Freizeitpark reloaded Teil 2

Letzte Woche Montag war es mal wieder soweit, ein Besuch des Hansaparks stand erneut auf der Liste. Wenn ich daran denke was ich dort alles erlebte, werde ich immer noch leicht zitterig…

Meine liebe Freundin Clara aus Süddeutschland urlaubte mit ihrem Mann und ihrem sechsjährigen Sohn mal wieder bei uns im schönen Norden und natürlich war uns allen klar, dass wir bei einem Wiedersehen auch den „Hansi“ wieder besuchen würden. Im letzten Jahr waren wir das erste mal gemeinsam dort und ich war sooo happy, ihrem damals fünfjährigen den Park zeigen zu können. Entgegen meiner sonstigen Einstellung hatte ich dabei tatsächlich Hintergedanken. Denn endlich würde ich mal mit Fahrgeschäften fahren können, die mir sonst verwehrt blieben. Die Achterbahn des „kleinen Zaren“ war für Kinder ab drei Jahren und ich wußte nie, wo ich ein Kind herbekommen sollte um dort mitzufahren. Denn alleine sähe das schon komisch aus, oder? +++Kleine erwachsene Frau presst sich in einen Wagon und stielt Kindern den Platz+++ war nun sicher keine Schlagzeile die ich über mich in der Zeitung lesen wollte.

Aber von Anfang an…

Was Freizeitparks angeht, unterteile ich die Personen in drei Kategorien:

  1. die angstbefreiten Allesfahrer*innen
  2. die Manchesfahrer*innen
  3. die Taschenhalter*innen

Ich selbst bilde allerdings die Ausnahme, denn ich bin eine Angsterfüllte Manchesfahrerin die gerne auch mal die Taschen der anderen hält. Und nein, ich habe kein Problem damit, denn ich liebe allein die Atmosphäre die diese Parks ausströmen. Ungesunde Sachen essen, vor Freude qiekenden Leuten beim Looping in der Achterbahn zusehen und Gold waschen sind Dinge, die mich sehr verzücken.

Unsere Runde begann damals an einem Kinderkarussell mit Ketten und irgendwie fingen da meine Probleme schon an, denn als angsterfüllte „Manchesfahrerin“ sind alle meine Sinne geschärft wie nie. War da eben nicht ein Knacken und knistern? Halten die Ketten? Warum fährt der Ehemann der Freundin nicht mit, der ist doch Ingenieur! Aber halt, fährt er deswegen nicht mit, WEIL er Ingenieur ist und weiß, wie es um die Verarbeitung der Verbindungsteile steht? Kreischalarm… Seine Aussage, dass er gerne Bilder von uns in den Fahrgeschäften macht zwecks schöne Erinnerung an diesen Tag, überhörte ich in meiner Angst die allgegenwärtig war.

Zum Glück gab es in dem Kettenkarussell einen Doppelsitz auf dem Ralf und ich sofort Platz nahmen. Er kennt mich und meine leichte Panik ja zu gut. Als wir Platz nahmen, geriet das Karussell kurzzeitig in Schieflage, zumindest glaubte ich das. Ein Mitarbeiter erklärte uns daraufhin, dass nur ein Kind und ein Erwachsener in dem Doppelsitz sitzen dürfen und nicht zwei Erwachsene. Ach so… na dann… Wir nahmen woanders Platz und warteten auf den Start der sogleich folgte. Die Ketten rasselten und wir wurden hochgezogen. Dann drehten wir uns hoch oben. Uuuuargh. Während Ralf, meine Freundin und das Kind sich ihres Lebens freuten, überlegte ich, warum es keine Musik gab. War hier schon mal was passiert und man wollte nun jedes mögliche Geräusch von Anfang an hören? Warum gab es einen Wassergraben um das Fahrgeschäft herum und wäre es tief genug um mich beim fallen wenigstens ein bisschen aufzufangen? Es brauchte mindestens fünf Runden bis ich das durch die Luft gewirbele einigermaßen genießen konnte und just in diesem Moment war das Spektakel schon wieder vorbei. Schade…

In diesem Jahr stellten wir und auch wieder am Kettenkarussell an, wurden aber gebeten später wieder zu kommen, da es noch nicht fahrbereit war. „Wusste ich´s doch!“ sprach mein angsterfülltes ICH. Allerdings hatte es keine Zeit seine/meine Sorgen zu pflegen, denn das Kind wollte Spaß und so rannten wir – völlig angesteckt vor Freude- hinter ihm her zur nächsten Attraktion. Glücklicherweise fand er die Achterbahn des „Kleinen Zaren“ auch in diesem Jahr noch fahrenswert. Ich stieß ein dankbares Gebet zum Himmel aus, denn diese Achterbahn war für mich drei Runden nacheinander fahrbar und da am frühen morgen so wenig kleine Menschen anstanden, ließ uns der Fahrleiter prompt ein paar Runden extra drehen.

