Respekt vor Erzieherinnen

Es war ein ganz normaler Arbeitstag für mich im Kindergarten. Lisa weinte mal wieder, als sie gebracht wurde und ihre Mutter ließ sich davon anstecken. Ich wusste gar nicht, wen ich zuerst trösten sollte, entschied mich dann aber für’s Kind. Es war jeden Morgen das gleiche Spiel: Lisa weinte, die Mutter auch und zehn Minuten, nachdem die Mutter gegangen war, hatte Lisa alles vergessen und spielte mit Hingabe in der Puppenecke. Wie immer schrieb ich der Mutter eine SMS, dass nun alles okay war und überlegte, wo im Raum die Webcam angebracht werden könnte, um weinende Eltern zu beruhigen. Schon oft hatte ich ihr erzählt, dass die Tränen ihres Kindes von einer guten Bindung zwischen Mutter und Kind zeugt und ihr erzählt, dass ich als Kind wochenlang so sehr gebrüllt hatte, dass ich erst ein Jahr später den Kiga wieder besuchen durfte. „Und sehen Sie mich an – sehe ich traumatisiert aus?“

Dass ich nur deswegen Erzieherin werden wollte, weil ich dann die Bestimmerin sein durfte, konnte ich ihr ja schlecht erzählen. Als Vierjährige saß ich im Schneidersitz auf der Turnmatte und sah meiner Erzieherin Frau O. begeistert zu, wie sie mit dem Tamburin den Takt angab und DAS wollte ich auch! Ralf hat mir zu meinem Examen übrigens ein Tamburin geschenkt, welches ich nie wieder aus der Hand gegeben habe…

Zurück zu meinem Alltag: Die Bringzeit war immer das Schlimmste, denn wie eine Serviererin einer bajuwarischen Kneipe musste ich mir die vielen Aufträge der Eltern immer gut merken. Luca sollte den Kirschjoghurt zum Frühstück und die gewürfelten Aprikosen erst am Nachmittag essen. Anna würde heute von der Oma abgeholt werden und ich sollte nicht vergessen, ihr die Matschhose mitzugeben – die Oma ist immer so vergesslich…. Marie solle heute nicht zum Englischunterricht gehen und Tom daran erinnert werden, öfter das Klo aufzusuchen – seit einiger Zeit macht er wieder in die Hose. Florian hat die Anmeldung für das Sommerfest in der Brottasche und Lena hatte nach dem letzten Turntag die falsche Unterhose an (zum Glück nicht meine!). Marlons Mutter brauchte noch den Liedtext für den Opa-Oma-Tag, Sarahs Vater wollte das Essensgeld bei mir bezahlen und Tinas Mutter fragte, warum die Fotos vom letzten Ausflug noch nicht draussen an der Pinnwand hingen. Lara dürfte heute nur bis 13:00 Uhr schlafen, weil sie früher abgeholt werden würde…und so weiter.

Aus Gründen wie diesen haben wir Erzieherinnen die „Schließzeiten“ erfunden. Um 9:00 Uhr ist Ende mit dem Theater, und wer bis dahin sein Kind nicht gebracht hat, steht vor verschlossener Tür. Weil Erzieherinnen eben Erzieherinnen sind, wollen sie ihrem Bildungsausftrag nachkommen und Ruhe vor den Eltern haben. Wer um 9:15 klingelt, wird erleben, wie eine erwachsene Betreuerin die Mutter durch die Glasscheibe anguckt – 30 Sekunden lang mit den Augen rollt (muss gut sichtbar für die Eltern sein) und dann mit einem lauten Seufzer den Schalter zur Türöffnung drückt.

Inzwischen war es 9:05 Uhr und ich konnte mich um „meine“ Kinder kümmern. Wie immer begannen wir damit, im Stuhlkreis zu sitzen, das am Wochenende Erlebte zu besprechen, Lieder zu singen, ein bis zwei Spiele zu spielen und aufzuteilen, wer anschliessend in die verschiedenen Ecken (Puppen,- Kuschel,- Bau-) geht.

Der Stuhlkreis erfordert logistische Kenntnisse: Lars darf nicht neben Gustav sitzen, denn die beiden plaudern dann und hören nicht zu. Ebenso darf Carola nicht neben Lisa Platz nehmen, denn dann gibt’s nach fünf Minuten den ersten Zoff. Carla neben Laura geht auch nicht, denn Carla liebt den gepflochtenen Zopf ihrer Freundin so sehr, dass sie ihn immer streicheln möchte, was hingegen Laura nicht mag. Und wie schon seit hundert Jahren ist der Platz neben der Erzieherin immer eine Art Strafe. Ich hatte mich in den Jahren daran gewöhnt (schnief!).

