Klebrige Erdbeeren

Es ist der 1. April 2019 und die Sonne scheint.

Nachdem wir die Wohnung eines Frühjahrsputzes unterzogen haben, finde ich, dass es Zeit wird, meinem Gesicht auch ein bisschen mehr Pflege zu gönnen. Am liebsten bin ich dabei allein, denn Ralf kommentiert mir dabei zu viel. Dabei ist es meist nicht das, was er sagt, sondern wie er mich anschaut. Er muss bei all dem oft so lachen.

Es war vor einiger Zeit, da hatte ich meine naturroten Haare mit ein wenig Henna aufrischen wollen. Wer schon mal mit Henna experimentiert hat, der weiß, dass man dazu mit Wasser eine Pampe anrühren muss, die anschließend aussieht wie der Stuhlgang eines Babys. Auf den Kopf gestrichen trocknet das Ganze dann, bis man es wieder auswäscht. Das dauert allerdings bis zu einer Stunde oder mehr. Ralf sah mich aus dem Bad kommen, schaute mir auf das Haupt und konnte fast nicht mehr vor Lachen. „Du siehst aus wie der Mann von Barbie, wie heißt der noch gleich?“ „Ken“ grummelte ich und schaute mich noch mal im Spiegel an, ob ich tatsächlich aussah wie ein Kerl mit Plastikfrisur. Da hatte Ralf schon längst einen neuen Vergleich, denn nach seinen Angaben könnte ich auch als lebendige Playmobilfigur durchgehen.

Bei der Peelingmaske, welche man sich nach einer Einwirkzeit von ca. 15 Minuten als Ganzes vom Gesicht zieht, ist es fast genauso. Da schleicht sich mein lieber Mann oft vor der Badezimmertür herum, um nur nicht den Moment zu verpassen, an dem ich mir das Zeug vom Gesicht pelle. Durch den halb geöffneten Türschlitz schaut er dann grinsend und fasziniert zu, wie ich mein Gesicht wechsele, als sei ich eine Alienfrau. Oder Barbie.

Irgendwie hat er ja recht. Das Zeug, das ich da im Schrank habe, ist wirklich oft sehr komisch. Ich weiß noch, wie ich ein Duschpeeling benutzte, welches (wie so oft) braun war. Wir hatten abends Gäste zu Besuch und die Wohnung war frisch geputzt. Alles war fertig. Das Essen stand im Ofen, die Getränke waren kaltgestellt, die Musikanlage spielte groovende Lieder und der Tisch war schön dekoriert. Da musste ich rasch noch zur Toilette. Was für ein Glück kann ich nur sagen, denn sitzend schaute ich Richtung Dusche und dachte, da hätte jemand sein „großes Geschäft“ drin verrichtet. Kleine braune Peelingkügelchenreste lagen weit verstreut in der Nasszelle herum und sahen dabei nicht appetitlich aus. Also schnell noch mal den Putzschwamm aus dem Versteck geholt und im schicken Abenddress die Dusche gewienert.

Und wie war das mit der Maske mit Aktivkohle für’s Gesicht? Im Ernst, ich sah nach dem Auftragen aus, als hätte ich in einen vollen Aschenbecher gehustet. Von der Goldmaske, die ich mir mal für wenig Geld in einem Discounter kaufte, mag ich fast gar nicht mehr reden. Weil ich selbst Schuld bin. Wer kauft so etwas schon in einem Markt, der Deko für die Wohnung anbietet? Ich gebe zu, es sah schön aus, dieses Gold. Aber auch nur beim Auftragen. Danach sah ich aus wie ein Bankräuber, der sich eine Feinstrumpfhose über’s Gesicht gezogen hätte. Mein mit Gold überzogenes Gesicht war zu keiner Mimik mehr fähig.

Ich dachte, wenn mir jetzt ein Nieser entwischt, fällt mir das Gesicht ab. Es tat weh, spannte und hinterließ bei mir nicht das Gefühl der sanften Reinigung. Das war der Moment, an dem ich froh war, dass Ralf mal wieder in der Nähe des Bades war, denn ich bekam das Zeug auch nicht mehr alleine herunter. „Warte, ich hole einen Putzschwamm!“, rief Ralf und ich rief ihm bei seinem Gang in die Küche hinterher, dass er doch besser einen Akopad (Stahlreiniger) mitbringen sollte. Anschließend sah ich aus, als hätte ich die Röteln, Masern oder Windpocken gehabt. Die Aloe Vera auf der Fensterbank brachte schnell Linderung und zum Glück erwarteten wir an diesem Tag keinen Besuch.

Was soll eigentlich dieser ganze Mist? Mizellenwasser, welches mittlerweile nicht mehr nur die Haut, sondern auch die Wäsche reinigt. Was sind Mizellen, wo wachsen die und warum sind die so toll? Ist das so wie mit den Cerealien, die im Kindersnack zu finden waren und bei denen auch keiner wusste, was es damit auf sich hat?

Ich kann mir auch zwei Ingwerknollen in die Ohren stopfen und daran glauben, dass nun mein Hals straffer wird. Blödsinnskram, wenn ihr mich fragt. Aber mich fragt ja keiner. Leider. Denn dem Hersteller von Hygieneartikeln hätte ich gerne mal geschrieben. Was bringt mir eine flexible Slipeinlage, wenn sie mir nach dem Sport statt in der Hose in der Kniekehle klebt? So flexibel wollte ich sie jedenfalls nicht haben!

Und wo ich schon beim Thema bin. Sehr gerne hätte ich auch eine Bodylotion, die nicht duftet, als hätte ich mir einen Smoothie über den Körper gekippt. Nicht, dass ich nicht gern gut dufte, aber was da heutzutage alles drin ist, ist mir echt zu viel. Orangen-Litschis-Erdbeer-Zeugs mit Himbeeraroma. Ich will keinen Cocktail kreieren und keinen Cupcake backen. Ich will einfach nur duschen und mich danach nicht so klebrig, honigsüß fühlen. Denn eines ist gewiss, honigsüß bin ich bei weitem nicht.

Zum Glück habe ich eine Mutter mit gutem Geschmack und eben so viele Freundinnen, die mir ab und an ganz tolle Produkte schenken. Ein bisschen Kokosfrische hier, ein dezenter Duft da und schon ist die Welt wieder um eine sich wohlfühlende Frau reicher. Es könnte so einfach sein…

Lasst es euch gut gehen

Herzlichst

Steph

12 Kommentare zu „Klebrige Erdbeeren

  1. Danke Steph für die klebrigen Erdbeeren – habe ich gelacht. Freue viel mehr zu lesen. Ein Blog ist für mich viel einfacher als Facebook.
    So schön dass du est gemacht hat
    LG
    Ragnhild

    Gefällt 1 Person

  2. Endlich ist es so weit Stephilein. Freue mich riesig über Deine „Alltagserlebnisse“….😘

    Klebrige Duschgels bzw Körperlotionen braucht wirklich kein Mensch aber die Geschichte dazu schon…..😂

    Schwäbisches Grüssle von MICHI

    Gefällt 1 Person

    1. Viela Dank für dai Lob ond liebschde Grüße no Schwaba. Gell, da schaust, liebe Michi. Habe den deutsch/schwäbisch-Translator benutzt um dir eine kleine Freude zu machen. Fühl dich liebst gedrückt. ❤

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  3. Ja Steffi, dass ist toll, was du hier schreibst. Ich hoffe ich sehe, bzw. kann ich no ch viele deiner Geschichten lesen.
    Es gefällt mir sehr gut, und man kann sch in dein Leben versetzen.
    LG Gudrun

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