Clara und Ralf wollten dann in der Glocke fahren. In diesem monströsen Fahrgeschäft sitzt man in dem Klöppel eine Glocke und dreht sich nicht nur, nein, als würde das nicht reichen, schwingt man natürlich auch noch hin und her und baumelt dabei über einen Springbrunnen mit Wasserfontäne. Wer denkt sich so etwas nur aus? Lernt man so etwas in einem besonderen Studium auf der Kreischalalarmakademie? Das Kind, der Mann und ich jedenfalls hielten die Taschen 😉

Weiter ging´s zur Wikingerwildwasserbahn. Auch wenn diese Bahn für Kinder ist, so wollte ich mit Ralf in dem Zweierboot fahren. Clara und ihr Sohn winkten uns – im Boot sitzend- schon von hoch oben zu, da hielt eines der Boote vor Ralf und mir. Der Einweiser sagte, ich solle Platz nehmen und als ich das tat, schloß er die Tür hinter mir, sodass ich ganz allein in dem Boot über ein Förderband nach oben gezogen wurde. Panisch schaute ich zu Ralf, der mit den Schultern zuckte und nach und nach immer kleiner wurde. „Ich bin hier alleine drin!“ rief ich dem dokumentarisch Bilder schießenden Ehemann von Clara zu, worauf er den Zoom der Kamera schärfer einstellte. Eis essende Kinder, sich ausruhende Mütter, Väter mit dem ausfaltbaren Parkplan in der Hand schauten zu mir herauf, aber keine(r) tat was. Gab es hier denn keinen Notschalter? „Ich bin hier alleine drin!!“ wiederholte ich rufend und erntete erste Lacher. Wo waren denn die Zwerge mit ihren Staubsauerrohren wenn man sie mal brauchte? Ach nee, auf die war ich ja eh sauer, weil einer von ihnen mir die schwer erwirtschaftete „Gold- schürf -Medallie“ geklaut hatten. Allerdings war das nur ein Traum. Träumte ich jetzt vielleicht auch nur? „Ich bin hier ganz aaaaaaaaaaaaa…….“ und schon platschte ich mit dem Boot unten am Ziel ins Wasser.

Ab da wollte ich nur noch die Taschen halten.

Beim durchqueren der Bärenhöhle steckte ich dieses mal beide Hände in die Hosentaschen um mich auf gar keinen Fall wieder bei jemandem fremd festzuhalten. Als großherzig „mutige“ Letzte ging ich hinter den anderen her und wußte somit, wann der Bär und die anderen Tiere Geräusche von sich gaben. Gewußt wie. 😉

Als Claras Sohn auf einem Plastikpony, welches auf einer Schiene durch die Prärie saust, reiten wollte, setzten wir uns alle zum ausruhen auf eine Bank und schauten ihm zu. Alle Kinder die dort auf den mechanischen Ponys reiten wollen, haben eine Pistole dabei mit der sie auf kleine Ziele schießen dürfen. Cowgirls und Cowboys Traum. Das Kind schoß nicht, es ritt auf der Schiene lieber der Mittagssonne entgegen. Mein Blick fiel auf eine Tafel die hinter unserer Ausruhbank an einer Wand hing.

Dolly = 60 Schuß

Bronco = 23 Schuß

Blacky = 8 Schuß

„Bronco? Wer nennt denn sein Kind Bronco?“ fragte ich in Richtung Ralf und bekam keine Antwort. „Und Dolly? Das hört sich ja an wie Dolly Parton, die Countrysängerin“. Als Erzieherin hatte ich ja schon einige schlimme Namen von Kindern mitbekommen und aussprechen müssen, aber Blacky? Nennt man so nicht eher ein Pferd? Okay, DAS war der Moment in dem meine Neuronen hörbar knisterten und ich endlich merkte, dass ich mal aus der Sonne gehen sollte. Wie blöd konnte ich sein zu denken, dass auf der Tafel die Namen der reitenden Kinder und nicht die der Plastikponys angezeigt werden?