Die Aufteilung über die verschiedenen Spielecken war mir immer sehr wichtig, denn ich selbst durfte in den zwei Jahren meiner eigenen Kiga-Zeit nie in die Bauecke. Das war das Refugium der Jungs. Die Kinder trollten sich in die verschiedenen Ecken und ich begann damit, mit der sozialpädagogischen Assistentin (Kinderpflegerin) Schablonen für die Muttertagsgeschenke auf Fotokarton aufzuzeichnen. Kaum saß ich, klingelte das Telefon. Es war Toms Mutter, die gerne mit ihrem Sohn sprechen wollte. Von ihm wollte sie nämlich wissen, ob er lieber von seiner Cousine, der Oma oder ihr abgeholt werden möchte. „Da ist bald ein Elterngespräch fällig!“, zischte ich der Kinderpflegerin zu, während ich mit einer Hand den Hörer zuhielt und mit meinen Augen den Raum nach Tom abscannte. Völlig aus seiner aufregenden Spielsituation gerissen musste Tom nun wie ein „Großer“ mit seiner Mutter klären, wer ihn abholen durfte. Der Vater des Jungen ist als Ingenieur oft in der Welt unterwegs und somit selten zu Hause. Ich hatte schon öfter erlebt, wie die Mutter ihrem Kind Entscheidungen aufdrückte, die eher einem Ehemann zustanden und keinem Fünfjährigen. Darüber hinaus habe ich – auch mit anderen Müttern – schon das ein oder andere Gespräch gehabt, in dem es genau um so etwas ging: „Ab wann entscheidet ein Kind und womit sind die Kinder überfordert?“

Unvergessen die Situation, als Julian von seiner Mutter gebracht wurde und beide zwanzig Minuten (ich übertreibe beileibe nicht!) vor der Gruppentür diskutierten, an welchem Tag sich Julians Mama für den Laternen-Basteltag einschreiben soll. Dummerweise hatten wir drei Nachmittage angeboten – ein Zustand, der sich DANACH nie wiederholen sollte. Ich habe sie noch heute im Ohr, wie sie mit leiernder Stimme ihren Sohn fragte: „Juuuuliaaaan? Für welchen Tag soll die Mama sich denn zum Laterne basteln eintraaaaaagennnnnn?“ Ich behaupte ja immer noch, dass es keine Boshheit von ihm, sondern einfach die Wut darüber war, dass seine Mutter ihn sowas fragte, weshalb er zu jedem der von ihr vorgelesen Termine „Nöö!“ sagte und mit dem Fuß gegen ihre Wade trat. Er war das erste Kind der Frau und wie gerne hätte ich ihr mal gesagt: „Das ist ihr Erstgeborener? Na dann herzlichen Glückwunsch, wenn er zum Pubertier wird!“

Sie hätte dann vielleicht gefragt, wie ich das meine und vermutlich hätte ich gesagt: „Partizipation schön und gut, aber wo ist die Grenze? Fragen Sie Ihren Sohn auch, ob Sie jetzt bei ARAL oder SHELL tanken – oder was sie bei der nächsten Bundestagswahl ankreuzen sollen? Wird er abends gefragt, ob es okay ist für ihn, ins Bett zu gehen und lassen Sie ihn beim Einkauf entscheiden, was er gerne zum Mittag auf dem Tisch haben möchte?“ Dann hätten wir beide geschwiegen – wohlwissend, dass die letzte meiner Fragen den Tatsachen entsprach. Wie aber sollte sie einem Kind das mit dieser Erziehung – IMMER Mitspracherecht zu erhalten – plötzlich die Klappe halten, wenn es darum geht: „Wann kommst du nach Hause?“, „Findest du, dass Zementa-Schayenne die richtige Wahl als Freundin für dich ist?“, „Meinst du wirklich, dass du Nacht für Nacht mein Auto nutzen und den Tank leer fahren kannst?“

Meine Devise: Eltern müssen Eltern bleiben! Kinder sind keine kleinen Partner und sie müssen sich darauf verlassen, dass WIR in den ersten und nächsten Lebensjahren Entscheidungen für sie treffen, weil wir diese Entscheidungen für wichtig halten. Da gibt es für mich keinen Spielraum und das macht uns glaubwürdig. Warum wird Julian immer wieder (unbewusst) aggro? Weil seine Mutter nicht standhaft ist und ihn mit ihrem Wischiwaschi verunsichert.

Zurück zum damaligen Tag:

„Wir müssen mal auf die Toilette!“, sagten Marie und Anna und auch ein so selbstverständliches Vorhaben muss eine Erzieherin immer im Hinterkopf haben. Zu zweit auf Toilette heißt nämlich meist übersetzt: „Wir müssen mal dringend Quatsch machen und im Badezimmer siehst du uns ja nicht, liebe Stephi!“ „Aber klar, geht nur.“, sagte ich milde und behielt den Weggang der Beiden im Hinterkopf. Eine Armabanduhr ist da sehr hilfreich. Soll heißen: Bevor die beiden gingen, schaute ich auf die Uhr. Fünf Minuten Abwesenheit waren unbedenklich, alles was darüber hinaus geht, ist wie heiße Milch auf dem Herd. Man weiß nie, wann es überkocht. Ich wollte mich gerne wieder um die Schablonen der Muttertagsgeschenke kümmern, aber das Telefon klingelte erneut und der Lieferant für das Mittagessen teilte mir mit, dass er an diesem Tag nicht pünktlich liefern konnte und das Essen daher eine halbe Stunde später käme. Während ich noch am Hörer hing und mir überlegte, welche Konsequenzen das hätte („Lara brauche ich dann gar nicht erst zum Schlafen hinlegen.“), hämmerte eine Kinderhand mir unentwegt auf den Allerwertesten.

