Bügelperlen & Blödsinn

An spaßmachenden Beschäftigungen daheim mangelt es mir nicht. Und Ralf, der sich sonst immer von mir mit den Worten „Keinen Blödsinn machen!“ verabschiedet, ist vermutlich froh, dabei zu sein, wenn ich mal wieder mit Dingen experimentiere.

Das war unsere Woche:

Am Montag haben wir nach dem Aufstehen zwei Elstern in einem Baum beim Liebe machen gesehen.

„Auf einem Baum!“ habe ich gerufen und Ralf meinte: „Wo denn sonst?“ „Also ICH würde nicht auf einem Baum Liebe machen wollen“, sagte ich und Ralf meinte, dass ich ja auch kein Vogel wäre. Hmmmm, da hat er Recht. Ich bleibe in regelmäßigen Abständen mit dem Ärmel meiner Kleidung an Türklinken hängen, trete nachts gerne mal barfuss auf eines meiner spiralförmigen Haargummis, die neben meinem Bett liegen und hatte neulich mein Oberteil falsch herum an. Insofern sollte ich über Liebe machen auf einem Baum wohl eher nicht nachdenken. Jeder macht, was er am besten kann.

Wir haben dann frühstücken wollen und als ich den Kühlschrank öffnete, sah ich einen einsamen Schokopudding mit Vanillesauce dort stehen. Drei seiner Freunde hatte ich vor Tagen schon vernascht und diesen einsamen Gesellen alleine gelassen. Wie konnte ich nur so grausam sein? Ein Blick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum verriet mir, dass „Schoki“ leider schon seit längerem überfällig war. Nur zum Verständnis: Ich bin keine, die deswegen panisch wird und Lebensmittel deswegen nicht mehr isst. Aber wegen einer chronischen Darmerkrankung meide ich aus Milch bestehende, zwei Wochen über dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehende Lebensmittel dann doch. Schokopudding zum Frühstück – ich lachte in mich hinein, denn mir kam das Lied in den Sinn, in dem es um Himbeereis im Fahrstuhl und Bananen im Haar oder sowas ähnliches geht. Eine Wurst im Kühlschrank ließ mich schließlich die Traurigkeit über den armen kleinen vergessenen Schokopudding vergessen. Diese spezielle Wurst gibt es nur in der Region, in der ich geboren wurde und die ist weit weg. Also die Region, nicht die Wurst. Die hat mir eine meiner besten Freundinnen zum Geburtstag in einem Paket geschickt, wohlwissend, dass ich ständig rumjammere, weil es hier im Norden Deutschlands keine „Ahle Wurscht“ zu kaufen gibt. Ralf ernährt sich seit 30 Jahren vegetarisch, deswegen ist die Wurst tatsächlich nur für mich. Nach dem Frühstück habe ich Vogelfutter für unsere gefiederten Freunde auf dem Balkon ausgelegt und musste schon wieder lachen, weil in meinem Kopf manchmal so komische Gedanken umherkreisen. Manche Menschen rauchen nach dem Sex, was machen Elstern danach wohl gerne? An einem Zweig knabbern oder sich umdrehen und schlafend stellen? Auf einem Baum?

