Grinsemuskelkater

Versprecher passieren jedem mal. Mir allerdings ganz oft. Wenn ich aufgeregt bin, dann ist es, als würden meine Hirnwindungen Purzelbäume schlagen und dann kommt da ein sprachliches Wirrwarr heraus, welches nur der Ralf entziffern kann…

Laubsägen

Gestern morgen: Einer aus der Nachbarschaft mähte mal wieder den Rasen. Gefühlt mäht jeden Tag irgendwer seinen Rasen. Ich war ein bisschen genervt, da ich zuvor nicht gut geschlafen hatte. Jeder hat ja so seine Befindlichkeiten. Manche sind nicht gut drauf, wenn sie hungrig sind, manche mögen es heiß und ich bin die, die grantig werden kann, wenn ihr der Schlaf fehlt, von dem ich im Übrigen nicht viel brauche. Hinter’m Haus mähte also jemand den Rasen, vor dem Haus gab es eine Baustelle und dann kam noch der Mann mit der Motorsäge, um die Hecken vor dem Schulgebäude zu kürzen. Ein irrer Lärm von allen Seiten. Als dann eine weitere laute Geräuschquelle hinzukam, schritt ich zum Fenster, sah hinaus und entdeckte einen Mann mit Staubsauger auf dem Rücken. „Jetzt kommt zu allem Lärm auch noch der Mann mit dem Laubsäger!“ empörte ich mich und steckte meine Hände erbost in die Hüften. „Laubsäger!“ kicherte der Ralf und ich verstand nicht, was er daran so komisch fand. Ich ging an meinen sicheren Ort, dem Badezimmer. Mein Therapeut hat mir das mal empfohlen, einen sicheren Ort aufsuchen, wenn mir alles zu viel wird. Im Badezimmer hatte ich meine Ruhe, da lief nur das Radio und auch nur, wenn ich das wollte. Auf dem zugeklappten Toilettendeckel sitzend fragte ich mich, warum der Ralf eben noch so gelacht hatte, und als es mir dann einfiel, musste ich selbst laut lachen. Der Mann mit dem Staubsauger auf dem Rücken hielt in Wahrheit einen Laubbläser und keine Laubsäge in der Hand. Ich Doofie.

Die Schleiftheke

Ralf und ich waren einkaufen. Es war ein ganz verrückter Tag in meinem Kopf, denn alles sprudelte mir im Kopf durcheinander. „Sollen wir noch eine Cole Dosa kaufen oder lieber eine ganze Flasche?“ fragte ich meinen Mann. Dieser schaute mich an, als hätte ich ihn gerade gefragt, ob er sich mit mir in die Tiefkühltheke setzen möchte, weil es darin so schön kalt war. Es ging allerdings nicht darum, dass er mich nicht verstanden hätte. Wie bereits geschrieben ist der Ralf ein Meister, meine durcheinandergewuselten Worte ohne mit der Wimper zu zucken zu entziffern. Er verstand nur nicht, warum wir eine Dose Cola kaufen sollten. „Wir kaufen doch jede Woche eine Kiste Cola“, sagte er. „Ja, aber Cola light und unser Besuch trinkt doch gerne mal Rola Cum und ich weiß nicht, ob man das mit Cola light mischen kann“, erwiderte ich. Am Abend würden wir Besuch bekommen und dieser trank eben gerne mal Cola Rum. „Du kannst das ja alles nochmal überlegen und ich gehe derweil schon mal zur Schleiftheke, ja?“ Da nickte er und ich ging fort. An der „Schleiftheke“ musste ich warten, da dort eine lange Schlange von Menschen wartete. Ich sah Leberkäse in der Auslage. Ein LKW mit ABS habe ich während unserer Zeit in Franken gerne mal gegessen. Die Abkürzung steht für LeberKäsWeckla mit a bissle Senf. Ich wunderte mich, dieses Fleischgericht, welches übrigens nichts mit verabeiteter Leber zu tun hat, hier bei uns im Norden zu entdecken. Hier sind doch eher Fischbrötchen und Labskaus zu Haus. Als ich an der Reihe war, bestellte ich zwei Brettmötchen und etwas von dem Krautsalat. Mmmmh Krautsalat. Irgendwo hatte ich doch mal ein tolles Rezept für Sprudelkraut? „Oh du hast dir ja ein Mettbrötchen gekauft“, sagte Vegetarierralf zu mir, als wir uns wiedertrafen. „Pfei!“ sagte ich kauend, was der Ralf mit Zwei zu übersetzen wusste. „Wollen wir noch zu Penno?“ fragte ich, als wir am Auto ankamen und das war wirklich kein Verprecher. In unserem engen Verwandtenkreis – und ich schreibe jetzt nicht, von wem das kam, um denjenigen nicht unfreiwillig bloßzustellen – da fragte derjenige mal, ob wir jenes bei Penno oder bei Netty gekauft hätten. Wir lachten uns an einem netten Grillabend alle darüber scheckig, so witzig fanden wir es, dass die Supermärkte Netto & Penny so herrlich durcheinander gebracht wurden. Es ist, weil wir es zu schön finden, heute noch in Ralfs und meinem Sprachgebrauch.