Lieber Leser/liebe Leserin, du wirst nun das Geheimnis erfahren, warum viele Erzieherinnen so knackige Hintern haben: Wenn wir mit dem Rücken zu einem Kind stehen, ist der Po das einzige, wo Kinder mit ihrer Hand herankommen. Der Hintern wird also am Tag mehrere Male ordentlich durchgeklopft. Das ist zwar förderlich für die Durchblutung, allerdings muss man auch die Codes verstehen. Lahmes Klopfen bedeutet meist „Mir ist langweilig.“, schnelles Klopfen heißt „Der Martin hat gerade das Puppenbaby in den Backofen gesteckt!“ und hektisches Klopfen meint oft einen Notfall. So auch hier. Mein Po wurde geklopft, wie es ein Sternekoch bei einem Kotelett machen würde. Den Esssenszulieferer am Telefon habend, machte ich dem hauenden Kind mit einer Geste klar, dass ich ihm gerade nicht zuhören könne. „Geduld ist schließlich auch etwas, was Kinder erlernen müssen.“, sagte ich mir in Gedanken auf. Das Gespräch war kaum beendet, da platzte es aus dem Kindermund heraus: „Der Matthias hat gerade in die Kuschelecke gekotzt!“ Mit großen Schritten hastete ich zum Ort des Geschehens, riß den Vorhang zur Seite, schüttelte mir die Hausschuhe von den Füßen und sprang mit einem großen Satz in die weichen Kissen der Kuschelecke, um ein im Gesicht völlig grünes Kind in meine Arme zu nehmen und aus der Ecke herauszutragen. Es gab keinen Zweifel: Auch im Neonlicht des Raumes ausserhalb der Kuschelecke sah Matthias alles andere als gesund aus. Green light. Mit dem Kind auf dem Arm beruhigende Worte einflößend gab ich der Kinderpflegerin zu verstehen, dass sie bitte alle Kinder aus der Kuschelecke holen und das Erbrochene sauber machen solle. Ihre Antwort: „Kotze wegwischen?? Neee, tut mir leid, das kann ich echt nicht!“

Matthias beruhigte sich schnell. Ich nahm in mit in den Waschraum der Erwachsenen, denn kleine Kinder sind bei Ereignissen, die nicht oft vorkommen, oft nicht förderlich. Sie stehen dann im Pulk um das Kind herum und stellen Fragen wie: „Warum macht der das?“, „Booaah, wie der blutet!“ oder „Meine Mama hat auch mal so gekotzt und dann war sie schwanger – mit einem Baby!!!“ Als Matthias nicht mehr zitterte, sauber war und sich aus seiner Kuschelposition an meinem Hals entfernte, sagte er, dass er sich heute morgen zu Hause auch schon übergeben hätte. Komisch!!! Warum sagten mir die Mütter und Väter morgens alles, nur das nicht? Hmmmm… Ich habe Verständnis für Frauen, die alleinerziehend berufstätig sind. Bei dieser Mutter handelte es sich aber um eine verheiratete Shoppingsüchtige und da riß mir der Geduldsfaden. ICH habe Verantwortung für 25 Kinder und bin kein Krankenhaus. Darüber hinaus gibt es schwangere Mütter, und die haben wohl ein Recht darauf, zu wissen, ob ein Kind Röteln oder andere ansteckende Krankheiten hat! Ich hämmerte die Telefonnummer der Mutter quasi ins Telefon, um ihr zu sagen, dass ihr Kind krank sei und sie ihn bitte abholen solle, aber sie ging nicht ran. Mit einer Wärmflasche auf den Bauch, einer Schüssel vor den Füssen und einer flauschigen Decke am Körper ruhte sich Matthias im Nebenzimmer aus und ich machte mich daran, das Erbrochende aus der Kuschelecke zu entfernen. Die Kissen packte ich ihn große Säcke und stellte sie mit dem Hinweis für die Eltern „Wer kann sie zum Waschen mit nach Hause nehmen?“ vor die Gruppentür.