Ralf hat dann die mit Saat ausgelegten Blumenkästen in unserer Wohnung mit einem Wasserdingselbumsel bestäubt und ich habe den Fernseher angeschaltet, um Neuigkeiten über den Coronavirus zu erfahren. Anschließend habe ich die Ärmel hochgekrempelt, um neuen Blödsinn zu planen, wie Ralf es wohl ausdrücken würde. Was macht man, wenn man nun zu Hause bleiben soll? Unterlagen sortieren, den Dachboden oder Schubladen aufräumen? „Ich will mal wieder was mit Bügelperlen machen!“ rief ich Ralf begeistert zu und rannte in das Zimmer, in dem meine vielen Bastelsachen stehen. Noch während ich mit meinem Ärmel in der Türklinke hängenblieb und somit ausgebremst wurde, fiel mir ein, dass ich ja keine Bügelperlen mehr habe. Es war nämlich vor einiger Zeit, als ich die mit (gefühlt) 1000 Stecker/Bügelperlen befüllte Schachtel in das Bastelregal zurück stellen wollte und dafür keinen Platz fand. Komisch. Ich hatte die Schachtel doch vorher auch aus dem Regal nehmen können, warum passte sie denn nun nicht mehr hinein? „Das…muss…doch…passen!“ stöhnte ich und stopfte die Kiste in eine kleine Lücke des Regals. Schnell den Vorhang zu und hoffen, dass nichts passiert. Als ich dann im Badezimmer stand, hörte ich, wie die Kiste mit den vielen Perlen den Gesetzen der Physik folgte und ganz unverschämt rasselnd zu Boden fiel. Ich habe die Bügelperlen dann alle in eine Glasschüssel getan, mit einer anderen Glasschüssel beschwert und in den Backofen bei einer Temperatur von 100 Grad gestellt. Schon hatte ich eine neue bunte Schüssel und keine Steckerperlenaufräumproblem mehr. Ich hab dann kurzerhand für diesen Tag ein paar Ideen für die nächsten Tage aufgeschrieben.

Am Dienstag waren die Elstern auf unserem Balkon und haben gierig das Vogelfutter in sich hinein gestopft. Ralf hat Schokopudding auf die Liste geschrieben und ist Einkaufen gefahren. „Keinen Blödsinn machen!“ rief er, als er ging. Ich habe mir dann überlegt, was für fantastische Ideen ich als Kind hatte. Da wurde ein simpler Karton mit Wachsmalern bemalt, Fenster und eine Tür ausgeschnitten und zu einem Wohnhaus umfunktioniert. Aus alten Küchentüchern bastelte ich mir Gardinen und wer zu Besuch kommen wollte, der musste klingeln. Dazu hatte ich eine Metallschüssel und einen Löffel bereitgestellt. Und als wir einen neuen Teppich bekamen, musste die große, längliche Papprolle unbedingt aufgehoben werden, denn mein Bruder und ich ließen seine Matchboxautos dort durchrutschen. Erinnert sich noch jemand mit mir an die großen Waschmittelverpackungen der 80er Jahre? Wir hatten eine solche Pulver-Trommel von Omo. Als diese leer war, habe ich sie umgedreht und mich oben drauf gesetzt. „Ich bin eine Königin und das ist mein Thron“, sagte ich zu meiner Mutter. „Es gibt gleich Abendessen“, sagte meine Mutter und deckte den Tisch. Dann kam mein Bruder ins Wohnzimmer. „Ich bin eine Königin und….“ leider kam ich nicht dazu, meinen Satz zu vollenden. Zu schwer für den dünnen Boden der Trommel plumpste ich mit dem Po voran in die Trommel hinein und hing da für einen Moment in einer sehr misslichen Lage. „Die Königin braucht Hilfe!“ rief ich aus der Röhre hinaus. Meine Beine baumelten aus der Tonne, der Rest meines Körpers war in dieser gefangen. „Vergesst mich nicht, ich bin die Königin!“ rief ich nochmals und wurde schließlich von meinem Bruder aus meinem Turm befreit. Selten war uns langweilig, weil man aus allem etwas Tolles machen konnte. Ich spielte Monopoly mit mir als Gegnerin und fand es toll,weil ich immer gewann. Auf den großen Legoplatten meines Bruders errichtete ich ein tolles Haus direkt neben dem Fernsehtisch im Wohnzimmer. Immer größer und breiter wurde das tolle Haus und wie der Flughafen in Berlin wurde es nie fertig. Ich bräuchte Wasseranschlüsse und eine Hausnummer und Treckerreifen, in die man Sand füllen könnte, damit die Legokinder vor dem Haus eine Sandkiste hätten. Zum Glück fiel mir da das tolle große Legoauto meines Bruders ein. Es hatte Bremsschläuche, vier Räder, eine Rallyenummer und bestand bestimmt aus über hundert Legosteinen. Er hatte es zu Weihnachten bekommen und Tage gebraucht, um es zusammenzubasteln. Ich brauchte fünf Minuten um es in seine Einzelteile zu zerlegen. Endlich hatte mein Haus eine Hausnummer, Wasseranschlüsse durch Schläuche und eine Sandkiste. Perfekt. Mein Bruder war ziemlich sauer, aber weil ich eine Königin war, verbat ich ihm, mit mir zu schimpfen.

