Gewürzgurke unter der Käseglocke im Kühlschrank und was ist dem Tesafilm passiert?“

Der Fragesteller ist mein Mann Ralf.

Ich selbst liege auf dem Sofa, lese ein Buch und lasse es jetzt, wo er mir so viele Fragen stellt, neben mich auf das Kissen sinken. Draußen kreischt eine Möwe. Vermutlich ist es die Reportermöwe, die unseren Nissen Herrn Kalle Knispel Schröder täglich mit den Neuigkeiten versorgt. Ralf steht vor mir und hält das Marmeladenglas mit den Gummibärchen hoch. Er dreht es in der Hand und schaut immer wieder rein. „Tja, diese Fragen kann nur einer beantworten, nämlich Herr Schröder“ sage ich und nehme das Buch wieder zur Hand. Es ist ein Kochbuch. „Die Heinzelmännchenküche“ heißt der Titel. Ich habe es gekauft um Schröderlein Appetit auf andere Dinge als Toffifee zu geben. So dick wie der kleine Kerl derzeit ist, wird ihn der Seeadler Klaus im Januar sicher nicht wieder mit auf die Insel Fanø nehmen. Und was für Heinzelmänchen gut ist, kann für Nissen doch nicht schlecht, sein, oder?

„Herr Schröder war das also, ja?“ fragt Ralf und schmunzelt. „Wer denn sonst?“ stelle ich gelassen die Gegenfrage. „Tja, es gibt nur ein Problem, denn Schröder ist weg“, sagt er. „Herr Schröder ist waaaaas?“ Geschockt setze ich mich sofort auf, was zur Folge hat, dass die Fernbedienung und das Buch auf den Boden fallen. Ich kann mich nicht im Spiegel sehen, aber glaube, dass ich im Gesicht so weiß bin wie das weißeste der weißen Gummibärchen. Ich stehe auf, gehe ins Esszimmer und schaue auf die Wand an der seine kleine Nissedør steht. Seine kleine E-Gitarre ist noch da. Ebenso seine Holzclogs. Das Toffifee fehlt, aber das ist ja normal bei ihm. „In seinem Briefkasten steckt ein Brief“ sagt Ralf und ja, jetzt wo ich genauer hinsehe, kann ich einen kleinen zusammengefalteten Zettel sehen. Ich öffne den mit Bernsteinen verzierten Briefkasten, nestele den Brief heraus und lese ihn laut vor…

Moinsen ihr Lieben,

musste dringend weg. Hab ´ne Einladung von Nisse David bekommen. Soll ihn besuchen kommen.

Dort, wo er lebt, soll es einen Sprudelhof geben, dass fand ich spannend. Klingt nach Sprudelkuchen und den esse ich doch so gerne. Außerdem soll es dort auch ein Eisstadion geben und da ich neulich doch den Tisch eingecremt habe um darauf Schlittschuh fahren zu üben, wollte ich das jetzt mal in einem großen Eisstadion ausprobieren. Vielleicht bringe ich Rosen aus dem Rosengarten mit. Bin in ein paar Tagen wieder zu Hause. Nicht traurig sein.

Viele liebe Grüße,

euer Kalle Knispel Schröder

PS: Bitte Toffifee kaufen!

„HA! Wußte ich es doch, dass er neulich am Sprudelkuchen dran war! Da waren deutliche Fußspuren im Zimt zu sehen“ entfällt es mir. Ralf zuckt mit den Schultern und schreibt Toffifee auf den Einkaufszettel. Jetzt, wo ich weiß, das er weg ist, werde ich tatsächlich ein wenig traurig. Ob es ihm wohl gut geht? Wer ist dieser David und wo wohnt er? In welcher Region gibt es einen Sprudelhof, einen Rosengarten und ein Eisstadion? Ach hätten wir doch nur öfter das tolle Brettspiel „Finden Sie Minden“ gespielt, dann wäre ich jetzt an der Lösung dran, so aber stehe ich mit beiden Beinen fest auf dem Schlauch. Mein schlauer Mann allerdings weiß diese drei Sehenswürdigkeiten sofort in Verbindung mit einem Ort zu bringen und so sagt er:“ Das müsste Bad Nauheim sein“. Im alten Westermann Schulatlas schaue ich nach wie weit es von uns aus bis dorthin ist und frage mich, wie er dorthin gereist ist.

Ein paar Tage später bekommen wir Antworten, denn Herr Schröder schreibt uns erneut.