Der Alltag musste weitergehen, und so rief ich – unterstützt durch eine Klingel – in die laute Runde: „Wer hat noch nicht gefrüüüühstückt?“ Die Kinder rasten zum Brottaschenwagen, um ihr Essen herrauszuholen. Ich schenkte Tee aus, schnitt Zauberäpfel, öffnete Joghurtbecher, entfernte Bananen aus ihrer Schale und achtete darauf, dass Luca die Aprikosenwürfel nicht jetzt schon verputzte. Aber da war doch noch was? Ach ja! Was war mit Marie und Anna im Badezimmer? In diesem Fall war die Milch tatsächlich am Überkochen. Die Beiden hatten sich zusammen in einer Klokabine verschanzt und eine völlig neue Entdeckung gemacht! Die grünen Papiertücher aus dem Spender, die eigentlich zum Hände abtrocknen gedacht sind, lassen sich mithilfe von Wasser ja so wunderbar zu kleinen Fladen zusammenpanschen und mithilfe dieser Fladen kann man ja wiederum wunderschön die Decke des Waschraumes gestalten, wenn man mit viel Energie die in Wasser getränkten Tücher hoch an die Decke wirft, wo sie – für einige Zeit – auch hängen bleiben! Juchuhhh, wir haben die Schwerkraft besiegt! Ich hätte ebenfalls jubeln können, denn schliesslich habe ich auch einen Bildungsauftrag und muss Kinder an die Gesetze der Natur/Physik heranführen. In diesem Fall aber musste ich schimpfen, denn ihr Experiment glich einem Vandalismus. Die Zimmerdecke sah aus, wie ein schief gelaufenes Projekt eines Malers und im Sekundentakt fielen die getränkten Fladen von der Decke herunter, wo sie im Waschbecken, auf dem Fussboden oder in den Blättern der Zimmerpflanze landeten. Ein besonders Hartnäckiger musste von uns mithilfe einer Leiter heruntergeholt werden. Nach einem kleinen Donnerwetter gingen die beiden in den Gruppenraum zurück, und ich fand jetzt auch mal Ruhe, ein Frühstück einzunehmen. In der Küche holte ich mir einen Kaffee und setzte mich mit meinem Leberkäsbrötchen an den Tisch, an dem einige Kinder ebenfalls aßen.

„Hallo!“, ertönte ein Stimmchen neben mir. „Hallo Bella!“, antwortete ich und fragte mich, warum sie plötzlich neben mir stand. Sie war doch eben noch oben in der Puppenecke. „Schmeckt dir daaaaaas?“, fragte sie mich, als sie sah, wie ich in das Leberkäsbrötchen biss. „Jaaaa“, sagte ich und fragte sogleich, ob sie denn schon etwas gegessen habe. Sie ignorierte dies und sagte: „Ist bestimmt lecker, was du da hast, neee?“ Da war sie wieder, meine Bella, von der eigenen Mutter gerne auch „das Bällchen“ genannt, weil sie zu gerne aß und sich ihr Leben meist um die nächste Nahrungsaufnahme drehte. Das hatte das Kind nicht von selbst mit auf die Welt gebracht und nein, es leidet auch nicht am ernstzunehmenden Willi-Prada-Syndrom. Die Mutter hatte es versaut, indem sie ihre Zuneigung zum Kind all zu oft mit Essen stillte. Wenn ich einen Ausflug mit den 25 Kids plante, bereitete dies der Mutter schon drei Tage Kopfschmerzen. Nicht weil sie mir ihr Kind nicht anvertrauen wollte, sondern weil sie nicht wusste, wieviel Wurstbrote in den kleinen Rucksack ihrer Tochter passen würden. Es ging auch nicht um das Ziel, danach fragte sie nie und genau DA vermutete ich irgendwann nach dem zehnten Ausflug das Problem.

„Frau O., wir besuchen nur die alte Wassermühle am Dorfrand – wir haben nicht vor, die Rocky Mountains zu durchqueren! Es reicht daher, wenn sie ihr ein bisschen Obst und was zu Trinken einpacken. Eine Banane oder ein Apfel würde völlig reichen!“ Es wurden dann zwei Bananen, drei Pfirsiche und ein Apfel-Joghurt mit Kokosstreuseln. Ohne Löffel. Bei einem Ausflug! Weil es mir meine Berufsehre verbietet, hämisch gegenüber Kindern zu sein und weil ich ja schon ausflugserfahren bin, hatte ich da immer die Erzieherinnenausrüstung in meinem Rucksack dabei: Kinderfeuchttücher für Kinderhände und zur Not für den Poppes, Taschentücher für die Nasen und zum winken, wenn wir im Pulk die Strasse überquerten, Erste-Hilfe-Set für Notfälle, einen Kuli für den nötigen Smiley auf dem Pflaster, die Telefonnummer eines Arztes, Tröstebonbons, eine Schnur (du glaubst nicht, wievielen Kindern unterwegs plötzlich der Schnürsenkel kaputt geht), Tesafilm (habe vergessen warum. Aber war mal wichtig und kam deswegen immer wieder mit!), Fotoapparat, Batterien, kleine Mülltüte, Plastikbecher (die aus Hartplastik = wiederverwendbar) und natürlich Löffel!!! Das hat schon ein wenig Mac Gyver-Charakter, oder? In meinem Universalrucksack steckte jahrelang eine laminierte Checkliste und vermutlich ist sie da heute noch drin.