Am Mittwoch sagte Ralf, dass die Elstern sich ein Nest im Baum bauen. Wer Elstern kennt, der weiß, dass sie sich ein Hochhausnest zurechtnesteln. „Und das alles ganz ohne Lego“, sagte ich beeindruckt.

Dann habe ich die Sendung mit der Maus geschaut. Die läuft seit der Coronakrise nun täglich um 11:30 Uhr im deutschen Fernsehen, damit die Kinder, die nun zu Hause bleiben müssen, nebenbei was Schönes lernen. Danach war ich auf der Internetseite der Maus und habe Ralf und mir „Shaun das Schaf“-Masken ausgedruckt. Zusammen saßen wir dann im Wohnzimmer und haben ausgeschnitten, geklebt und Gummibänder dran gemacht. Anschließend haben wir lustige Fotos von uns gemacht und herrlich gelacht. Ralf hat gesagt, jetzt wo er das Gummiband gerade zur Hand habe, könne er meiner geringelten „Lieblingszuhausebleibehose“ mal ein neues Gummiband im Bündchen einfädeln, denn die Hose rutscht immer so.

Am Donnerstag waren die Elstern weiterhin mit den Bau ihres Hochhausnestes beschäftigt. Das war mir aber egal, denn ich hatte meine eigenen Probleme. Meine Lieblingszuhausebleibehose passte mir plötzlich nicht mehr. Völlig erschrocken dachte ich sofort daran, dass zu wenig Bewegung und der Schokopudding daran Schuld seien. Dann fiel mir allerdings zu meinem großen Glück ein, dass Ralf ja am Vortag ein neues Gummiband eingebaut hatte und ich war sofort sehr erleichtert. Wir haben Osterhasen aus Kaffeefiltern gebastelt. Mit Zähnen aus Wattestäbchen. Später sind wir spazieren gegangen und abends haben wir ein paar Spiele herausgeholt. Wir haben ein Monopolyspiel mit einem batteriebetriebenen Automaten und Geldkarten, damit da keine Schummelei aufkommen kann. Trotzdem haben wir uns gestritten, weil Ralf bei diesem Spiel weder Freund noch Feind kennt. Wie ein Immobilienmogul besitzt er nach kurzer Zeit alle wichtigen Straßen und bietet mir unverschämte Deals an. Zum Glück haben wir noch Mr. Pups in der Spielschublade, dieses Spiel hat uns sofort wieder versöhnt und zum Lachen gebracht.

Am Freitag haben die Elstern schon wieder Liebe im Baum gemacht. Und das, obwohl das Haus noch nicht mal fertig ist. Es ist so schön anzusehen, wie eifrig sie kleine Äste in ihren Schnäbeln herbeitragen, um ihr Nest aufzubauen. „Ich würde ihnen so gerne helfen“, sagte ich zu Ralf und er meinte, dass die Natur sich stets selber hilft und uns nicht zwingend braucht. Da hat er wohl recht. Wir haben leere Toilettenpapierrollen angemalt und daraus kleine Häschen gebastelt. Ich glaube, wir hatten noch nie soviel selbstgebastelte Osterdeko wie in diesem Jahr. Zu Hause zu bleiben, um andere nicht anzustecken bzw. sich selbst nicht mit dem Coronavirus zu infizieren, fördert unsere Kreativität ungemein. Ihr dürft also gespannt sein, was uns noch so alles einfällt. 😉

Habt alle eine gute Zeit. Bleibt gesund und fühlt euch virtuell herzlich gedrückt. Steph ❤

4 Kommentare zu „Bügelperlen & Blödsinn

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s