Quatsch mit Soße

Ich weiß wirklich nicht, woher meine Verdrehungen in der deutschen Sprache herkommen. Es mag sein, dass es an zu wenig Schlaf und der damit bei mir verbundenen Albernheit kommt. Schon als ich Kind war, wurde ich schrecklich albern und neigte zu Quatschgeschichten, wenn ich müde war. „Du gehst jetzt mal ins Bett bei Rollo runter!“ bestimmte meine Mutter dann und jeder, der jetzt denkt, ich hätte dann tatsächlich im Dunkeln geschlafen, der irrt. Meinem Bruder tat es oft leid, dass ich am hellichten Tag zum Mittagsschlaf ins Bett musste und er fragte dann durch die Tür, ob ich etwas brauchen würde. „Meine Pixibücher liegen noch im Wohnzimmer“, flüsterte ich und schon ging er los, um diese zu suchen und mir anschließend durch den Türspalt unten durch zu schieben. Mit der Taschenlampe unter der Bettdecke schaute ich mir dann meine vielen kleinen Bücher an, bis ich, die Rebellin, dann tatsächlich einschlief. „Und dann?“ fragte Ralf neugierig, als ich ihm von meiner Kindheit und dem Mittagsschlaf berichtete. „Na ja, es gab eine Zeit, da hätte ich zu gerne die fünf Fragezeichen oder die drei Freunde auf Kassette gehört, aber dann hätte meine Mutter ja gewusst, dass ich nicht schlafe und sie wollte eine wache Steph nach dem Mittagschlaf haben und keine maulige. „Soso, die fünf Fragezeichen“, sagte Ralf und lachte. Oh nein. Natürlich müsste es die drei Fragezeichen und die fünf Freunde heißen…

Synapsen tanzen Twist

Ich glaube einfach, dass in meinem Kopf manchmal so viel passiert, dass meine Zunge das nicht mehr alles koordinieren kann. Da sind Millionen von Synapsen in meinem Hirn und die haben unentwegt viel Arbeit. Wie die Sache mit dem Leberkäse zum Beispiel. Schon im Laden mit Ralf hatte ich mir überlegt, warum es Leberkäse heißt, wenn darin nichts mit Leber verarbeitet wurde. Und käsig schmeckte das ja nun auch nicht. Das würde ich zu Hause am PC mal recherchieren müssen. Wenn man eine Scheibe Käse auf das Fleischstück legen würde, dann könnte ich das mit dem irreführenden Namen ja verstehen, aber so? Cordon Bleu könnte ich auch mal wieder essen. Oder Toast Hawaii. Der war ja auch mit Käse. Aber mit Scheiblettenkäse. Früher habe Scheiblettenkäse so geliebt. Bis ich lesen lernte, dachte ich auch, dass dieser Schallplattenkäse heißt und das fand ich witzig, weil er ja gelb und eckig und nicht schwarz und rund war. Inzwischen mag ich Analogkäse nicht mehr essen. Komisch, es gibt so Sachen, die man früher gerne mochte und nun nicht mehr. „Wie das Leberkuchenhaus in der Adventszeit!“ rief ich dem Ralf zu. „Dem was?“ „Das Lebkuchenhaus. Da ist mir wohl noch was vom Leberkäse an der Schleiftheke heute hängen geblieben“, ergänzte ich und hatte Appetit.

