Der MuPS ist los

Seit Neuestem beherbergen wir einen MuPS. Nach einigen sehr chaotisch lustigen Tagen wissen wir, wie er tickt und senden hiermit einen Erfahrungsbericht.

Alles hat damit angefangen, dass wir ein Paket bekamen. Wer meinen Blog schon länger verfolgt, der weiß ja, dass ich zu gerne Pakete bekomme und von Ralf stets die „Fetzerin“ genannt werde, da ich es vor Aufregung kaum erwarten kann, an den Inhalt des Paketes zu kommen. Hier aber war alles anders…

„Nanu, das Paket ist ja noch noch gar nicht ausgepackt“, sagte Ralf verwundert, als er das Wohnzimmer betrat und mich vor dem großen Karton sitzen sah. Der Paketbote hatte zuvor bei uns geklingelt.
„Ich hab mich nicht getraut, weil da was Lebendiges drin ist“, habe ich ihm zugeflüstert. Denn natürlich hatte ich den Deckel des Paketes bereits geöffnet, aber schnell wieder zugemacht, als ich folgendes las: „Vorsichtig öffnen, LEBT!“ Deswegen durfte zum allerersten Mal der Ralf ein Paket für mich öffnen. Zugedeckt mit einem Kaffesack der „Cafes Do Brasil“ schlief das lebendige Etwas und schnarchte. Sein Fell ist braun und seine Knopfaugen schwarz. Wir lasen die beigefügte Karte, auf der geschrieben stand: „Hallo, Mabel schickt mich. Ich komme von den MuPSen aus der Kaffee-Bühne von Mabel & Peter aus Biberach. Die sagen, ihr seid cool und hättet immer Quatsch im Kopf – wie ich. Außerdem würde ich hier Wichteln und anderen Kumpels begegnen. Wenn es mir nicht gefällt, will ich wieder heim. Aber jetzt checke ich mal die Lage. MuPS“

Von Mabel und Peter also. Wir freuten uns total, denn ich kenne die Stabpuppen der beiden und hatte mir immer schon gedacht, dass diese lebten.

Als er dann wach wurde, der MuPS, da hatte er erst einmal großen Hunger. Und weil der Ralf und ich immer gute Gastgeber sein wollen, fragten wir, was er denn gerne essen würde? „Erstmal ’ne Pizza und dann sehen wir weiter“, sagte er und fragte sogleich, wo denn seine Kumpels sein? Also stellten wir ihm Ministeph & Miniralf , Ernie und Mutter Hase, die eigentlich ein Schaf ist, vor. (Unser Nisse namens Herr Schröder befindet sich ja noch bis Dezember im Zauberwald auf Fanø.) Die anderen freuten sich sehr über ihren neuen Freund. Sie zeigten MuPSi den Leuchtturm auf unserem Balkon und erzählten ihm, dass es bald schon besseres Wetter geben würde. „Jetzt mampfen wir erst einmal ’ne Pizza und dann machen wir so richtig tollen Blödsinn!“ sagte der MuPS. „Oha ja, so richtig supertollenwauipaui Blödsinn!“ riefen alle begeistert. Doch nach der Pizza wollten sie noch Pommes und Eis und Lollis und Toffifee essen. Und als sie dies alles gegessen hatten, da waren ihre Bäuche so dick wie pralle Luftballons und sie waren – zum Glück – sehr, sehr müde. Wir haben sie dann zum Schlafen hingelegt und waren gespannt, was uns erwarten würde.

