Keine UFOs im Himmel

Liebste Nele,

am Dienstag haben wir deinen Sternengeburtstag gefeiert und da ist soviel Schönes passiert, dass ich es unbedingt aufschreiben musste. Aber alles der Reihe nach. Vor einer Woche hat der Postmann geklingelt und hat uns ein Paket gebracht. Wir haben uns gewundert weil wir nichts erwartet haben und dann haben wir auf den Absender geschaut. Eberhard. Du weißt schon, der Pfarrer, der damals so rührend deine Trauerrede hielt und der zu einem wahren Freund wurde. „Von Gott geschickt!“ sagt deine Oma Biggi stets, wenn wir von Eberhard sprechen.

Du weißt, wie furchtbar ungeduldig deine Mama ist. Schon damals waren die 44 Stunden, die du dir im Kreißsaal Zeit gelassen hast, eine echte Geduldsprobe für mich.

Und dann kam das Paket von Eberhard und seiner wundervollen Frau. Dein Papa stand mit einem Korb frischer Wäsche in der Tür und war gerade im Begriff, diese auf dem Dachboden aufzuhängen. „Jetzt?“ fragte ich konsterniert. Ich mein‘, wie kann man Wäsche aufhängen, wenn da ein nagelneues Paket mit unbekanntem Inhalt vor einem steht? Dein Papa sagte, dass er erst das Unangenehme machen wolle, um sich dann noch mehr auf das Angenehme zu freuen. Das macht natürlich Sinn. „Geht auch schnell!“ sagte er, denn es sei ja nur die Bettwäsche.

Allerdings stand ich nun hibbelig und gespannt wie ein Flitzebogen vor dem Paket und dachte, ich flipp‘ vor Spannung aus. Auf meinen Fingernägeln habe ich rumgekaut, doch weil da Nagellack drauf war, habe ich das schnell wieder gelassen. „Was könnte da nur drin sein?“ habe ich mich gefragt und am Paket gerochen. Da roch nix. Meine heißbegehrten fränkischen „Drei im Weggla“ konnten da also schon mal nicht drin sein. Haha, wie die wohl ausgesehen hätten nach einer Reise von Nürnberg nach Lübeck? Dann hörte ich die Treppenstufen knarren. „Schneller, schneller!“ rief ich laut aus der Küche bis in den Flur. Doch – jetzt halt dich fest – es war gar nicht dein Papa, der da die Stufen runterging. Es war unser 81-jähriger Nachbar, der im vierten Stock wohnt! Oh jemineh. Zum Glück kennt der mich schon lange und besitzt selbst eine ganze Menge Humor. Ich hab indes das Paket geschüttelt, um vielleicht hören zu können, was sich darin befand. Klappte nicht, da klackerte nichts. Dann kam zum Glück dein Papa zurück und endlich, endlich konnten wir das Päckla öffnen. Man soll ja Briefe zuerst lesen, aber ich wollte sofort ran an den Inhalt. Juchuuuh, was da alles zum Vorschein kam. Papayasocken für mich und Burritosocken für Papa. Die waren tatsächlich so zusammengerollt, wie die echten, essbaren Burritos und dein Papa hat spaßeshalber so getan, als ob er reinbeissen wollte. Er fand sie so lustig und schön, dass er sich nicht getraut hat, sie aus ihrer Verpackung zu nehmen. Zum Glück hat er mich. Ich habe von ihm ja bereits in der Vergangenheit den Beinamen „Die Fetzerin“ bekommen, weil ich Geschenke so gerne auffetze. Dann ging es weiter. Mit einem Auge schielte ich auf den Brief und mit einem auf den Inhalt des Päckchens. Besonders eine Zeile des Briefes fiel mir auf. „Die Brause ist für Steph!“ stand da geschrieben. „Juchuuuuuh!“ rief ich erneut und wühlte mich durch all die Sachen. Da sah ich eine wunderschöne Erinnerung an meine Kindheit. Brauseufos. Die kennst du nicht, mein Schatz, denn in deinem Himmel gibt es keine UFOs. Es sind zwei kleine Kreise, die aus Esspapier sind, und darin befindet sich leckeres Brausepulver. Mmmmmhhh. Als ob das nicht schon schön genug gewesen wäre, waren auch noch mehrere Päckchen Ahoibrause darin. Diese kann man sich in ein Glas schütten und Wasser drauffüllen und schon hat man ein buntes Getränk. Ich mag am allerliebsten die mit Himbeer- und Waldmeistergeschmack. Eine Packung Kaugummizigaretten war auch noch dabei. Darauf stand geschrieben: Blase in den Kaugummistick und schau was passiert. Weil ich aber mal wieder viel zu schnell war, habe ich gleich zwei Kaugummizigaretten „gepafft“, da ich dachte, es passiert waswenn ich eine Blase mache. Pfffft, das war wohl nichts. Dein Papa hat mir dann gezeigt, wie es geht und so habe ich staunend zugesehen, wie kleine Dampfwölkchen aus den Zigaretten herauskamen. Das war vielleicht lustig anzusehen. Abends haben wir uns dann die Papaya- und Burritosocken angezogen und ein Foto für die beiden gemacht. Wir haben uns so arg über diese tolle Überraschung per Post gefreut!

