Der blubbernde Staubsauger

Vom Aufräumen, Saubermachen und Genervtsein…

Es war der Tag, an dem die Weihnachtsdeko wieder weg kam. Der Baum flog raus, die Engel wurden wieder in die mit Watte ausstaffierten Schachteln gepackt und Kerzenwachs von Baumkugeln gekratzt. Die Lichterketten wurden von den Fenstern abgehängt, die Elche zum Schlafen in die Kiste gelegt und die übrigen Baumkerzen an einem >Denkst-du- daran-dass-die-Baumkerzen-in-dieser-Schublade-sind?<-Ort deponiert.

Wir waren fast fertig mit dem Aufräumen, da fiel Ralf siedend heiß ein, dass wir kein Brot zum Frühstück für den nächsten Tag hätten. Am dritten Tag des neuen Jahres einkaufen zu gehen ist so spaßig, wie ein fiebriger Zahn. Nämlich gar nicht. Weil ich aber so froh darüber war, dass mein Mann diese Aufgabe übernehmen würde, bot ich großherzig an, dafür die Wohnung zu saugen. Ihr denkt jetzt vielleicht, dass das nix besonderes sei, aber… seit der Sache mit dem Staubsauger vor zwei Jahren mache ich Ralf zuliebe meist einen großen Bogen um das Gerät.

Damals nämlich war unser Staubi gerade anderthalb Wochen alt. Es war die gleiche Zeit wie jetzt: 04. Januar. Ralf saß im Arbeitszimmer, um die Unterlagen für die Steuer fertig zu machen. Wieder so eine Aufgabe, für die ich ihm dankbar war/bin. Damit er bei der Rechnerei nicht gestört wird, schloß ich die Tür des Arbeitszimmers und schmiss den Staubsauger an. Dieses neue Gerät war so anders als das alte, dass es eine wahre Wonne war, mit ihm zu saugen. Es war, als würde er die Maserung unseres Holzbodens mitaufsaugen. Und so schön leise war er. Schhhhhhhhhhhhhh. Wenn es ab und zu mal >flupp< machte, dann wußte ich, dass ich ein Minispielzeug aus einer Tischkanone zu Silvester erwischt hatte. Schhhhhhhhhh >flupp< schhhhhhhhhhh >flupp< schhhhhhhhhhh. Als ich fast die ganze Wohnung geschhhhhhhhhht hatte, ging ich in das Wohnzimmer. Dort stand bis vor kurzem noch der Baum und dort befanden sich viele Tannennadeln. Bei so etwas bin ich wie ein Kind: Ich hebe mir das Beste zum Schluß auf. Denn Tannennadeln wegzusaugen finde ich klasse. Das Geräusch, das dabei entsteht, entzückt mich, es rassselt so schön. Nach dem Wohnzimmer kam noch das Esszimmer dran, denn die Spur des Weihnachtsbaumes zog sich bis dorthin. Natürlich ist der Tannenbaum nicht selbst von A nach B gewandert. Ralf hat ihn im Wohnzimmer vom Ständer genommen, ihn quer durch’s Wohnzimmer geschleift, die Balkontür geöffnet und den Baum von dort nach unten in den Vorgarten unserer Vermieterin geschmissen. Dann lief er runter, um den Baum an der Sammelstelle für Bäume zu hinterlegen. So weit so gut.

Ich saugte und saugte und kam schließlich an der Balkontür an. Ralf rechnete im Arbeitszimmer. Was dann passierte, kann ich mir im Nachhinein nicht so recht erklären. Vielleicht war ich im Rasselsaugerrausch. Jedenfalls öffnete ich die Balkontür und…saugte dort einfach weiter. Weil unser Balkon eine Unebenheit im Boden besaß, die verhinderte, dass Regenwasser abfloß, hatte Ralf den Boden des Balkons mit schicken Holzfliesen „gerade“ gemacht, um die Senke auszugleichen. Ralf sagt, ich soll das unbedingt erwähnen, weil es für die Geschichte mit dem Staubsauger von enormer Wichtigkeit wäre. Im Staubsaugwahn („Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur blasen kann.“) riss ich also die Balkontür auf und saugte dort mit einem irren Grinsen im Gesicht weiter freudig die Tannennadeln auf. Bloß den Ralf bei seiner Rechnerei nicht stören, dachte ich bei mir, da fing der Sauger plötzlich an zu blubbern. Zunächst hielt ich das Ganze für ein technisches Novum, eine ausgefuchste tolle Idee des Herstellers. Aber als dann auch noch Blubberblasen aus dem Gerät herauskamen, da wußte ich, dass da was nicht stimmen kann. „RAAAAALF?“ rief ich, schaute entgeistert auf den Staubsauger, der inzwischen meiner Seifenblasenmaschine Konkurrenz machte. „RAAAHAAALF? Ich glaub, hier stimmt was nicht.“