MONTAG: Der MuPS und ich waren als Erste wach. „Was machst du da?“ fragte er, als ich Toastbrot in den Toaster legte und die Taste runterdrückte. „Ich röste Brot“, sagte ich und fragte ihn, ob er das nicht kenne? Der MuPS antwortete allerdings nicht, sondern setzte sich zu mir auf die Theke, weil er das auch mal ausprobieren wollte. „Du kannst mal die anderen wecken“, sagte ich nachdem er auch mal die Taste drücken durfte und hörte, wie er „Alle aufstehen, wir wollen Blödsinn machen!“ rief. „Erst einmal wird gefrühstückt“, sagte ich streng und so saßen wir zusammen, aßen geröstetes Brot, gekochte Eier, tranken Saft und unterhielten uns. „Wie lautet denn nun eigentlich dein Vorname?“ fragte Ralf ihn. „Ich mache keine Mätzchen Schätzchen“, sagte dieser und schob ein leises „Matze“ hinterher. Matze MuPS. Wäre das also auch geklärt. Mittags gingen wir durch Lübeck, um ihn unsere tolle Stadt zu zeigen und Postkarten für Mabel & Peter zu besorgen.

DIENSTAG: Aus der Küche hörten wir Geräusche. „Matze MuPS ist wach“, sagte ich noch halb verschlafen zu Ralf und dann sprangen wir beide wie Sprungfedern aus dem Bett, denn Matze ist ein selbsternannter Quatschmacher. Ministeph, Miniralf, Mutter Hase, die eigentlich ein Schaf ist und Ernie saßen bereits am Tisch und freuten sich. Es stank undefinierbar. Alle lachten. „Was machen denn die Kaffeebohnen im Toaster?“ rief ich und zog schnell den Stecker aus der Steckdose. „Die wollte ich rösten, um Kaffee zu kochen wie der Peter“, antwortete mir Matze. „Aber Peter von der Kaffee-Bühne ist ein Profi“, sagte ich und wischte die MuPSerei weg. Man kann ihm einfach nicht sauer sein, denn erstens schaut er stets so süß und zweitens meint er es ja nicht böse.

MITTWOCH: Der MuPS hat das Honigglas ausgeschleckt und dafür keinen Löffel, sondern seine Hände benutzt. „Bäh, wie das klebt!“ sagte ich, als ich ihn anschließend unter die Dusche stellte und wusch. „Hihihi, das kitzelt!“ rief der MuPS und quietschte vor Vergnügen. Am Nachmittag spielte er mit Ernie, Ministeph & Miniralf und Mutter Hase, die eigentlich ein Schaf ist, Autowaschanlage. Im Garten hatten sie dafür unseren Wischmob mit den vielen ledernen Streifen verkehrtherum in das Loch, das für die Wäschespinne vorgesehen ist, gesteckt. Sie rieben sich mit Matschepampe aus Sand und Wasser ein, liefen einmal durch die Nachbarshecke, um nicht nur dreckig, sondern auch nadelig zu sein und liefen dann lachend zur sogenannten Autowaschanlage. Der Rasensprenger lieferte das dafür erforderliche Wasser. Aus dem Küchenfenster beobachtete ich das Treiben und fragte mich, warum ich den MuPS vorhin eigentlich geduscht hatte, wenn sie nun Autowaschanlage spielen.

DONNERSTAG: „Wo sind all die Smarties hin, lieber Matze MuPS?“ „Meinst du die tollen bunten Punkte?“ entgegnete er fragend, grinste uns fröhlich an und zeigte mit dem Fingern nach draußen. Unser Tisch auf dem Balkon war voller Smarties, die er, wie auch immer, dort festgeklebt hatte. Die gesamte Fläche des Tisches, die Beine, alles war voll mit den bunten Punkten. „Sieht viel schöner aus aus vorher, was?“ sagte er und freute sich. Ralf verließ den Raum, weil er so lachen musste und ich fragte mich, woher der MuPS denn wohl den Kleber dafür hatte? Schließlich stand der Bastelleim ganz oben auf dem Schrank, den er nicht hätte erreichen können. „Mit Honig, denn der klebt doch so sehr, hast du gesagt“, antwortete er mir. Oh nein! Dann kam die Sonne hinter den Wolken hervor und brachte die Smarties zum Schmelzen. „Vorher waren die Punkte bunt und nun sind sie alle braun. Ich kann zaubern!“ rief Matze MuPS vergnügt und tanzte mit seinen Freunden eine Polonaise durch die Wohnung.