Aber zurück zum Berufsalltag. Wir waren alle fertig mit dem Frühstück und das „Freispiel“ lief nebenher. Weil einige Kinder nicht genug frische Luft bekommen, war es mir immer wichtig, einmal am Tag mit den Kindern nach draussen zu gehen. So auch an diesem Tag. Wenn die Ankündigung „Wir wollen nach draussen gehen, zieht euch an!“ aus meinem Mund kam, hieß das für fünf Kinder übersetzt: „Oooh ja, wie dürfen nochmal in den Waschraum und Unsinn treiben!“, für weitere Fünf hieß es: „Is kann mir noch nis die Suhe alleinanziehen.“, für sieben Andere: „Ich spiele so gerne Puppenmama/-papa und helfe den Kleinsten gerne beim Anziehen!“ Für den Rest bedeutet es: „Yeaaah, nach draußen!! Bin schon fertig mit Anziehen – wann geht’s endlich los???“

Eben genannter Rest der kleinen Meute musste besondere Geduld beweisen. Meist standen sie an der großen Glastür und scharrten wie wild mit den Hufen. Das Ziel des riesigen Garten mit all seinen Möglichkeiten direkt vor Augen brachte sie schier um den Verstand. Sie schubsten, drängelten, ärgerten sich gegenseitig so lange, bis ich einschreiten und einige von ihrem nahenden Ziel der Gartenfreiheit kurz beschränken musste, indem ich sie heranzog, den Kleineren beim Anziehen mitzuhelfen.

Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, solche Ärgerer (ich nannte sie im Geiste die wilden Pferde) drinnen zu belasssen, weiß aber, dass es Kolleginnen gab, die dies praktizierten. Da musste „Wildpferdchen“ Max plötzlich drinnen bleiben und den Mittagstisch eindecken – was ist denn das für ein Blödsinn? Wer schon mal in die traurigen Augen eines wilden Max geguckt hat, wie er – zur Strafe! – den Tisch eindecken muss, statt draußen herum zu tollen, wird meine Ansicht teilen. „Der muss noch mal nach draußen auf die Koppel!“, war stets meine Meinung. Hausarbeit als Strafe und das bei einem Jungen. Wo soll das in Zukunft enden?

Wie immer, wenn man so viele Kinder für den Weg nach draußen wettertauglich anzieht, gibt es mindestens drei, die erst dann, wenn der Reißverschluss der Jacke ihnen bis zum Kinn hochgezogen wird, merken, dass sie nochmal auf Toilette müssen. Ich also mit dem Rest nach draußen und die Kinderpflegerin blieb drinnen. War ihr eh viel lieber. Draußen war es stets zu kalt und sie musste sich stündlich um ihre Haarpflege kümmern. Wie die Loreley am Rhein schwang sie zu jeder vollen Stunde ihren blauen Kamm und bürstete ihr güldenes Haar. Da passten Kotze weg wischen, verlorene Schlüpper suchen oder zum hundersten Mal das gleiche Buch vorlesen einfach nicht in ihr Konzept. Haare bürsten. Das war gut. Das beruhigte sie.

Entschuldigt, aber zum Haare bürsten kommt mir noch der Gedanke, wie oft die Kinder mir die wildesten Frisuren machen wollten – und stets habe ich sie gelassen. Ich bekam die Haare gedreht, gewickelt und gerollt (weil einige noch nicht flechten konnten). Es wurde toupiert (oder das was das Kind darunter verstand) und nur einmal musste ich NEIN sagen, als Kinderhände mir mit Filzstiften eine neue Haarfarbe anmalen wollten. Meist wurde ich geschmückt mit allem, was der Haarkoffer hergab: Lockenwickler, Zopfgummis und Haarklammern in allen Farben. Mit Glitzer und ohne, blau, rot, quietschgelb, grasgrün, sehr pink. Hätte ich in jeder Hand eine Kerze gehalten, wäre ich der perfekte Weihnachtsbaum gewesen. So war ich aber für den Postmann, den Essenszulieferer, den Kopier-Reparaturdienst und alle anderen, die an einem Vormittag mal in den Kindergarten kommen, die durchgeknallte Alte. Machte mir nie was. Ich durfte nur nie vergessen, dieses ganze Zeug aus meinen Haaren zu bekommen, wenn ich selbst nach Feierabend den Heimweg antrat. Denn die Menschen in der S- oder U-Bahn wussten ebensowenig, wo ich arbeite, wie auch die Passanten, denen ich auf dem Weg zu meiner Wohnung begegnete.

Ach, ich schweife immer ab. Tut mir leid. Keine besonderen Ereignisse im Garten an diesem Tag. Das Übliche. Splitter im Finger wegen dem Handlauf an der Rutsche (jedes ausgeteilte Pflaster muss ins Pflasterbuch eingetragen werden – wir sind in Deutschland, da herrscht Ordnung!), Robin schaukelt schon viel zu lange (sagt Lisa), Elisa und Carla haben sich in der „Höhle“ unter dem Baum gestritten, weil beide Ronja Räubertochter sein möchten, aber es scheinbar nur eine geben darf, und Janis mit seiner Jungensgruppe hat (mal wieder) die Mädchen geärgert. Ach halt, eine Ausnahme gab es doch noch: Sebastian hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Sand aus der Sandkiste herauszuschaufeln. Nicht nur ein bisschen: Den ganzen Sand! Er war mit der Plastikschippe schon fast am Boden angekommen und kratzte am dortigen Zement, als ich ihn fragte, was er da mache. Ich hätte es ahnen müssen. Als Kind erzkatholischer Eltern hatten diese ihm eingetrichtert, dass der personifizierte Teufel unter der Erde wohnte und dieser kleine Kerl scheute sich nicht, nachzugucken, ob das stimmte. Ich musste schmunzeln über seinen Mut, notierte mir aber dennoch ELTERNGESPRÄCH! in mein Notizbuch.