Nach vielen Runden in weiteren diversen Fahrgeschäften kamen wir schließlich an einem Riesengroßen Katapult vorbei. Wer dort drin saß, wurde in schwunghaften Auf – und Ab Bewegungen umhergefahren und wem das allein nicht reichte, der konnte dann noch mithilfe zweier Holzbretter die sich links und rechts von einem befanden einen Überschlag wagen. Überhaupt nichts für mich befand ich. „Toll für dich“ befand der Taschen haltende dokumentarisch alles festhaltende Ehemann von Clara. Und genau da muss ich ein Lob auf ihn aussprechen. Er kennt mich wirklich gut und weiß, was für eine Angsthäsin ich bin. Letztes Jahr hat er mich auch schon bequatschen wollen dort hinein zu gehen. „Völlig absurd“, sagte ich und schüttelte meinen Kopf im Vorbeigehen an diesem Fahrgeschäft minutenlang. Dieses Jahr war es nun also wieder soweit. Er meinte, dass diese Attraktion mich begeistern würde und weil ich ihm wirklich vertraue, blieb ich dieses mal wirklich stehen und beobachtete das ganze aus sicherem Abstand. „Da drin überschlägt man sich“ empörte ich mich aber der Ingenieur beruhigte mich, in dem er sagte, dass ich das ja selbst in der Hand hätte und nicht müsste. „Glaub mir, dass ist wird dir großen Spaß bereiten“ ergänzte er. Ich erinnerte mich daran, dass er mich und meine Ängste ernst nimmt und auch daran, wie er mich im letzten Jahr schon ermutigen wollte. Zudem lügt mich nie an und das gab mir dann den entscheidenden Impuls mich TATSÄCHLICH dort anzustellen. Clara und ihr Sohn waren auch dabei. Allerdings würde jeder für sich alleine sitzen, aber das war ich ja nun schon fast gewohnt. 😉

Mit Herzklopfen bis unter´s Dach stand ich dann also in der Warteschlange und hoffte, mein Mut würde bis zum Ende anhalten. Ein Mann der hinter mir stand, sagte, dass er damit schon mal gefahren wäre und sich, zu seinem eigenen Bedauern nicht überschlagen habe. „Und wie haben Sie das gemacht?“ fragte ich ihn und drehte mich interessiert zu ihm um. „Wie jetzt? Wie ich es geschafft habe mich nicht zu überschlagen?“ fragte er mich um klar zu gehen, dass er mich richtig verstanden hatte. Ich nickte als wäre mein Kopf auf einer Sprungfeder befestigt. Leider wurden da die Türen geöffnet und wir sollten Platz nehmen. Um auf keinen Fall die Holzbretter die links und rechts von mir bereit lagen und deren Berührung zur Folge haben könnten, dass ich mich überschlage, anzufassen wollte ich meine Hände, (wie in der Bärenhöhle) in meine Hosentaschen vergraben.

Das ging jedoch nicht, da sich in diesem Moment der Bügel vor mir verschloss. Wie zwei riesige gepolsterte Hosentäger hatte ich nun über meiner Brust links und rechts diesen Sicherheitsbügel.

Als diese sich direkt einharkten wurde ich gefühlt kurz Ohnmächtig. Allerdings nicht vor Angst davor, dass es nun kein Zurück mehr gab, sondern deshalb, weil diese geplosterten Dinger übelst nach altem Schweiß rochen. Ich würgte kurz und dann ging es auch schon los. Wir wurden nach oben gezogen und sahen die anderen, Taschen haltenden Personen nur noch aus der Entfernung. Das Katapult drehte sich langsam und lies ud rauf und runter rauschen. > Notknopf…ich brauche den Notknopf> dachte ich mir und als ich mir schon selbst erklärte, dass es keinen geben wird, tat ich das was mir besser erschien: mich mit beiden Händen in das stinkende Polster festkrallen und die Auge zumachen. Nicht sehen wie man da in Höhe auf und ab gewirbelt wird schien mir als beste Strategie. Der dokumentarisch, alles in Bildern festhaltende Mann von Clara würde hier sicher kein Foto für mich haben. Mir egal, ich wollte das alles möglichst schnell hinter mir wissen. Und dann passierte in Runde drei etwas total schönes….

„Hey Spätzle mach mal die Augen auf, dir passiert nix!“ rief mir jemand entgegen, dessen Stimme ich nicht kannte. Spätzle… Ich mag es Spätzle zu essen und habe eine liebe Freundin aus dem Schwabenland, die mich gerne als ihr Spätzle betitelt. Als ich >Spätzle> hörte, riss ich sofort meine Augen auf und was sah ich da unter mir? Der Mitarbeiter des Fahrgeschäftes in dem ich mich gerade befand, stand unter mir und winkte mir zu, als wolle er ein Flugzeug auf der Landebahn anhalten. „Spätzle, entspann dich, dir passiert doch nix“ wiederholte er sich und so tat ich wie mir geheißen. Ich löste mich aus der verkrampften Haltung, ließ die schweißgetränkten Polster los und schaute mit wachem Blick über die umherfliegende Landschaft. Unfassbar, ich liebte es! Doch wie schon anfangs bei dem Kettenkarussell war die fröhliche Fahrt just in dem Moment vorbei, als ich sie endlich genießen konnte. Was für ein herrliches Geühl!