Und dann kam dein Geburtstag. Die Kuscheltiere Mutter Hase, die eigentlich ein Schaf ist, Matze MuPS, Schildkröte Schildi, Ernie, Chilli, Ministeph & Miniralf wollten sich einen Heißluftballon bauen, um zu dir in den Himmel zu fliegen. Dazu hatten sie alle unsere Zeitschriften aus dem Korb neben dem Sofa geworfen, sich hineingesetzt und den mit Helium gefüllten Ballon, den dein Papa für dich gekauft hatte, an dem Korb festgebunden. Wir haben gesagt, dass ihr Vorhaben leider nicht gelingt und da waren sie traurig. Da wir uns mit Traurigkeit und Trauer sehr gut auskennen, haben wir sie allerbestens getröstet. Dein Papa hat sie alle dann mit in die Küche genommen, wo sie ihm beim Backen der Regenbogenkekse helfen durften. So viel schöner bunter Teig. Neben den Regenbogenkeksen gab es Herzen aus Teig mit Elfenstaub und Sterne mit Streuseln. Yammi, war das lecker. Dann haben wir buntes Popcorn in Tüten gefüllt, dieses in Wolkencorn umbenannt und haben Kekse plus Wolkencorn bei deinen Großeltern väterlicherseits und deiner Omi mütterlicherseits vorbeigebracht. Deine Papaomi hingegen war schon am morgen heimlich bei uns gewesen und hatte eine Tüte vor die Tür gestellt. Darin waren Brötchen, ein Schokocrossaint, ein Adventskalender, deren Erlöse an ein Frauenprojekt gehen und ein großer Strauß mit weißen und rosafarbenen Rosen. Was für eine Freude. Deine Mamaomi hat auf Facebook geschrieben, wie sehr sie dich liebt und dass du mit den anderen Sternenkindern bestimmt eine tolle Party im Himmel hast, für die sie dir ganz viel Spaß wünscht. Du wirst von uns allen so sehr geliebt, Nele. ❤ ❤

Die Kuscheltierbande wollte dann wieder Heißluftballon fahren spielen und dein Papa und ich haben uns das leckere Schokocroissant geteilt. Am Nachmittag erschien dann sogar ein Regenbogen über unserer Stadt. Erst war ich sehr traurig, ihn nicht selbst gesehen zu haben, aber meine Freundin Jenny hat ihn auf einem Foto festgehalten und mir zu deinem Ehrentag geschickt, ist das nicht toll? Wir sind hier unten auf Erden von so vielen lieben Menschen umgeben. Deine Nelekerze brannte den ganzen Tag und die vielen Luftballons, gefüllt mit Konfetti und kleinen Herzen, tanzten in der ganzen Wohnung herum. Herrlich schön. Abends waren dein Papa und ich ein bisschen kaputt von der ganzen Aufregung. Trotzdem hat dein Papa noch die Weihnachtsbeleuchtung vom Dachboden geholt und in alle Fenster Lichterketten gehängt. Unser Held. Als es dann so richtig dunkel wurde, sind wir mit einer Wunderkerze auf den Balkon gegangen und haben dir zugewunken, hast du uns gesehen? Es war ein großartiger Neletag hier auf Erden und da das Abendrot so unfassbar schön rot leuchtete, sind wir sicher, dass auch du einen einzigartig tollen Geburtstag im Himmel hattest.

Irgendwann sehen wir uns wieder und bis dahin feiern wir dich hier auf Erden immer und immer wieder.

Allerliebste Grüße, Mama & Papa.

3 Kommentare zu „Keine UFOs im Himmel

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