Bei diesen Worten kam der rechnende Ehemann angelaufen und sah etwas, mit dem er nicht gerechnet hatte – einen bubbernden Staubsauger. Er sah zur Balkontür, dann zum Sauger, dann zu mir und zählte 1+1+1 zusammen. „Aber du kannst doch nicht…“ begann er. „Aber ich wollte doch nur…“ sagte ich. Dann schwiegen wir. Während Ralf dem Gerät den Stecker zog, es aufschraubte und ein bisschen Wasser (Ralf sagt, ich soll schreiben, dass es viel Wasser war!) aus dem Bauchraum von Staubi ließ, erklärte er mir, dass sich unter den Holzpanelen Regenwasser befand und ich diese Platten nicht einfach so absaugen dürfe. „Ach so“, entfuhr es mir kleinlaut und ab da war meine staubsaugende Tätigkeit erst einmal für längere Zeit beendet. Das Gerät war futsch. Der Motor war wegen dem bisschen Wasser in die Knie gegangen. Ein anderthalb Wochen alter Staubsauger war hin.

In diesem noch jungen Jahr nahm ich also meine Staubsaugertätigkeit wieder auf. Ralf verabschiedete sich zum Einkaufen wie immer von mir mit den Worten: „Keinen Blödsinn machen!?!“, worauf ich ihm antwortete: „Ich will ja nur Staubsaugen!“. „Eben drum“, sagte er und zwinkerte mir zu. Die Uhr zeigte 16:00 Uhr, in einer halben Stunde würde mich meine Freundin Danni anrufen wollen. Das hatten wir so ausgemacht. Ich rollte den Staubsauger aus seinem Versteck und ging mit ihm wie mit einen Hund an der Leine ins Wohnzimmer. Eigentlich hebe ich mir das beste ja immer für den Schluß auf, aber dieser Baum hatte so unendlich viele Nadeln verloren, dass ich dafür immens viel Zeit benötigen würde. Und Ralf sollte sich ja freuen, dass ich diese blöde Aufgabe erledigt hatte.

20(!) Minuten später bemerkt ich, dass nicht ich diese Aufgabe erledigt hatte, sondern sie mich! Überall waren Tannennadeln. Sobald ich mir einen Weg vor mir frei gesaugt hatte, befanden sich hinter mir schon wieder welche. Es war zum Haare raufen. Zwischendurch war das Rohr des Saugers verstopft. Also noch mal schnell ausstellen, ausklopfen, Beutel ausleeren und weiter saugen. Schweißperlen tropften von meiner Stirn und behinderten meine Sicht zur Uhr. 16:25 Uhr las ich ab, als ich mir den Schweiß mittels meines Arms von der Stirn wischte. Gleich würde Danni anrufen. Dann müsste ich diese Arbeit unterbrechen, die mir so gar keinen Spaß mehr machte. Das kleine faule ICH in meinem Kopf rief: „Lass es sein, du hast doch keine Lust mehr. Leg dich lieber auf das Sofa und ess eine Tüte Chips.“ „Aber ich mag doch gar keine Chips“, antwortete ich leise. „Egal, dann knack ein paar Nüsse, Hauptsache ausruhen und den Schei.. liegen lassen!“ „Nein, nein, nein, auf keinen Fall!“ rief da das Gewissens-ICH. „Saug weiter und ess bloss keine Chips, die bröseln doch alles wieder voll!“ „ICH MAG DOCH GAR KEINE CHIPS!“ wurde ich lauter. Zum Glück sah mich keiner in der Unterhaltung mit dem faulen und dem fleißigen ICH. Ein Gedankenblitz schenkte mir selbst die Lösung dafür, warum ich diese blöde, nervige und mittlerweile schweißtreibende Arbeit nicht weiter ausführen konnte. Denn wenn der Sauger weiter an wäre, würde ich ja das Telefon gar nicht hören können! Was war ich doch für ein Schlaufuchs. Völlig dankbar über meinen schlauen Gedankengang ließ ich sofort das Rohr fallen, trat mit dem Fuß auf den AUS-Schalter des Staubsaugers und setzte mich neben das Telefon. Wenn der Ralf jetzt heimkäme, würde ich ihm sagen, dass ich zu gerne zu Ende gesaugt hätte, aber von einem Telefongespräch unterbrochen wurde. Stimmte ja schließlich auch.