Tachchen Freunde,

die Reise war anstrengend. Bin die ersten paar Kilometer von der drolligen Amsel mitgenommen worden. War ihr aber zu schwer. Deswegen bin ich die letzten Kilometer mit dem ICE in der Tasche eines Mädchens mitgefahren. Am Bahnhof hat mich David mit seinen Playmobilpferden abgeholt. Hier isses voll cool. Im Schwalheimer Riesenrad bin ich kostenlos mitgefahren, auf dem Signalturm konnte ich in die Ferne bis zu euch schauen und im Wellenbad ist es fast so wie bei euch an der Ostsee. Hihi. Morgen gehen wir ins Bernsteinmuseum. Urlaube in einem Luxushotel für Nissen, David zahlt. Anbei ein Foto vom Hotel. Bin bald wieder da. Habt ihr Toffifee gekauft? Viele liebe Grüße K. K. Schröder

„Ein Bernsteinmuseum?“ fragt Ralf atemlos und bekommt als ewiger Jäger des goldenen Baumharzes glasige Augen. „Ein Luxushotel?“ frage ich und merke, wie ich mir mal wieder zu viel Sorgen um den kleinen Wicht gemacht habe. „Tja, dann wäre ja alles geklärt!“ sage ich und nehme wieder meinen gemütlichen Platz auf dem Sofa ein. „Alles?“ fragt Ralf und hält schmunzelnd das Marmeladenglas wieder in die Höhe. Ich seufze, kaue an meiner Unterlippe und beschließe, ihm die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen. „Aber nicht lachen!“ bestimme ich, bevor ich mit meine Erklärungen beginnen will. „Es wird mir schwer fallen“ antwortet mein Mann und setzt sich neben mich auf´s Sofa.

„Du weißt doch, dass ich die weißen und die gelben Gummibärchen nicht mag. Und ich dachte, es würde sich am Geschmack vielleicht was ändern, wenn ich sie über nacht in der Preiselbeermarmelade lasse. Dann können sie richtig schön durchziehen, Farbe aufnehmen und schmecken nicht mehr nach nichts“. Ralf zieht die Augenbrauen hoch, nickt anerkennend für diese geniale Idee (glaube ich zumindest) und verhört mich weiter, in dem er nach dem angebissenen Käse, der Gewürzgurke und dem Tesafilm fragt. „Tja, also… ich war abends auf Toilette und wollte auf dem Rückweg ins Bett nur mal schnell schauen, ob noch alles da ist und …und.. noch genießbar. Muss man ja testen. Könnte ja sein, dass über Nacht was schlecht wird und das willst du ja auch nicht, dass du am nächsten Tag dann Käse isst und der war wohlmöglich nicht mehr gut und du wunderst dich dann darüber, warum dir plötzlich so komisch im Magen ist und warum es dirch so zwickt und drückt und vielleicht kriegst du dann komischen Hautausschlag weil, das ist ja bekannt, dass der eine Körper so reagiert und der andere so und du magst ja auch keinen Kamillentee trinken, wenn du krank bist und das wollte ich ja auch verhindern, weil ich ja immer daran denke, dass es dir gut gehen soll und…“

So ein Mist! Während ich mich und die Sache mit dem Käse versuche zu erklären, schaut mich Ralf wieder mit den Augen eines Sozialpädagogens an , der er ja ist. Völliges Verständnis im Blick. Bevor er jetzt mit Schnittlauchtee und Kinderkeksen um die Ecke kommt, sage ich lieber gleich wie es wirklich war:

„Ich war nachts auf Toilette und hatte Lust auf eine Scheibe Käse. Aber als ich da rein gebissen habe, hat es mich kurz geschüttelt, weil es ja dieser Stinkekäse war, den du so liebst. Weil du in all den Jahren meinen Zahnabdruck im Käse schon kennst und ich mich dadurch selbst verraten würde, habe ich gedacht, ich muss den Rest der Scheibe jetzt auch noch essen. Damit es besser schmeckt habe ich zusätzlich noch in eine Gewürzgurke gebissen. Als ich aber merkte, dass es die letzte Gewürzgurke im Glas war und ich dann am nächsten Morgen auf meinem Brot keine mehr haben würde, habe ich sie wieder zurückgelegt“.

Ralf schreibt > Gewürzgurken< auf den Einkaufszettel auf dem schon die Toffifees stehen. „Und das Tesafilm?“ fragt er mit lachendem Blick.

„Der Holzstern der zur Adventszeit an unserer Tür hängt und jedesmal gege die Tür schlägt, sobald wir diese öffnen, der nervt dich doch auch, weil er immer so klappert? Ich wollte ihn an der Tür festkleben, damit das nicht mehr passiert“. „Und deswegen hast du eine ganze Rolle Tesafilm verbraucht und ihn so sehr an die Tür festgepflastert, dass man vor lauter Tesafilm kaum noch den Stern sehen kann?“ fragt er nach. „Genau“ antworte ich und hab jetzt irgendwie doch Lust auf Kinderkekse. „Ach Herzi“ sagt mein lieber Mann, „das hätten wir doch auch anders lösen können. Jetzt versuche ich das Tesafilm wieder abzubekomen ohne das die Tür eine neue Lackierung braucht, dann gehen wir einkaufen und freuen uns darüber, dass Kalle Knispel Schröder Weihnachten wieder bei uns ist, was?“

Oh ja, da freue ich mich wirklich. Dann hält der Schabernack wieder Einzug bei uns. 😉

Habt eine schöne Adventszeit.

Herzlichst

Steph ❤

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