Nele und der Glitzerstaub

Ich wusste nicht. ob wir auch in diesem Jahr wieder einen Wolkenbrief von unserer Tochter Nele Johanna bekommen würden. aber ja. auf unser Kind ist Verlass! 🙂

Liebe Mama, lieber Papa,

ich hatte so viele aufregende Partyvorbereitungen in der Woche vor meinem Geburtstag, dass ich gar nicht wusste, wo ich anfangen sollte. Uroma Gretel hat fluffiges Wolkenbrot gebacken, Kartoffelsalat geschnibbelt und so leckere kleine Himmelsschnittchen vorbereitet. Uropa hat sein Akkordeon gestimmt und Onkel Michael hat die Sterne geputzt, damit sie am Abend meiner Party noch heller als sonst leuchten. Uroma Ilse hat sich ein Tennisspiel angeschaut und gesagt, ich soll mal bei ihr bleiben, denn ich sei so eine hibbelige Hummel, die nie still sitzen kann und am Tag meines Geburtstages würde ich müde sein, wenn ich so weiter machen würde. Hahaha, eine hibbelige Hummel, das fand ich so lustig, dass mir vor Lachen mein Regenbogen-Haarreif vom Kopf fiel und im Kartoffelsalat landete. „Du bist wie deine Mutter“, hat Uroma Gretel gestöhnt und Uropa hat gelacht. Dann habe ich mich tatsächlich kurz zu Uroma Ilse gesetzt und Tennis geschaut. Aber nur, weil sie das gut fand. Zwei Tage vor meinem Geburtstag hat es dann an unserer Wolkenhaustür geklingelt und weil es nicht das normale Klingeln, sondern der Gong vom lieben Gott war, haben wir uns alle sofort zusammen gefunden und aufgeregt an die Hände gefasst. Beim Gong vom lieben Gott wissen wir nämlich, dass wir gleich einen lieben Menschen aus unserer Verwandtschaft bei uns haben würden. Die Tür ging auf und Großtante Bärbel stand vor uns. Uropa und Uroma haben sich so gefreut, dass ihnen die Tränen liefen. Sie haben Bärbel lange umarmt und geküsst und über den Kopf gestreichelt und dann hat Uropa gefragt: „Wo sind denn deine Botten?“, und dann haben sie alle gelacht. Damit ich mitlachen konnte, hat Uropa mir die Geschichte dann nochmal erzählt und die ging so:

Es war 1959 und Bärbel war der Liebling aller Stammgäste in der Jugendherberge von Uropa und Uroma. Sie hat vor allem die jungen Mädchen mit ihrem sonnigen Wesen begeistert. Man riss sich drum, mit ihr spazieren gehen zu dürfen, sie zu füttern, oder auch mal die Windeln zu wechseln . Für Mutti war das eine willkommene Hilfe, denn sie hatte viel zu tun, und es war bestimmt nicht einfach, allen gerecht zu werden. Bärbel wuchs also zwischen „unten“, der Baracke und der „Klörisburg“ auf und unternahm manchmal ganz allein „Expeditionen“ nach oben auf die Burg. Es waren doch eine Menge Stufen, und wie sie das mit ihren zwei Jahren geschafft hat, war uns immer ein Rätsel.

Wenn sie verschwunden war, mussten wir immer erst auf der Burg nach ihr suchen, wo wir sie dann auch meistens fanden. Öfter ist sie dann wieder Barfuß von oben runtergekommen, und auf die Frage „Bärbel, wo sind deine Schuhe?“ gab sie zur Antwort diesen klassischen Satz, den wir alle noch in Erinnerung haben und wohl nie vergessen werden:“Meine Botten sind auf die Burg gegeht, hol sie mal wieder runter!“

Großtante Bärbel hat mir dann erzählt, dass sie schon so viel von mir gehört habe und dass sie sich sehr darüber freue, mich nun endlich kennenlernen zu dürfen. Für die nächsten Tage haben wir uns schon ganz viele tolle Unternehmungen vorgenommen und ich freue mich so sehr darauf, dass es in mir so wunderbar kribbelt.