Dann ging es rein zum Mittagessen. Vorab musste ich mit dem Thermometer die Temperatur des Essens messen und in einem Kalender festhalten (Vorschrift – wir sind ja in Deutschland!). Wenn das Essen eine bestimmte Temperatur nicht hat, muss es zurück an den Essenslieferanten. So will man sichergehen, dass sich keiner an Salmonellen oder Sonstigem ansteckt. Früher mussten wir auch noch Proben des Essens einfrieren, aber nachdem der Essenszuliefer dies macht, bedeutet es weniger Arbeit für uns. Vor dem Mittagessen natürlich das gleiche Programm wie vorher, nur rückwärts: Alle aus den Jacken, Schuhen raus, in den Waschraum und dann zu Tisch. Die blonde Fee konnte nicht helfen, denn es war mal wieder Zeit, dass sie sich ihr Haar bürstete. Egal, ich hatte mir schnell angeeignet, alles zu übernehmen: die „Essensausgabe“, das Tee einschenken, das Fleisch kleinschneiden, die Nasen putzen, unter den Tisch krabbeln und die Gabel wieder aufheben, die Kartoffel für Nina zu manschen, Luis zum leiser reden anzuhalten und Florian die von draussen mitgebrachten Schnecken aus der Hand zu nehmen und nach draußen ins Grüne zu setzen….

Nach dem Essen ging es für die Kleinsten zum Schlafen. Die „Mittleren“ und „Großen“ bleiben im Gruppenraum und wir hatten Zeit für ruhigere Gespräche, komplizierte Aufgaben oder Experimente. Ich weiß noch, wie Lucas Vater ihn mal früher abholte und mich fragte, was ich denn da mache. „Ich experimentiere mit Kindern!“, sagte ich und konnte seine Aufregung nicht verstehen, als er erstaunt und laut nachfragte:“ SIE machen WAAAS?“ „Nein, die Kinder und ich versuchen gerade, mit einer Büroklammer und Waschmittel Kristalle herzustellen – wir experimentieren gemeinsam!“

Dann kurz noch mal Stress, weil eines der Kinder ja gar nicht hätte schlafen dürfen. Auf leisen Sohlen ließ ich die Kinder kurz alleine, um im Schlafraum der Kollegin zu sagen, dass Lara nicht schlafen gelegt werden solle, da sie gleich abgeholt wird. Natürlich kann man als Erzieherin seine anvertrauten Kinder für zwei bis drei Minuten mal alleine im Gruppenraum lassen. Man sollte allerdings zwei bis drei Kinder als „Wächter“ ausloten, die einem sofort Alarm geben, wenn einer der Mäuse auf dem Tische tanzt. Und man muss Zwei bis Drei auswählen, denn wenn nur Eine/Einer diese Rolle inne hat, wird er zum Buhmann/Buhfrau degradiert und das will ich ja nicht. Die Wächter nahmen ihre Rolle oft so ernst, dass sie schon mit dem Alarmglöcken bimmelten, während ich noch nicht mal den Raum verlassen hatte. „HALLO??? Ich bin noch hier!!!“ musste ich dann oft rufen, um das wild klingelnde Glöckchen zu übertönen.

Die Ruhephase nach dem Mittag lief echt toll. Mit Luis und Flo schaute ich in einem Bild-Lexikon nach einem tollen Gebäude, welches sie dann in der Bauecke mithilfe des Holzbaukastens nachbauen könnten. Vorher sollten sie dafür einen Bauplan malen (so konnte ich Zeit schinden). Diesen Plan hängten wir dann in der Bauecke auf und es konnte losgehen. Wir hatten uns partiell für den Eiffelturm entschieden. Warum ich Zeit schinden musste? Weil erstens Nina meine Hilfe brauchte bei ihrem Steckerperlenbild. Ich sollte es bügeln. Zweitens, weil ich unbedingt die Zettel für die Einladung und Anmeldung zum Sommerfest fertig machen musste und drittens, weil ich noch diverse Beobachtungsbögen auszufüllen hatte.

Soll ich mal ganz ehrlich sein? Die ganze Feierei hat mich oft am meisten geschlaucht. Weil es so viel Vorbereitung braucht und weil es immer erwartet wird! Fasching/Karneval, Ostern, Muttertag, Opa und Oma-Fest, Sommerfest, Übernachtung der angehenden Schulkinder im Kindergarten, Verabschiedung der angehenden Schulkinder, Erntedank, St. Martin, Laternenbasteln + Laternenumzug, Weihnachten, ausatmen wegen Urlaub und dann geht es wieder von vorne los. Ach ja, ganz vergessen: bei 25 Kindern in der Gruppe hat ja eines immer mal Geburtstag! Wobei die Geburtage, die ich mit den Kindern im Kiga feierte, immer entspannt waren. Böse Menschen würden sagen, dass es an der Routine lag, aber das verneine ich vehement. Es gab feste Rituale, aber jeder Geburtstag war individuell! Das Erlebnis, als Max die Kerze auf seinem Geburtstagskuchen so feste ausblies, dass ihm schliesslich Wachsreste der ausgepusteten Kerze auf den Augenliedern klebte, war eines, auf das ich gerne verzichtet hätte. Anderes war lustig: als Nina dem Geburtstagskind die Hand so überschwenglich schüttelte, dass ihre Haarspange sich löste und diese mit einem großen Hops in den Wassereimer plumpste! (Der Wassereimer soll sicherstellen, dass frau die brennenden Kerzen, die ein Geburtstag so mit sich bringt, schnell gelöscht werden können. Vorschrift – wir sind in Deutschland.)

