Weltgesundheitstag

Heute ist Weltgesundheitstag für seelische Gesundheit. Noch immer gibt es Menschen, die im Stillen leiden, weil sie sich nicht trauen, ihre Erkrankung öffentlich zu machen, zu groß ist ihre Scham.

Als Betroffene möchte ich das ändern. Es macht mich wütend, wie sehr dieses Thema immer noch in der Tabuecke verschwindet, und da ich mich für nichts schäme, rede ICH offen darüber.

„Was sollen die Nachbarn denken?“

Mir egal, ich habe ja nichts Schlimmes getan, ich habe nur mich selbst gerettet.

2016 bin ich an einem Burnout erkrankt und durfte mich mit Erlaubnis meiner Versicherung 2017 in einer Rehaklinik sieben Wochen lang professionell behandeln lassen. In meiner letzten Rehawoche verschwand mein großer Bruder in suizidaler Absicht und wurde drei Wochen später, am 24.10.17 von einem Spaziergänger leblos aufgefunden.

Keiner kann sich meinen Schmerz vorstellen, der bis heute anhält.

Ich bin dankbar, dass mich im November 2017 ein Therapeut aufnahm, denn zu allem Übel verlor ich zu diesem Zeitpunkt auch noch meine Arbeitsstelle, für die ich jahrelang alles an Energie und Kraft mit Leidenschaft gegeben hatte.

Noch heute, drei Jahre später habe ich regelmäßige Termine bei meinem „Psychodoc“ und lerne so viel über mich und meine Mitmenschen. Er ist jetzt vier Wochen lang in seinem Herbsturlaub. Ich hatte deswegen ein bißchen Sorge, denn die Zeit vom 30. September bis zum 24.Oktober ist für mich seit 2017 stets ein wenig schwierig. Ernie, mein Freund aus Kindheitstagen, ist als Vertretung für meinen Psychologen eingesprungen und Ralf sagt, dass er natürlich auch immer für mich da ist. So wie die letzten gemeinsamen 20 Jahre auch.

Am 23.11. jährt sich der Geburtstag unserer verstorbenen Tochter Nele Johanna. Als sie beerdigt wurde, sprach der Pfarrer die Trauergesellschaft offen an. „Nele, die so früh sterben musste, wird euch vielleicht irgendwann fragen, was ihr aus eurem Leben, welches ihr leben durftet, gemacht habt?“ Für mich war die Frage sofort klar. Ich würde weiterhin alles geben, um anderen Menschen eine Hilfe zu sein. Humanistisch geprägt würde ich meine Stimme erheben für alle, die es nicht können und als Rettungsinsel fungieren. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Dazu war es allerdings nötig, sich selbst Hilfe zu holen, wie ich es getan habe und ich will andere Menschen ermutigen, dies auch zu tun. Weil es eben keine Schande ist!

Ich finde, man sollte in vielen Situationen mal darüber nachdenken, ob man mit seinem Verhalten vielleicht dazu beiträgt, dass es einem anderen Menschen nicht gut geht. Jemanden bewusst zu ignorieren zum Beispiel oder sich über ihn lustig zu machen. Es gibt noch viel mehr, was andere kränkt, ihnen weh tut oder verzweifeln lässt. Sein wir für den anderen Menschen da, hören wir ihm zu und geben ihm das Gefühl, nicht alleine zu sein, das finde ich ganz wunderbar. Ich habe keine 1.000 Freunde, sondern nur einen ausgwählten kleinen Kreis. Jedem aber möchte ich anbieten, für ihn da zu sein, wenn es ihm nicht gut geht. Aufgeben ist keine Option, das habe ich meinem Kind an seinem Gärtchen auf dem Friedhof versprochen und das meine ich ernst.

Das musste alles mal raus, Danke für’s Lesen.

Liebste Grüße, Steph ❤

8 Kommentare zu „Weltgesundheitstag

  1. Alles was du schreibst ist so schön liebe Steph. Du bist schön. Innen und außen. Gerade weil du das alles erlebt hast. Du trägst es in deinem Herzen und du strahlst es nun aus. Bis zu mir in die Türkei. Ich freue mich, dass wir uns hier gefunden haben.

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  2. Liebe Steph, ich bin durch Werners Seite erstmalig hier bei Dir gelandet. Dein Beitrag gefällt mir. Leider musste ich feststellen, dass nur wenige Menschen Emphatie für andere haben. Die meisten schauen weg. Bei psychischen Problemen ist es noch schlimmer. Da wird man nicht oder in den seltensten Fällen für voll genommen. Das ist der Grund weshalb sich nur wenige äußern und lieber schweigen.
    Mein Sohn ist bei fünf Psychologen abgeblitzt, weil sie ihn nicht behandeln wollten. Vor einem Jahr ist er mit 37 gestorben. Er konnte diese Gesellschaft nicht ertragen.
    Meine positive Erfahrung mit Psychologen hält sich in Grenzen. Ich war zweimal in einer psychosomatischen Klinik.
    Wie kann mich ein Psychologe behandeln, der nach einer Dreiviertelstunde auf die Uhr schaut und überhaupt keinen Draht zu mir hat? Ich halte nichts davon. Man muss sich selbst von innen stark machen.

    Liebe Grüße
    Gisela

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    1. Liebe Gisela,
      es tut mir schrecklich leid, dass dein Sohn diesen Weg gewählt hat. Unsere Tochter schickt uns immer wieder liebevolle Zeichen aus dem Himmel. Mal verkleidet sie sich als Eichhörnchen das uns zum lachen bringt oder sie ist das kleine Vögelchen auf unserem Balkon. Es tut gut das zu sehen.
      Einige Menschen besitzen keine Empathie, weil sie diese nie erlernt haben. Das ist traurig. Ich wünsche dir von Herzen ganz viel Kraft und freue mich sehr, dich als Followerin meines Blogs begrüßen zu dürfen. Herzliche Grüße Steph 😘

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      1. Liebe Steph, mein Sohn hat sich nicht selbst das Leben genommen. Er starb an gebrochenem Herzen, weil er sich überall abgelehnt fühlte.
        Ich freue mich auch über kleine Vögelchen und Eichhörnchen. Sie sind mir immer ein Gruß. Herzlichst, Gisela

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      2. Oh jeh das klingt so traurig. Im Himmel wird er über dich wachen und mit Grüßen beschenken. Es gibt einen sehr schönen Spruch, den ich selber immer wieder gern zitiere: “ Immer wenn dir auf deinem Weg eine Feder begegnet, ist dein Schutzengel ganz nah bei dir“. Ist das nicht tröstlich schön? Ich grüß dich lieb. Steph 😊

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