Abgeschnallt und mit noch leicht wackligen Knien verliess ich das Katapult. Ich müsste noch meine Sonenbrille am Fahrgeschäftshäusschen abholen, dann könnte ich, Adrenalinbeschipst und happy darüber, dieses Karussell mitgefahren zu sein, meinem Ralf in die Arme fallen. Doch der „Spätzlemann“ hatte noch was mit mir vor. Bevor er die wartenden, nächsten Passagiere einlies, sagte er, ich solle kurz mal warten. Häää? Oh nein, was hatte ich verbrochen? Ich fühlte mich wie früher in der Schule. Wenn der Lehrer alle anderen Schüler*innen in die Sommerferien entlies und ich mir noch eine Standpauke abholen musste.

Vor all den wartenden in der Schlange sagte er mir folgendes:

„Hör mal zu. Ich hab dich da oben gesehen. Wie sehr du verkrampft warst und Angst hattest. Aber weißt du was? Angst entsteht in deinem Kopf und nur da. Du hast es in der Hand das zu ändern. Du bist hier in einem Freizeitpark und alle Geschäfte hier sind absolut sicher für dich. Du musst hier nirgendwo angst zu haben, denn alles ist save!“ Wow…

Ich nickte wie ein Kind was seiner Mutter verspricht, niemals wieder alte Käsebrote während der Sommerferien in seinem Schulranzen zu vergessen und wäre am liebsten sofort wieder eingestiegen in dieses Geschäft mit diesem tollen Mitarbeiter!

Am Ende des Tages waren wir alle fünf ein wenig erschöpft, aber glücklich. Das Wetter war toll, der ganze Körper war mit Adrianlin überschüttet und wir hatten grandiose Erlebnisse.

Im nächsten Jahr wird Claras Sohn sieben Jahre alt sein. Auch wenn ich mir sehr wünsche, dass er die Achterbahn des kleinen Zaren auch da noch nicht nicht als Babykram ansieht und mich als Mitfahrerin mitnimmt, freue ich mich auf den Besuch des Parks, denn ich habe selbst sehr große Lust darauf, nochmal im Katapult mitzufahren. Mein Hirn braucht solch tolle Erfolserlebnisse 🙂 Außerdem möchte ich dem Fahrgeschäftsmitarbeiter noch einmal herzlich für seine motivierenden und aufmunternden Worte bedanken. Das war super! Tschüß Hansapark und auf einen neues im nächsten Jahr.

Herzliche Grüße an euch alle

Steph ❤

4 Kommentare zu „Freizeitpark reloaded Teil 2

  1. Liebe Steph, das war sehr mutig. Ich weiß. nicht, ob ich da einsteigen würde :-). Und was ich ganz besonders schön finde ist, dass man in deinen Beiträgen spürt, wie du an dir arbeitest. Mit Humor. Versuchst, dich nicht so ernst zu nehmen. Dich nicht als Opfer siehst und jammerst, sondern bemüht bist zu verstehen, zu vertrauen und die Komfortzone stets ein Stück oder wie hier – einen gewaltigen Schritt – überwindest. Das beeindruckt mich sehr. Du bist eine sehr starke und mutige Frau. Viele liebe Grüße, Monika

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  2. Hallo Steph,
    wieder ist es dir gelungen, mich auf deine Reise ( bzw. Achterbahnfahrt) mitzunehmen. Ich gehöre ja auch ganz eindeutig zum Typ „Taschenhalter“ und nachdem Jonas gestern voller Begeisterung aus dem Hansapark zurückkam, hat sich daran auch nichts geändert – schon alleine der Gedanke an 103m Freiflall in 5 Sek. lässt mich erbleichen und die Schilderung der Achterbahn mit 60m Rückwärts-Abwärts-Fahrt verursacht bei mir Gänsehaut. Aber schön, dass das „Kind“ seinen Spaß hatte! – und der Chiropraktiker heute eine Menge wieder geradezurücken.
    Ich wünsche dir viel Vorfreude auf den nächsten Parkbesuch!

    Gefällt 1 Person

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