Ach ja, und dann habe ich eure liebe Freundin Mabel kennengelernt. Sie hat auch gesagt, dass sie schon so viel von mir gehört habe. Liebe Mama, was erzählt ihr denn da unten alles über mich? Mabel ist sooo lieb und sie duftet nach Kaffee und leckeren Keksen. Tausendeinhundert Ideen hat sie und dabei will ich ihr nach und nach helfen. Sie sagte, dass sie 45 Jahre lang im Kinderschutzbund war. 45 Jahre! Da war ich baff. Ich bin ja erst 20 und kann nicht so gut rechnen, aber das ist noch viel mehr, als ich jetzt alt bin und das finde ich superkalifragilistikexpialigetisch! Ich habe sie gefragt, was ein Kinderschutzbund ist, weil ich das zuvor noch niemals nicht gehört hatte, und als sie es mir erzählt hat, fand ich es noch tollerer, dass sie da so lange mitgemacht hat.

An meinem Geburtstagsmorgen war ich von den ganzen Vorbereitungen und den Treffen mit den Neuen so müde, dass ich viel länger geschlafen habe, als ich wollte. Uroma Ilse hatte recht mit dem, was sie sagte. Sie sagt auch oft, ich bin so wie ich bin, weil ich noch so jung war, als ich in den Himmel kam und daher nie erzogen worden bin. Macht ja auch nix, wir lieben uns alle volle Pulle. Und dann war es endlich soweit und meine Party startete. Es gab eine große Torte in den buntesten Farben, ganz viele Wunderkerzen und eine Konfettikanone. Uropa Günter und Großtante Bärbel haben mir ein Himmelsfeuerwerk mit vielen Herzen gezaubert, Uroma Ilse hat mir neue Rollen (mit Glitzer!) für meine Rollschuhe geschenkt und Onkel Michael hat mir tolle Musik aufgenommen. „Wenn du mal wieder auf der Regenbogenroute unterwegs bist, kannst du dir dabei die Lieder anhören“, hat er gesagt. Es gab noch sooo viele tolle Geschenke und wir haben so leckere Sachen gegessen, das glaubt ihr nicht. Uromas Himmelschnittchen sind einfach die allerbesten.

Erst abends hatte ich ein wenig Zeit, durch’s Wolkenfenster zu gucken und euch zu sehen. Jetzt, wo ich 20 Jahre alt bin, darf ich alleine durch das Fenster gucken, vorher wollten Uroma und Uropa das nicht, denn sie sagten, dass man manchmal Dinge sieht, die nicht so schön sind. So ganz alleine wollte ich dann aber doch nicht durchs Wolkenfenster gucken und so habe ich mir die liebe Mabel dazu geholt. Von ihr bekam ich übrigens einen MuPS geschenkt. Sie sagt, ihr wüsstet schon, was das ist. Mein MuPS heißt Anton Apfelkeks, denn die MuPS-Mama Mabel duftet immer so danach. Herr Apfelkeks sitzt auf meinem Bett und wartet auf mich, wenn ich mit meinen neuen Rollschuhrollen durch die Gegend flitze. Mit Mabel saß ich also auf der Wolke und schaute durch’s Fenster nach unten. Da sah ich euch beiden vor meinem irdischen Geburtstagstisch sitzen und ja Mama, ich habe all den Glitzer in deinem Gesicht gesehen. Danke für den wunderschönen Tag auf Erden, eure tollen Gedanken und all die Liebe. Ich küsse euch und wenn ihr „bei Nacht den Himmel anschaut, dann wird es euch sein, als lachten alle Sterne. Weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Und nur ihr alleine werdet Sterne haben, die lachen können.“ (Antoine de Saint-Exupéry)

Unsere liebste Nele, unser Sternenkind,

als wir an deinem Geburtstagsmorgen in den Himmel schauten, war der Wolkenvorhang noch zugezogen. Wir haben uns gewundert und dachten, entweder hast du länger geschlafen oder wir sollten nichts von deinen Partyvorbereitungen wissen. 😉