FREITAG: Mabel hat sich gemeldet und gefragt, wie es uns geht. Weil sie weiß, dass Ralf und ich wie sie eine pädagogische Ausbildung haben, fragte sie lachend nach einem Entwicklungsbericht. „Welche Entwicklung meinst du, seine oder unsere?“ schrieb ich ihr zurück, um anschließend zu ergänzen, dass es uns allen gut gehe. Weil es so heiß war, haben wir zu Mittag nur einen Tomatensalat mit Kräutern und Käsewürfeln gegessen. „Können wir heute Popcorn machen?“ fragte Ernie und alle anderen außer Mutter Hase, die eigentlich ein Schaf ist, stimmten zu. Mutter Hase isst am liebsten alles, was grün ist. Brokkoli, Bohnen und Spinat zum Beispiel. „Oh ja, Popelcorn ist toll!“ rief Matze MuPS. Ministeph musste dabei so sehr lachen, dass ihr ein Käsewürfel aus dem Mund flog. Am Küchenschrank über der Spüle stoppte sein Flug und er blieb dort hängen, als sei er ein gelber Knopf des Schrankes. Nachmittags gab es auf Wunsch Popcorn und hätte Matze MuPS nicht irgendwann den Deckel vom Topf genommen, um sich das Ganze aus nächster Nähe besser ansehen zu können, dann hätten wir anschließend nicht vom Boden essen müssen.

SAMSTAG: Wir waren am Meer und haben dem MuPS seine neue Heimat gezeigt. Die rauschenden Wellen, der grün-weiße Leuchtturm, die vielen Muscheln und der Sand haben ihn begeistert. Tatsächlich war er für viele Minuten mal still und hat alles, was ihm begegnete, mit all seinen Sinnen aufgenommen. Ralf und ich atmeten tief durch. Allerdings lag da noch etwas Schwieriges vor uns, denn der MuPS hatte ja in seinem „Hier bin ich“-Brief geschrieben, dass er womöglich wieder weg will, wen es ihm nicht bei uns gefällt. Wir mussten ihm also die Frage stellen. „Mach du das bitte, ich schaff das nicht“, sagte ich zu Ralf. „Wir machen das gemeinsam“, antwortete dieser und nahm mich in den Arm. „Also, lieber MuPS, was ist mit dir, gefällt es dir und bleibst du bei uns?“ fragten wir im Chor. Dabei war diese Frage fast unnötig, denn an diesem Tag verliebte er sich ins Meer. „Schaut mal, wie das glitzert!“ rief er fragte, ob er auf einem Schwan durch’s Wasser reiten dürfe. „Das mögen die Schwäne nicht so sehr“ antwortete ich ihm und Ralf machte ihm ein tolles Angebot. „Wir haben ein Schlauchboot auf dem Dachboden, damit können wir mal über die Wakenitz fahren.“ Das fand der MuPS prima. Überhaupt war er nach diesem Tag an der Ostsee ein wenig anders. Die Liebe zur See hatte ihn eindeutig mitten ins Herz getroffen. Er schaukelte am Strand dem Horizont entgegen, bestaunte die vielen Segelschiffe im Hafen, sammelte Hunderte von schönen Muscheln ein und sagte mir am Abend, als ich ihn zu Bett brachte, dass meine roten Haare aussähen wie Bernstein. Ich fühlte mich wie ein mit Honig auf den Balkontisch geklebtes Smartie, denn ich schmolz dahin bei seinem Kompliment. „Du bleibst also hier, ja?“ versicherte ich mich bei ihm, während ich seine Decke um ihn legte und über den Kopf strich. „Aber nur, wenn wir immer wieder Quatsch machen“, forderte er. Und ja, das war abgemacht.