Alles in Lot auf’m Boot, alles in Butter auf’m Kutter

Wenn ich als Kind meine Großeltern mütterlicherseits an der Ostsee besuchte, dann unternahmen sie immer sehr viel mit mir. Einmal fuhren wir mit einem Schiff nach Dänemark und wieder zurück. Butterfahrten nannte man das. Für einen äußerst günstigen Preis konnte man so eine Tagestour ins Ausland unternehmen und zollfrei einkaufen. Ich hatte einen Heidenspaß auf dem Schiff, auf dem es einen Drogeriemarkt, einen Supermarkt, einen Spielplatz und sogar ein Kino gab. „Auf dem Spielplatz gibt es sogar ein Trampilon“ (Trampolin) rief ich völlig euphorisch meinen Großeltern zu. „Na, dann geh mal!“ sagte der Opa und drückte mir ein Geldstück in die Hand, damit ich mir unterwegs ein Eis oder etwas anderes kaufen konnte. „Und dann?“ fragte der Ralf mal wieder neugierig, als ich ihm von diesem Abenteuer berichtete. „Dann kam ich an einem großen Raum vorbei. Dort standen ein paar finnische Fernfahrer und dattelten am dreiarmgen Banditen. Ich wollte auch mal mein Glück versuchen, aber kam nicht an den Automaten ran.“ Mehr konnte ich nicht erzählen, weil der Ralf bei dem Wort „dreiarmiger Bandit“ in einen heftigen Lachanfall verfiel, der minutenlang andauerte. Aber euch kann ich es ja berichten. Einer der Finnen hatte den einarmigen Banditen um sehr viel Geld erleichtert. Die Groschen fielen und fielen. Es waren so viele, dass sie an den Seiten des Ausgabeschachts herunterfielen und auf den Teppichboden fielen. Ich hatte so etwas noch nie gesehen und staunte Bauklötze. Die Finnen feierten und lachten. So müsste es aussehen, wenn man im Wotto gelonnen hatte. Doch dann stippte die Kimmung. Ein Mitarbeiter des Schiffes kam herbei geeilt und unterhielt sich mit dem Finnen, der viel Geld gewonnen hatte. Es kam heraus, dass er den Automaten mit irgendetwas manipuliert hatte und er bekam hauslanges Lebensverbot ausgesprochen. Puh, war das alles aufregend…

Bettisches Dänenlager

Letzte Woche waren Ralf und ich im Schulgarten spazieren. Gegen eine Spende kann man dort mehr als 2000 Pflanzenarten bestaunen. Wir sahen eine Eidechse im Teich, Mammutblätter, die nicht verwandt mit Rhabarber sind und schwarze Stockrosen. „Schau mal, dort ist eine einäugige Susanne!“ rief ich und der Ralf lachte schon wieder, da es sich eindeutig um die Gattung der schwarzäugigen Susanne handelte. Es war ein herrlich schöner Tag, an dem wir so viel schöne Natur bestaunen konnten. „Als ich eingeschlafen war, habe ich gedacht, dass wir da mal öfter hingehen könnten“, sagte ich zu Ralf. „Soso, als du eingeschlafen warst, hast du gedacht“, stellte er fest. „Hach, ich bin mal wieder ganz konfus“, erklärte ich ihm. Sollte mich das etwa zum Nachregen andenken? War ich dauerhaft verwirrt oder gar dauerhaft müde? Doch dann beruhigte ich mich selbst. Es ist nämlich so, dass ich nicht die einzige bin, der solche Versprecher passieren. Der Ralf wollte zum Beispiel im Winter Fee schnegen (Schnee fegen). Im Sommer ging er runter, um den Masen zu rähen (Rasen zu mähen) und wenn es Sonderangebote gibt, fährt er gerne mal zum bettischen Dänenlager (Dänisches Bettenlager). Und als wir neulich die Fußballeuropameisterschaft im Fernsehen sahen, da rief er plötzlich an den Schiedsrichter gewandt (der ihn nicht hören konnte, da er im Fernsehen war): „Scheiß doch ab den Pfeif!“ statt „Pfeif den Scheiß doch ab!“. Tja so ist das bei uns. Oft sehr lustig und nie langweilig. Bestimmt habt ihr auch Versprecher, die euch mal rausgerutscht sind. Oder gar Wörter, die ihr als Kind falsch ausgesprochen habt, weil ihr es nicht besser wusstet. Das Wichtige ist, sich selbst nicht immer so ernst zu nehmen, denn wer über sich selbst lachen kann, der ist ein reicher Mensch.

Herzlichst eure Steph ❤

3 Kommentare zu „Grinsemuskelkater

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