Doch leider klingelte das Telefon nicht wie verabredet um 16:30 Uhr. Auch nicht um 16:31 Uhr. Oder 16:32 Uhr. Was war nur los, wir hatten doch abgemacht, dass Danni mich um 16:30 Uhr anrufen sollte? Nervös trommelte ich mit den Fingern auf der Schreibtischunterlage. Als ich um 16:43 Uhr dachte, ich hätte im Treppenhaus einen heimkommenden Ralf gehört, griff ich selbst zum Hörer und plauderte gleich drauflos, als ich Dannis Stimme hörte. „Bist du auch so genervt vom Aufräumen der Weihnachtsdeko?“ fragte ich und hörte von ihr ein total entspanntes: „Ach nöö, eigentlich nicht, wir hatten dieses Jahr nicht viel stehen.“ Weil ich mich so schlecht wegen des mitten im Flur drapierten Staubsaugers fühlte, erzählte ich ihr gleich, was ich aus Faulheit getan hatte und auch, dass ich das Telefonat mit ihr unter anderem auch deswegen sehnsüchtig herbeigesehnt hatte um….nicht weiter Tannennadeln aufsaugen zu müssen. „Kein Problem, ich halte gerne dafür her“, lachte sie und erzählte mir, wie es ihr die letzten Tage ergangen war.

Ralf, der Arme kam nach gefühlten zwei Stunden erst wieder vom Einkaufen zurück. „Einkaufen nach den Feiertagen ist die Hölle“ sagte er und packte das gekaufte Brot auf den Tisch. „Ich wollte ja saugen, aber dann…“, erklärte ich ihm und er antwortete, dass er liebend gerne saugen würde. „Ausgleich für den Stress, eine Art Mediation“, sagte er und trat mit Lust und Schwung auf den AN-Knopf von Staubi. Hach, war das schön. Alles war auf eine bestimmte Art und Weise wieder hergerichtet. Das Gleichgewicht, die Stimmung und die Wohnung sowieso.

Abends auf dem Sofa – mit Gummibärchen statt Chips – habe ich Ralf dann gebeichtet, dass das Telefongespräch erst später als geplant kam und ich eigentlich hätte zu Ende saugen können. Es machte ihm nichts aus. Ich glaube, er war froh, dass ich dem neuen Sauger nix Schlimmes angetan hatte. Gewissen erleichtert, Wohnung wieder sauber gemacht und ein nettes Telefonat geführt. Beim nächsten Mal erzähle ich euch alles über Herrn Schröders Rückreise, denn dieser ist nach echter Wichtelmanier am 06.01. wieder bei uns ausgezogen.

Ich wünsche euch einen guten Start in den ersten Monat des Jahres. Macht euch nicht verrückt und vergesst das Lachen nicht.

Herzliche Grüße

Steph ❤

3 Kommentare zu „Der blubbernde Staubsauger

  1. Zuallererst möchte ich Dir noch ein schönes und glückliches neues Jahr wünschen! Und Deinem lieben Weihnachtsengel Ralf selbstverständlich auch!
    Wie könnte ich denn das Lachen vergessen, bei Deinen netten und so humorvollen Texten? Geht ja gar nicht! 😆 Siehste?
    Ganz liebe Grüße an Euch alle,
    Werner

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s