Geburtstage waren wirklich immer toll, Laternen basteln mit den Eltern für mich der reine Horror! Aber ich musste es machen, denn wenn in einem viergruppigen Kindergarten alle drei Gruppen dies anbieten, musste ich dies auch tun! Dabei hätte ich allerliebst zwei Tage lang selbst die Laternen „zusammengeschraubt“. Nicht, weil ich es so gerne mag, aber weil ich es schneller hinbekommen hätte. Das soll auf keinen Fall arrogant oder überheblich klingen – bitte versteht mich nicht falsch! Es ist nur so, dass einige Eltern eine ganz besondere, total ungewöhnliche, unfassbar schöne Laterne für ihr Kind basteln wollen und nun werdet ihr lernen wie ich:

In meinem ersten Jahr als Erzieherin dachte ich nämlich, dass es total langweilig ist, wenn die Kinder immer die gleichen Laternen mit sich herumtragen. Ihr wißt schon, diese runden, bei denen der Boden aus einer runden Käseschachtel und oben aus einem ebenfalls runden Deckel mit Loch besteht. Die beiden runden Teile werden eingerahmt von einer Art Butterbrotpapier, auf dem das Kind sich vorher mit Wachsmalkreide kreativ ausgetobt hat. Um die Farben stärker zur Geltung zu bringen, wird das Papier noch gebügelt, bevor es wie ein Rohr zusammengeklebt wird. Nein, ich wollte was Neues! Aus dem Bastellkatalog, der mir als „Basteltante/Erzieherin“ regelmäßig zugestellt wurde, suchte ich ein paar Laternen aus, heftete Fotos der vier verschiedenen Modelle an die Pinnwand und bat die Eltern, sich für eine Laterne einzutragen, damit ich den Bastelsatz dann bestellen konnte. An einem gemeinsamen Abend würden wir dann alle gemeinsam auf den kleinen Stühlchen im Kiga sitzen und das Zeug zusammenbauen….

Dieser Abend war im Nachhinein sehr hilfreich für mich, meine bescheuerten Ideen beim nächsten Mal noch ein- bis zweimal zu überdenken. Alle Eltern wollten die allerbeste, ungewöhnlichste und tollste Laterne für ihr Kind. Sie trugen sich ein, ich bestellte und an einem Abend im Oktober trafen wir uns im Kiga und wollten basteln. Es war ein Graus, denn es stellte sich heraus, dass der Großteil der Mütter (und es kamen nur Mütter) mit der Zusammenstellung des Bastelbogens große Probleme hatten. Am meisten erschrocken war ich von Frau Müller. Sie wollte eine Einhornlaterne für ihre Tochter zusammenstecken und hatte nach nur kurzer Zeit den Kleber überall – nur nicht da wo er gebraucht wurde. Die Wäscheklammern, die ich allen Eltern neben Klebestiften, Scheren und Lochern auf den Tisch gelegt hatte und die eigentlich nur der Fixierung der einzelnen Teile mittels Kleber dienen sollten, klebten ihr am Ellebogen und am Nacken. Als Leiterin der Sparkassenfiliale im Dorf hatte ich großen Respekt vor ihrem Talent, mit Zahlen umzugehen. Aber hier fragte ich mich gerade, ob sie als Kind dauerhaft die Vorschule geschwänzt hatte!? Der Abend, für den eigentlich nur zwei Stunden eingeplant waren, uferte zeitlich mit vier Stunden aus. Anders, als wenn ich mit den Kindern am Vormittag tolle Wasserfarbenbilder male, sprang ich hier von Tisch zu Tisch, um den Eltern beim Zusammenbasteln der Laternen zu helfen und zu retten, was noch zu retten war. Die Laterne von Herrn M. zum Beispiel: Er hatte den Schwanenhals verkehrt herum angeklebt, sodass das weiße, schöne Tier nun wie ein sterbender Schwan aussah. Die tragbare Ritterburglaterne von Frau S. hielt mich zudem schwer in Atem. Sie selbst hatte null Ahnung von der Anleitung und ich musste sehen, wie ich mit dem komplizierten Teil klar kam. Das Einhorn von Frau M. war als solches auch nicht mehr zu erkennen beziehungsweise sah es auf der Anleitung irgendwie fröhlicher und einem Einhorn näher aus. Oder hatten sie und Herr F. aus Versehen die Bastelbögen vertauscht??? Herrjehhh!!!! Oh ja!!! Wie konnte mir denn das passieren? Herr F. sah mit seinem rosa Esel sehr zufrieden aus…. Ich hielt meinen Mund und wusste dennoch, dass die Kinder „es“ merken würden. Ach, was soll’s. Die meisten Laternen halten nicht lang. Entweder gehen sie noch beim Laternenumzug in Flammen auf oder sie landen irgendwann zerknittert hinter dem Kleiderschrank (Erfahrung!!!).