SONNTAG: Die Nacht war kurz, denn es gibt da jemanden bei uns, der das Meer/die See so sehr liebt, dass er es/sie auch zu Hause haben möchte. „Was machst du denn hier?“ rief ich und schlug vor Schreck die Hände über dem Kopf zusammen. „Na, ich bade“, antwortete der MuPS lässig. Ich rief Ralf hinzu, denn er musste sich das unbedingt anschauen. Da saß Matze MuPS doch tatsächlich in unserer Duschkabine. Den fehlenden Stöpsel hatte er mittels eines Waschlappens ersetzt, sodass das Wasser sich staute und in Begriff war, aus der Kabine herauszulaufen. Und nicht nur das. Er saß auf unserer großen Gummiente sang dazu: „Komm‘ hol das Lasso raus, wir spielen Cowboy und Indianer!“. „Wasser scheint sein Element zu sein“, flüsterte ich Ralf zu und zuckte mit den Schultern. „Wie schön, dass es ihm bei uns gefällt“, sagte dieser.

Der Alltag mit einem MuPS ist besonders. Besonders schön. Besonders wunderbar. Er hat unser Herz gewonnen und wir sind gespannt, was wir noch für lustige Sachen mit ihm erleben werden. Die Postkarte für Mabel und Peter ist noch nicht abgschickt, weil der MuPS erst lernen will, wie er seinen Namen schreiben kann. Nachdem er die Fliesen im Badezimmer mit seinen Schriftversuchen vollgekrickelt hat, ist er bald soweit, diese auch mit Stiften auf einer Postkarte zu verewigen. Der kleine rot-weiße Leuchtturm auf unserem Balkon, dessen Licht sich in der Dunkelheit dreht ist nun grün-weiß angemalt. Der MuPS meint, dass müsse so sein. Der Leuchtturm am Strand unserer Heimat ist schließlich genau in diesen Farben angemalt. Wir lassen das jetzt so. Jeder soll sich kreativ entfalten, wie er es mag. Übrigens haben wir Matze MuPS einen Spitznamen verpasst. „Böhnchen“ in Anlehnung an seine Herkunft. 😉

Am Ende bleibt ein großer Dank an die wunderbare Mabel von der Kaffee-Bühne in Biberach ( https://kaffee-buehne.de/wp/ ). Sie kennt uns nicht persönlich. Die gemeinsame Liebe zu einer Nordseeinsel in Dänemark hat uns zusammengebracht. Seit dem darf ich virtuell an ihren tollen Aktionen, die sie als Theaterpädagogin ausführt, teilhaben. Damit der MuPSi bloß kein Heimweh bekommt, schauen wir uns regelmäßig auf Facebook an, was die Kaffebühne Biberach so veranstaltet und verfolgen staunend, wie Peter Kaffeebohnen röstet und aufbereitet. Nach den gehäkelten Puppen Ministeph & Miniralf der lieben Ina, den Toffifeegeschenken an unseren Weihnachtswichtel Herrn Schröder von Michi, der Wikingerfamilie und vielen anderen, sowie das Schreibheft mit Kugelschreiber von Dorte bin ich unfassbar dankbar und glücklich. Großartigen Dank ❤

Habt alle eine schöne Woche, bleibt gesund und fühlt euch lieb gegrüßt.

Herzlichst

Eure Steph ❤

4 Kommentare zu „Der MuPS ist los

  1. Moin Steph herzlichen Glückwunsch zum Familienzuwachs, bald müsst ihr anbauen. Vielen Dank für deine Geschichte. Ich habe Sie gerade beim Morgenkaffee gelesen. Die letzten 2 Tage hatte ich Nachtdienst und war zu müde zum Lesen, aber jetzt habe ich sie genossen. Jetzt habe ich 3 Wochen Urlaub und es geht nicht auf die Insel🙁aber dafür an die Wurster Nordseeküste . Ich fand den Namen so toll Wurster Nordseeküste, mein Mann ärgert mich immer und sagt: Wenn du mich ärgerst fahr ich an die Tofu Ostseeküste. Ist mir Wurst🤣🤣🤣Ich wünsche Dir und Deiner ganzen bunten Familie einen schönen Sonntag. LG Ursula

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