Dein Papa hat dir aus Pappe und leeren Klorollen eine 20 gestaltet, die sieht sooo schön aus. Als er dann im Badezimmer war, um sich für unseren Nele-Tag zurecht zu machen, habe ich die tolle 20 auf dem Balkon mit Goldfarbe angesprüht. Und weil mir das nicht reichte, bin ich auf leisen Sohlen ins Arbeitszimmer zum Bastelschrank gegangen und habe dort die Dose mit dem Goldglitter geholt. Wenn der Goldlack noch feucht ist, klebt der Glitzer besser, habe ich gedacht. Du kennst ja deinen Papa, er ist der liebste, toleranteste, netteste, für jeden Quatsch zu habende Mensch, den ich kenne, aber beim Thema Glitzer zuckt sein Augenlid immer ein wenig. Denn wenn man Glitzerstaub benutzt, dann ist der wirklich überall. Nun gut, er war im Badezimmer und ich dachte, er würde es ja gar nicht merken. Schließlich wäre ich dieses Mal vorsichtiger. Hmmmhhh. Ich habe die Glitzerstaubdose über die liegende 20 gehalten und dann kam schwuppsdiwupps plötzlich eine ganze Ladung Glitter heraus. Den habe ich schnell weggepustet, doch weil die Balkonbrüstung vom Regen am Vormittag noch etwas feucht war, blieb der Glitzer genau dort hängen. Und nicht nur das: Eine Windböe kam auf und hat das Glitzerzeug dann noch einmal überall verteilt. Weil dein Papa just in diesem Moment aus dem Bad kam, habe ich die glitzernde 20 sofort herein geholt und habe die Balkontür geschlossen. Als ich dann im dunklen Bad (wir sparen gerade Energie) stand, um mich einzucremen, fand ich es komisch, dass sich meine Haut plötzlich so krümelig anfühlte. Dann habe ich das Licht angemacht und… oh jemineh, ich war im ganzen Gesicht völlig glitzerig! Je mehr ich rieb, desto mehr verteilte sich das Zeug überall in meinem Gesicht. Ich musste mich dann allerdings beeilen, denn dein Papa und ich wollten einen Ausflug machen. Eigentlich wollten wir an der Steilküste spazieren gehen, aber der Tag war eher verregnet, deswegen entschlossen wir uns, einen Bummel durch ein Shoppingcenter zu machen.

Es war toll durch die Spielzeugabteilungen und die vielen Geschäfte zu gehen. Dein Papa hat eine riesengroße Packung Toblerone aus einem Regal gezogen und so getan, als könne er sie kaum tragen. Da musste ich so lachen. Später fand er in der Abteilung für Weihnachtsbaumschmuck einen Six-Pack von Beck’s Bier, das er gerne trinkt, aber ich sagte ihm, dass so was nicht an den Baum gehört. Wir hatten sehr viel Spaß im Shoppingcenter und haben dafür einen Tag Urlaub bei der Lübecker Flüchtlingshilfe genommen. Es war unser erster Urlaubstag, seitdem wir dort im März angefangen haben, ehrenamtlich zu arbeiten. Was Ehrenamt bedeutet, kann dir sicher die liebe Mabel erzählen, die kennt sich damit gut aus. Es freut und sehr, dass du nun auch einen MuPS hast und das Bärbel nun bei euch allen ist.

Deine beiden Omas haben dich an deinem Ehrentag mit Liebe bedacht. Von Oma Helma bekamst du 20 duftende Rosen geschenkt und der Porzellanengel deiner Mama-Oma steht jedes Jahr auf deinem Geburtstagstisch. Papa und ich haben uns dann noch Schaumküsse und Brötchen geholt, damit wir an deinem Geburtstag „Matschbrötchen“ essen können. Außerdem gab es Muffins mit bunten Smarties, Toffifee-Herzen und ganz viel Wunderkerzenglitzer. Die Leute im Shoppingcenter haben mich alle angestarrt, weil ich im Gesicht so glitzerte, aber das war mir egal. Ich bin heute eine Sternengeburtstagsmama, da darf das so sein, habe ich mir gedacht und dein Papa sagt, dass er mich genau für so was unendlich liebt. Du siehst, wir haben deinen Geburtstag am vergangenen Mittwoch mit ganz viel Liebe gefeiert und wir wissen immer, wo du bist, mein Schatz.

In unfassbarer Liebe, deine Eltern ❤

6 Kommentare zu „Nele und der Glitzerstaub

  1. Wie schön du das wieder geschrieben hast liebe Steph. Ich kann alles mitfühlen. Und ist die Bärbel nicht die Tante mit dem Hund und die so schlecht behandelt wurde von der Schwester? Dann ist sie jetzt befreit und das ist schön, dass sie nicht mehr so alleine ist. Liebe Grüße in den Norden

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  2. Liebe Steph, da hattet Ihr alle einen schönen Tag, ich freue mich. Natürlich rührt es mich immer über Nele zu lesen, aber die Vorstellung, dass alle dort zusammen sind und es ihnen gut geht, ist so schön. 🙂

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