Im Kindergarten-Alltag rückte mein Feierabend näher. Nach und nach wurden die Kinder abgeholt und ich saß nur noch mit Nina im Gruppenraum. Ihre Mutter muss länger arbeiten und so wollte ich, dass Nina es nicht als Strafe sah, als einziges noch nicht abgeholtes Kind im Kindergarten zu sein. Weil es heftigst regnete, gingen wir nicht raus, sondern machten es uns in der Puppenecke gemütlich. Mit vielen Kissen im Rücken sassen wir dicht an dicht und ich las ihr alle Bücher vor, die sie mir vorlegte. Und dann passierte etwas, weswegen ich dies alles überhaupt aufgeschrieben habe! Ihr Vater kam, um sie abzuholen. Er öffnete die Gruppentür, sah uns, stemmte seine Hände in die Hüften und sagte zu mir: „So gut wie sie hätte ich es auch gerne mal!“ Ich versuchte zu lächeln, merkte aber, wie mir die Gesichtszüge langsam entglitten, sodass es maskenhaft ausgesehen haben musste, wie ich nun schaute. Ich konnte auch gar nichts antworten, denn dazu war ich einfach zu baff. (Ein Zustand der mir in manch anderer Situation mal gut stehen würde.)

Ich war deswegen so erstarrt, sauer, wütend, weil es mich und meinen Beruf so runter machte. Respektlos. Was hatte ich heute alles getan und würde es morgen wieder tun, weil es eben mein Beruf ist? Kinder betreuen, sie beobachten, ihr Verhalten in einem Sismik-Bogen festhalten, mit ihnen spielen, sie in ihrer Kreativität fördern, Geburstage feiern, Streit schlichten, trösten, pflegen, BILDEN, erziehen, der Natur näher bringen, turnen, gestalten, Essen bestellen, Hygienevorschriften einhalten, Liedtexte kopieren, Kopierer reparieren, Feste planen, Elternbriefe schreiben, Fotos nachbestellen und aushängen, einen Artikel für den Gemeindebrief verfassen, Ausflüge planen, immer an alles denken, Elterngespräche führen …UND DANN SOWAS! „So gut wie Sie hätte ich es auch einmal!“

Tja, dann kündige doch deinen hochbezahlten Bänker-Job und fang hier an! Pappnase.

Es fehlt am Respekt vor diesem wunderschönen Beruf. War es ganz früher so, dass vier Menschen im Dorf was zu sagen hatten (Lehrer, Erzieherin, Pfarrer und Polizist), so sind wir als Pädagoginnen nun ganz unten angekommen. Nix mehr wert. Gleichzeitig sollen wir aber noch Zusatzaufgaben erledigen wie „Das Mathematikland“, den Englischunterricht (besser noch Spanisch! Ich frage mich, wann Chinesisch-Mandarin eingeführt wird). Dazu wird frau unterirdisch bezahlt und es regt außer unserer Berufsgruppe scheinbar keinen auf. Es gibt diesen alten Witz, wonach Männer deswegen nicht Erzieher werden, weil sie davon keine Familie ernähren können. Da helfen auch teuer bezahlte Bundesprogramme wie „Mehr Männer in Kitas“ nichts! Aber ich will mich nicht weiter ereifern. Inzwischen bin ich ja nicht mehr in einem Kindergarten angestellt, sondern habe mir ein anderes Wirkungsfeld gesucht: Frauen eine Stimme geben die, selbst zur Zeit keine haben.

Bestens aufgehoben im Verein Frauen helfen Frauen e.V. Lübeck gab ich Frauen Kurse in: Entwicklungspsychologie von Kleinkindern, Gesundheitsvorsorge, Sozialrecht, Sexualitätserziehung, uvm. Damit die Frauen das erworbene Wissen an ihre Nachbrain, Freundin, andere Familien weitergeben können.

Das Lustige zum Schluss: Sobald ein Kind aus meiner Betreuung zu Hause Geburtstag gefeiert hatte, gab es am nächsten Tag Eltern, die mich mit großen Augen anschauten und mir sagten : „Ich war gestern nach dem Geburtstag total fertig. Ich weiß nicht, wie sie das mit 25 Kindern schaffen“!

* Alle Namen geändert

Ein Kommentar zu „Respekt vor Erzieherinnen

  1. Sehr schön beschrieben. Obwohl „meine“ Kinder ein bißchen älter sind, gehts in der Grundschule oft genauso zu. Einen lockeren Job haben die Pädagogischen Mitarbeiter natürlich auch, gucken den Kindern beim Spielen auf dem Schulhof zu😂

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